Lebensretter bei Diabetes

Basti hat eine besondere Fähigkeit: Der einjährige Labrador-Mischling kann das Leben von Menschen mit Diabetes retten, indem er frühzeitig Unter- oder Überzuckerung erschnüffelt. Seit sechs Monaten wacht der Partnerhund über den sechsjährigen Tobias aus der Obersteiermark, der an der Stoffwechselkrankheit leidet. Er gibt Bescheid, sobald ein bestimmter Blutzuckerwert – egal ob hoch oder niedrig – erreicht ist. „Wenn Basti uns seine lange Stoffwurst bringt, dann wissen wir, dass die Blutzuckerwerte nicht stimmen“, schildert Tobias’ Mutter Astrid Perner. „Für uns ist Basti eine große Hilfe, besonders nachts.“ Denn es kann sein, dass der treue Gefährte mehrmals anschlägt und die Eltern im benachbarten Schlafzimmer aufweckt. Basti hat aber auch gelernt, eine Notfallsglocke zu läuten: „Wir kontrollieren dann Tobias’ Blutzuckerspiegel mit einem Messgerät und können gleich richtig reagieren“, erklärt die Mutter.

Tägliche Übungen mit Futter. Tobias ist an Diabetes Typ 1 erkrankt. Mehrmals am Tag kann der Volksschüler von Schwankungen des Blutzuckerspiegels überrascht werden. In der Schule wird Tobias von Fachpersonal betreut, erklärt seine Mutter: „Dann darf sich unser Basti zu Hause ausruhen, weil sein Job als Diabetiker-Hund auch sehr anstrengend sein kann. Bei Ausflügen oder beim Einkaufen ist er aber immer dabei.“ Das Training des Assistenzhundes ist noch nicht abgeschlossen, täglich wird spielerisch geübt. So kann Basti nicht nur Alarm mit der Glocke schlagen, er hat auch gelernt, eine Notfalltasche und eine Saftflasche zu.

Wenige Hunde sind geeignet. Die Ausbildnerin von Basti, Anna Oblasser-Mirtl, leitet das Animal Training Center im steirischen Rohrbach. Die in den USA ausgebildete Tiertrainerin bietet hier Verhaltenstraining, Hundeurlaub und sogar eine spezielle VIP-Filmhunde-Ausbildung für talentierte Vierbeiner an. Parallel dazu konnte sie mit ihrem Team bereits 16 Diabetikerhunde vergeben. „Ein Hund aus tausend eignet sich für diese Aufgabe“ erzählt die 29-Jährige. „Er muss einen einwandfreien Charakter haben und völlig gesund sein.“ Die Fähigkeit zum „Riechen“ von lebensbedrohlichen Zuckerwerten ist nicht rassespezifisch. Die Mischlinge aus Labrador und Golden Retriever, die Oblasser-Mirtl selbst züchtet, eignen sich allerdings besonders gut für diesen Job: „Sie vereinen die Gelassenheit des Goldies mit der Arbeitsfreude des Labradors.“ Aber auch Schützlinge aus dem Tierheim wurden im Trainings-center erfolgreich zu Diabetiker-Warnhunden ausgebildet.

Ausbildung im Welpenalter. Die Trainerin erzählt: „Viele der jungen Patienten leiden durch ihre Krankheit an einer Wahrnehmungsstörung. Vor allem, wenn sie durch Spielen oder Lernen abgelenkt sind, können sie Schwankungen im Blutzuckerspiegel nicht erkennen. Dadurch können bedrohliche Situationen eintreten.“ Durch intensives Training wird dem Diabetiker-Hund beigebracht, diese Schwankungen zu erschnüffeln und zu melden. „Er lernt auch, das Kind in der Nacht aufzuwecken und im Notfall einen Schalter zu drücken, der die Eltern alarmiert.“ Die Ausbildung erfolgt spielerisch und mit positiver Bestätigung: „Schon der kleine Welpe lernt den typischen Geruch anhand einer Speichelprobe zu identifizieren.“ Auch die Familien, die sich für einen der Diabetiker-Hunde bewerben, durchlaufen einen Auswahlprozess. Denn nicht jeder Hund passt in jedes Umfeld. Finanziert wird die aufwendige Ausbildung der spezialisierten Begleiter hauptsächlich durch Spenden, z. B. durch die „Stiftung Kindertraum“, damit der Selbstbehalt der Eltern leistbar bleibt.  Oblasser-Mirtl bekommt regelmäßig Feedback über die unglaublichen Leistungen ihrer Schützlinge: „Manche unserer Hunde warnen sogar, wenn der Diabetiker nicht in der Nähe ist. Einige zeigen schon 30 Minuten vorher an, dass sich der Diabetiker bald in einem Grenzbereich befinden wird. Immer wieder erhalten wir solche Nachrichten, die uns eine richtige Gänsehaut verursachen!“

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