Jugendliche auf religiösen Abwegen

Eine populäre Meinung ist, dass Jugendliche dann besonders anfällig für so genannte Sekten und okkulte Praktiken sind („Der Okkultismus beruht zum einen auf dem Glauben an die Übermacht menschlicher Seelenkräfte gegenüber den Naturgesetzen und an die Existenz von Geistern. Er nimmt ferner eine Beseeltheit der Natur an und rechnet schließlich mit der Möglichkeit eines Entsprechungszusammenhanges von menschlicher Seele und beseelter Natur.“ Duden: Religionen, München 1980, S. 312), wenn ihnen seitens der Eltern bzw. Kirche oder Glaubensgemeinschaft keine ausreichende spirituelle Orientierung geboten wird. Medien berichten von Jugendlichen, die auf Grund von Wohlstandsverwahrlosung und aus Langeweile den Satanskult betreiben. Doch was steckt wirklich hinter den Berichten über solche Grenzerfahrungen? Sensationslust oder die Sorge um junge Menschen, die sich in unserer Gesellschaft häufig unverstanden und als Outsider fühlen?

Die Beschäftigung mit solchen esoterischen Themen ist oft nur ein Ausdruck einer entwicklungsbedingten emotionalen Befindlichkeit, Neugierde sowie Experimentierfreudigkeit und sollte weder dramatisiert noch bagatellisiert werden. Eltern und Menschen, die mit Jugendlichen zu tun haben, sind hier besonders gefordert Orientierungshilfen zu bieten und gesprächsbereit zu bleiben, und zwar auch dann, wenn sich herausstellt, dass sich ihre Tochter oder ihr Sohn für Spiritualität zu interessieren beginnt und vielleicht beschließt die „Schwarze Szene“ näher kennen zu lernen.
Bei einer Befragung von 1.308 Jugendlichen im Alter von 14 bis 17 stellte sich heraus, dass sich rund ein Drittel aller Jugendlichen für Okkultismus und Esoterik interessierte, zwei Drittel bzw. die Hälfte bereits Erfahrungen mit diversen Praktiken gemacht haben („Pendeln“, „Tischchen rücken“, „Kraftsteine“, „Handlesen“, „Tarot“, „Wahrsagerei“ etc.), 60 Prozent der Älteren waren bereits irgendwie mit Sekten in Berührung gekommen – durch Bücher, Internet oder direkte Ansprache auf der Straße (Johanna Mikl-Leitner Studie 2004). Neben den anerkannten Religionen und eingetragenen Bekenntnisgemeinschaften gibt es noch an die 600 Gruppierungen am „religiösen“ Markt. Viele davon üben durch ihre Riten eine Faszination auf die Jugendlichen aus.

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