Klimawandel als Gesundheitsrisiko

Der Klimawandel ist kein Zukunftsszenario, sondern bereits heute Realität. Wer an die vergangenen Sommer denkt, allen voran an jenen vor zwei Jahren, der wird sich erinnern: Hitzetage von mindestens 30 Grad sind mittlerweile eher die Regel als die Ausnahme. Auch steigt die Zahl an Tropennächten, in denen es keine ausreichende Abkühlung gibt, seit vielen Jahren kontinuierlich an. Apropos Zunahme: Laut dem Climate Change Centre Austria (CCCA, dem Klimaforschungsnetzwerk Österreichs) beträgt der Anstieg der durchschnittlichen Jahrestemperatur in Österreich seit 1880 rund 2 °C. Die Natur reagiert, man könnte vielleicht auch sagen, sie wehrt sich: Extremwetterereignisse wie Stürme, Dürren, Hochwasser oder Hitzeperioden zogen zum Teil schwerwiegende Folgen nach sich. Der „Österreichische Special Report Gesundheit, Demographie und Klimawandel“ von 2018 gibt an, dass sich die Zahl der Hitzetage bis Mitte des Jahrhunderts verdoppeln wird. Kurz: Das Wetter spielt seit geraumer Zeit verrückt – und deshalb auch unsere Gesundheit.

Die Gesundheit leidet 
„Der Klimawandel wirkt sich auf unseren Körper aus!“, bringt es Dr. Jürgen Floege, Vorsitzender der DGIM (Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin) auf den Punkt. Sein Kollege Dr. Christian Witt, Leiter des Arbeitsbereiches Ambulante Pneumologie an der Charité – Universitätsmedizin Berlin, konkretisiert: „Die Folgen der Erderwärmung führen zu einer Morbiditätssteigerung von Krankheitsverläufen, allen voran chronischen Krankheiten, die Herz und Atmung betreffen.“ Bei der Annahme einer Erderwärmung von nur 1 ºC, so der Experte weiter, steige die Zahl der Todesfälle in Regionen nördlich der Alpen bei den genannten chronischen Krankheiten um drei bis sechs Prozent. Jedoch nicht alle Menschen sind gleichermaßen gefährdet: Speziell ältere Menschen, Kinder, Schwangere, chronisch Kranke, Personen mit Vorerkrankungen, armuts- und ausgrenzungsgefährdete Menschen sowie Personengruppen, die im Freien arbeiten, sind von den Folgen des Klimawandels am meisten betroffen, darüber sind sich alle Experten und Studien einig.

Die Hitze und der Blutdruck
Der Klimawandel hat viele Gesichter. Eine besondere Belastung geht von Hitzewellen aus. Verschiedene Datenerhebungen zeigen, wie sehr unser Körper unter extremer Hitze leidet: So konnte beispielsweise eine deutsche Studie nachweisen, dass die Sterbequote an heißen Tagen (sprich: mehr als 30 Grad Celsius) im Vergleich zu kühlen Tagen um etwa zehn Prozent ansteigt, bei Krankenhauseinlieferungen wird ein Anstieg von fünf Prozent beobachtet. Ein Grund hierfür ist die große Auswirkung von hohen Temperaturen auf unseren Blutdruck. „Hitze und Schwitzen erweitern die Blutgefäße und bei den meisten Menschen sinkt damit auch der Blutdruck“, erklärt Floege. „Zusätzlich ist der Blutdruckabfall, der beim Wechsel vom Liegen zum Stehen entsteht, in einer warmen Umgebung ausgeprägter, als wenn wir von kühlen Temperaturen umgeben sind. Je nach Ausprägung dieses Blutdruckabfalls kann es dann zu Beschwerden wie Schwindel, Schweißausbrüchen, Müdigkeit, Übelkeit und Schwächeanfällen kommen – bis hin zu Stürzen und Ohnmachten.“ Patienten, die ohnehin einen niedrigen Blutdruck haben, sollten bei Hitze deshalb besonders vorsichtig aufstehen und sich danach einige Sekunden beispielsweise an einem Sessel festhalten, um dem Körper Zeit für die Blutdruckanpassung zu geben, rät der Arzt. „Sie sollten an solchen Tagen auch vermeiden, zu lange zu stehen.“ Doch auch bei Personen, die mit einem zu hohen, aber medikamentös therapierten Blutdruck zu kämpfen haben, kann bei Hitze der Kreislauf schlappmachen. „Wer Blutdrucksenker einnimmt, sollte während langer Hitzeperioden seinen Blutdruck täglich überwachen“, betont Floege. Sinkt der obere, systolische Wert immer wieder oder gar dauerhaft unter 120 mm Hg, sollte man Rücksprache mit dem Arzt halten. „Eventuell ist es dann ratsam, die Tablettendosis zu reduzieren oder die Einnahme ganz auszusetzen.“

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