Lärm macht krank!

Dass das Coronavirus auch Gehörschäden verursachen kann, wissen mittlerweile schon viele Menschen – zu laute Geräusche im Alltag hingegen werden nach wie vor weitreichend unterschätzt.

Eines Tages wird der Mensch den Lärm so unerbittlich bekämpfen müssen wie die Cholera und die Pest.“ Ein Zitat des berühmten deutschen Mediziners, Mikrobiologen und Hygienikers Robert Koch (1843-1910). Der Arzt hat geradezu prophetisch in die Zukunft geblickt: Die genannten Seuchen haben wir im Griff, mit Corona wird die Menschheit auch zurechtkommen – das Lärmproblem hingegen wird tatsächlich immer schlimmer. Das bestätigt der in Wien und St. Pölten praktizierende HNO-Facharzt Dr. Stefan Edlinger im folgenden Bericht: Unsere Umgebung wird lauter. Eine Tatsache, obwohl unsere Ohren von der Entwicklung her eigentlich auf leise Töne ausgerichtet sind. Schließlich war es einmal wichtig, den sich nähernden Feind auch zwischen Blätterrauschen heraus zu hören. Heute stehen Verkehrslärm, laute Musik und Webkonferenzen (Pandemie!) im Mittelpunkt. Welche Schallquellen als störend empfunden werden, ist von Mensch zu Mensch recht unterschiedlich. Die meisten von uns betrachten dicht befahrene Straßen und Flugzeuge als hauptsächliche Risikofaktoren. Dabei geht wohl von Kopfhörern die größte Gefahr aus.

Ohren lassen sich nicht ausschalten 

Ab wann tatsächlich Schäden entstehen können, ist recht individuell. Aber aus- und einschalten lassen sich Ohren ganz bestimmt nicht. Daher wäre schonender Umgang mit ihnen wichtiger denn je. Im Folgenden ein kurzer Überblick über die Folgen der Dauerbeschallung, der wir täglich ausgesetzt sind: Schall wird zunächst von der Ohrmuschel aufgefangen und anschließend gebündelt über Trommelfell und Gehörknöchelchen (Hammer, Amboss, Steigbügel) im Mittelohr an das Innenohr weiter geleitet. Es kommt zur Umwandlung dieser Schallwellen in mechanische Energie. Wirkt nun zu viel Energie zu lange, werden jene winzigen Haarzellen geschädigt oder gehen zugrunde, die Geräusche erkennen und an das Gehirn weitergeben. Diese Zellen wachsen leider nicht mehr nach. Daher nimmt unsere Hörleistung im Laufe der Jahre stetig ab. Bereits ab einem anhaltenden Schalldruckpegel von 85 Dezibel (Siehe Grafik) können Schäden auftreten – je höher der Pegel, desto früher. Dabei gilt eine Lautstärke von 80 bis 85 dB – vergleichbar mit einer stark befahrenen Straße oder einem Staubsaugergeräusch – noch als unbedenklich. Bei mehr als 120 dB herrscht schon nach kurzer Einwirkzeit Alarmstufe Rot für das Gehör! Wobei dann neben dem Hörverlust auch Depressionen, Schlafstörungen und sogar Herz-Kreislauferkrankungen gehäuft auftreten. In vielen Fällen gesellt sich außer der Hörverschlechterung auch ein Ohrgeräusch dazu: Der gefürchtete Tinnitus. Während der Pandemie haben sich viele Menschen angewöhnt, auch beruflich Kopfhörer zu benützen. Das Problem damit besteht darin, dass die Unbedenklichkeitsgrenze auf Knopfdruck überschritten werden kann. Irgendein Lärm im Umfeld übertönt einen Webteilnehmer – kein Problem: Man dreht einfach lauter!

Für einen Hörtest ist es nie zu früh!

Die Langzeitfolgen bleiben den meisten von uns lange unbewusst. Ebenso wie die schleichende Hörminderung. Ähnliches gilt für die Langzeitbeschallung. Je länger ein bestimmter Pegel gehört wird, desto leiser nimmt man ihn wahr. Und umso lauter werden die Kopfhörer aufgedreht. Weshalb es für einen Hörtest nie zu früh ist! Wer sich bis ins hohe Alter an gewollter Stille erfreuen will, sollte Lärmangaben und Warnungen ernst nehmen sowie auf regelmäßige Lärmpausen achten. Wenn man privat oder beruflich besonderem „Hörstress“ ausgesetzt ist, dem rät der Experte dringend zu Schutzmaßnahmen. Bestimmte Viruserkrankungen können das Gehör direkt oder indirekt beeinträchtigen. Mit Konsequenzen wie leicht- bis schwergradigem Hörverlust, Schwindel oder Tinnitus. Symptome, die vorübergehen, aber auch dauerhaft bleiben können. Weltweit häufen sich die Fälle von plötzlichen Hörproblemen im Zuge von Covid-19 Erkrankungen. Neben direkter Schädigung der Nervenzellen kann eine Infektion im Nasenrachenbereich zu einem Erguss im Mittelohr führen und das Hörvermögen herabsetzen. Erste Daten aus dem Frühjahr 2021 lassen den Verdacht zu, dass mehr Menschen betroffen sind, als bisher angenommen. Demnach bekommen 14,8% der Covid-Patienten Tinnitus und 7,6% erleiden länger anhaltenden Hörverlust.

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