Katastrophen – Kriege – Angst

Die Intensität und Nutzung von Informationen ist ein wichtiger Bestandteil unserer Alltagskommunikation im Beruf und im Privatleben. Darüber hinaus liefern Zeitungen, Magazine, Nachrichtensendungen und Reportagen in Hörfunk und Fernsehen nur selten positive Nachrichten, viel öfter werden wir durch Sensationsmeldungen, Bilder über Umweltkatastrophen, Seuchen, Terror, Krieg, Verbrechen, Unfälle, Krankheiten, Not und Tod beeinflusst.

Worüber die Medien informieren, das beschäftigt nicht nur Erwachsene, sondern auch Kinder und Jugendliche. Neben der medialen Berichterstattung hören sie die Gespräche der Erwachsenen in der Familie unmittelbar mit. Sehr häufig wird beim Meinungsaustausch mit Verwandten, Freunden und Bekannten auf die zuhörenden Kinder vergessen. Jüngere Kinder nehmen diese Informationen anders auf als ältere. Meist wird der Inhalt des Gespräches gar nicht richtig verstanden, Kinder bekommen die Stimmung, die Aufregung der Erwachsenen mit und finden eine ihrem Alter und ihrem intellektuellen Entwicklungsstand entsprechende Erklärung dafür. Durch die Art, wie in der Familie diese Themen besprochen werden, erfolgt eine Interpretation des Geschehens, die Kinder ängstigen, sachlich informieren oder auch beruhigen kann. Das soziale Umfeld steuert die Medienwirkung und gibt Kindern und Jugendlichen Orientierungshilfen, welche Bedeutung die Schreckensmeldungen für sie persönlich und für die Familie haben.

So wie die mediale Gewaltdarstellung nicht zwangsläufig bei allen Zuschauern zur Nachahmung führt, haben schlechte Nachrichten keinen sofortigen schädigenden Einfluss auf die Entwicklung von Kindern. Es wäre zu einfach, die Medien allein dafür verantwortlich zu machen. Meist sind Menschen, deren Sozialkontakte stark gestört sind, von den negativen Auswirkungen betroffen. Medienbotschaften fallen also nur dann auf fruchtbaren Boden, wenn sie vorhandene Unzufriedenheit, Frustration oder Ängste ansprechen und das soziale Umfeld keinen ausreichenden Schutz bzw. keine Möglichkeit zur Auseinandersetzung mit den bedrohlichen Inhalten bietet.

Die Medien sollten daher nicht zum „Geschichtenerzähler“ für Kinder werden. Gerade bei der Intensität der Berichterstattung über schreckliche Ereignisse und der eindrucksvollen Bilder, die uns bis ins Wohnzimmer geliefert werden, ist es notwendig Kindern nicht alles zuzumuten und eine Vorauswahl zu treffen. Je jünger das Kind ist, desto weniger Fernsehkonsum!

Denken Sie nur daran, wie aufregend es für ein Vorschulkind sein kann, wenn der Kasperl in Not gerät – also schon bei einer ganz einfachen, harmlosen Geschichte, die noch dazu immer gut ausgeht, ist es notwendig seitens der vertrauten Bezugspersonen Unterstützung und Trost anzubieten!

Sensible Kinder beginnen sich zu fürchten, wenn sie nicht wirklich wissen, worum es geht. Allein die Aufgeregtheit oder Angst der Erwachsenen überträgt sich auf sie und führt zu Befindlichkeitsstörungen. Die Berichterstattung über den terroristisch motivierten Mord an mehr als 3000 Amerikanerinnen und Amerikanern bei den Anschlägen am 11. September 2001 hat aufgrund der spektakulären Bilder in den Medien bei vielen Kindern zu heftigen Reaktionen geführt.

  • „Mama, kann in unser Haus auch ein Flugzeug hineinfliegen?“
  • „Nein, Gabi, das kann bei uns nicht passieren!“
  • „Warum nicht?“
  • „Weil es bei uns keine Terroristen gibt!“
  • „Warum nicht?“
  • „Weil es halt so ist!“

Es ist nicht immer leicht, eine gute Antwort auf die Fragen der Kinder zu finden, denn sehr oft haben auch die Erwachsenen keine passenden Erklärungen. Vor allem dann nicht, wenn die Ereignisse plötzlich und völlig unerwartet über uns hereinbrechen und wir selbst emotional sehr betroffen sind.

Manchmal hilft da nur das Zugeben! Der Vater, der seinem neunjährigen Sohn sagt: „Weißt du, ich habe ein ungutes Gefühl in der Magengegend, wenn ich diese Bilder sehe, ich frage mich auch, ob so etwas bei uns passieren könnte, aber dann denke ich, nein, es wird nicht noch einmal vorkommen“, hat bei seinem Sohn nichts an Elternkompetenz verloren, ganz im Gegenteil, er bietet die Möglichkeit für ein offenes Gespräch. Vater und Sohn können über ihre Befürchtungen und Fantasien reden, ohne gleich einen Ausweg, eine Lösung für alle Probleme parat haben zu müssen.

Reden Sie mit Ihren Kindern, hören Sie zu und versuchen Sie nicht nur zu beschwichtigen, sondern die Ängste und Sorgen ihrer Kinder ernst zu nehmen.

Die Kinder erleben das Gehaltenwerden in der Familie als wohltuend und wissen, dass die Eltern da sind, wenn die Angst vor unbekannten Gefahren aufkommt. Gemeinsam kann man Krisen besser meistern als allein! Die Erfahrung zu machen, dass es Erwachsene gibt, auf die man sich verlassen kann, die nicht lügen, die beschützen (z.B. auch vor zu viel negativen Neuigkeiten), die Kinder nicht allein lassen, wenn sie traurig, ängstlich oder verzweifelt sind, ist eine ganz wichtige.

Autor: Dr. Belinda Mikosz, Klinische- und Gesundheitspsychologin

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