Kinder sind Anarchos

Das kannst du dir in die Haare schmieren“, Moritz wirft seinen Schulrucksack in die Ecke, setzt sich an den Tisch, wirft noch einen Blick auf das Essen. „Da habe ich keinen Bock drauf“, meckert er. „Sind Pommes da?“ „Nein, Fisch und Gemüse sind auch viel gesünder.“ „Aber ich will Pommes!“ „Pommes gibt es nicht. Dann mach dir jetzt ein Brot.“ Moritz steht wortlos auf, hält sich den Bauch und lässt sich auf die Couch fallen. „Moritz, was ist denn mit dir? Soll ich Papa Bescheid sagen?“ „Nein, geht schon. Mein Bauch knurrt nur so komisch. Und er tut so weh!“ „Ich sag doch, du musst etwas essen.“ „Oh, es tut so weh …“, stöhnt Moritz weiter. Iris seufzt, geht zu ihrer Tasche, holt den Geldbeutel und drückt Moritz etwas Geld in die Hand. „Na gut, dann hol dir eine Tüte Pommes! Ausnahmsweise!“

Willkommen im Club
Kennen Sie das? Dann willkommen im Club der unvollkommenen Eltern, für die es jetzt – nach all den Ratgebern für eine perfekte Erziehung – ein neues Buch gibt. „Viel Spaß beim Erziehen!“ lautet der Titel, und geschrieben haben es Deutschlands bekanntester Erziehungsexperte, Jan-Uwe Rogge und die Autorin Angelika Bartram. Die beiden setzen den aktuellen Thesen, dass Erziehung wieder härter werden muss, einen unterhaltsamen und ungewöhnlichen Ratgeber-Roman entgegen, in dem sie vor allem für Gelassenheit plädieren.

Die Hauptfigur des Buches ist der kinderlose Erziehungsberater und absolute Theoretiker Ben Benningsen. Er macht sich auf die Suche nach dem Geheimnis der perfekten Erziehung, um die Siegerfamilie mit einem „Oscar“ auszuzeichnen. Und: In allen Familien, die er besucht, findet er überforderte Eltern vor und wird immer wieder aufgefordert, seine Tipps auf die realen Umsetzungsmöglichkeiten hin zu überprüfen: Wie reagiert man denn nun richtig, wenn die lieben Kleinen im Supermarkt aus vollem Hals plärren, wenn das Essen mit der Hand über den Tisch geworfen wird, oder wenn die Fünfzehnjährige gegen die Abmachung mit einem Piercing daherschlenkert?

Wider die Tyrannendebatte
Der Held dieses Buches wie auch dessen Autoren halten im Übrigen nichts von der sogenannten „Tyrannendebatte“. Vor allem Psychiater Michael Winterhoff vertritt die Meinung, dass unsere Kinder aufgrund gesellschaftlicher Fehlentwicklungen und von Problemen der Erwachsenen so etwas wie kleine Monster geworden sind, die einfach wieder mehr Strenge brauchen. „Wenn ein Psychiater wie Winterhoff aus seiner Beobachtung von problematischen Grenzfällen in der Eltern-Kind-Beziehung pauschale Verallgemeinerungen ableitet, dann bleibt wohl nichts anderes übrig, als Kinder als Tyrannen abzustrafen“, sagt Autor Jan-Uwe Rogge.

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