Kinder brauchen Bewegung

Zum einen sind natürlich gesellschaftliche Faktoren mitverantwortlich: Nachbarn beschweren sich, wenn Kinder vergnügt herumlaufen; die immer dichtere Verbauung im Stadtgebiet bietet kaum mehr Raum für freie Bewegung und im gefährlichen Straßenverkehr müssen Kinder stets auf der Hut sein. Zum anderen kommt häufig dazu, dass Wege lieber mit dem Auto zurückgelegt werden als einen Spaziergang mit den Kindern zu machen. Teure Einrichtungsgegenstände setzen dem Bewegungsdrang der Kinder auch zu Hause enge Grenzen. In den Schulen wird bei den Turnstunden fleißig eingespart und das beliebteste Spielzeug der jungen Generation, der Computer, verlangt den Kindern nur Bewegungen der Finger ab.

Dies führt dazu, dass manche Kinder im Volksschulalter Aufforderungen wie z.B. rückwärts zu gehen, ruhig auf einem Bein zu stehen oder einen Hampelmann zu springen zum Erstaunen der Eltern nicht nachkommen können und überfordert sind. Dabei ist körperliches Bewegungsvermögen in so vielen Bereichen der Entwicklung der Kinder ein höchst wichtiger und unersetzbarer Bestandteil.

Die für die Erwachsenen auffälligen Bewegungsfortschritte von Kindern finden meist im Kleinkindalter statt. Das Kind lernt nach Gegenständen zu greifen, sitzen, krabbeln, laufen, etc. Doch ist die Entwicklung der Motorik im Volksschulalter bei weitem noch nicht abgeschlossen, auch wenn Veränderungen auf den ersten Blick nicht so schnell erkennbar und offensichtlich sind. Denn das Erlernen von Bewegungsmustern endet nicht mit der Fähigkeit zu gehen. Tobt ein Kind etwa nur herum, bis es vor Erschöpfung nicht mehr kann, wird es oft fälschlicherweise als geschickt in der Bewegung angesehen. In Wahrheit ist es gerade umgekehrt, da das Kind seine Bewegungen weder kontrollieren noch steuern oder bremsen kann.

Koordination, Gleichgewicht, Kraftdosierung, Orientierung, Schnelligkeit, Feinmotorik der Hand, Gleichmäßigkeit, Reaktionsgeschwindigkeit, etc. das sind einige Schlagwörter der vielen Fertigkeiten im Zusammenhang mit der Motorik. Bewegungserfahrungen haben einen entscheidenden Einfluss nicht nur auf motorische, sondern auch auf geistige, emotionale, sensorische (auf die Sinnesorgane bezogene) und soziale Fähigkeiten.

Gescheit bewegen – gescheit werden
Wussten Sie etwa, dass Bewegung unter anderem auch die Fähigkeit zum Rechnen und Schreiben unterstützt? Nur wenn Kinder mit ihrem Körper vertraut sind und eine Bewegung körperlich ausgeführt wird, kann diese auch im Kopf räumlich vorgestellt werden. Bewegung schult somit die Orientierung im Raum sowie die Vorstellung von Größen und Mengen.

Beim Schreiben lernen müssen Begriffe wie oben – unten, links – rechts klar und schnell unterschieden werden können, sonst schreibt Ihr Kind von rechts nach links oder in Spiegelschrift. Schüler, die statt einem p ein b, q oder d schreiben, weisen auch eine Schwäche in der Raumorientierung auf.

Im Rechnen beginnt dies beim Zählen lernen durch z.B. Stufen steigen. Eine Zahl wird mit einer Bewegung in Verbindung gesetzt, die durch oftmaliges Wiederholen erinnert wird. Somit kann das Kind später auch aus dem Gedächtnis zählen, ohne tatsächlich Stufen vor sich haben zu müssen. Die Bedeutung des Umfangs wird am besten erfahren, wenn Sie mit Ihrem Kind z.B. ein Fußballfeld an der Begrenzungslinie entlang laufen.

Sich selbst bewegen macht selbstbewusst
„Der ist ja zu doof zum Ball fangen!“ Wird ein Kind immer als letztes zu einer Mannschaft gewählt, führt dies meist zu negativen emotionalen und sozialen Auswirkungen. Ungeschickte Kinder rutschen leicht in eine Außenseiterrolle und fühlen sich oft minderwertig. Sie nehmen den eigenen Körper nur ungenügend wahr und wissen damit kaum etwas anzufangen. Ein gutes Körperbewusstsein ist eine der wichtigsten Wurzeln eines gesunden Selbstwertes. Das Kind kann über den eigenen Handlungsspielraum und seine motorischen Möglichkeiten ein Bild über sich selbst erhalten: Das kann ich, das bin ich. Viele Kinder erleben Erfolg in sportlichen Belangen als Selbstbestätigung und Hilfe, Misserfolge in anderen Bereichen (wie der Schule) leichter zu verkraften. Bewegung hilft gegen Langeweile und ist hervorragend geeignet soziale Verhaltensweisen zu erproben. Bei Mannschaftsspielen oder anderen Gruppenaktivitäten lernen die Kinder sich an ihre Spielpartner anzupassen, Regeln einzuhalten und gemeinsame Ziele zu verfolgen. Schnell werden neue Freundschaften geknüpft und die eigenen Grenzen wie auch jene der anderen wahrgenommen.

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