Jetzt kommt Dr. Seltsam!

Facharzt für die schönen Seiten des Lebens und CliniClown. Heuer feiern die Pioniere der Humortherapie in Österreich ihr 30-jähriges Bestehen. Von Karin Podolak

Langsam geht die Türe auf, ein Haarschopf mit karierter Mütze erscheint, dahinter ein farbenfrohes Röckchen. Der nächste Hingucker: Eine rote, runde Schaumstoffnase über einem breit grinsenden Mund. „Dürfen wir eintreten?“. Zustimmendes Nicken, freudiges Gekicher. Seifenblasen fliegen durch den Raum. Aus Luftballons werden putzige Tierchen. Aus der gewohnten Umgebung ein Zauberkabinett. 

Eine Zirkusnummer? Nein, wir befinden uns in einer Kinderklinik, wo die kleinen Patienten tapfer ihre Therapien bewältigen. Ein Ausflug in eine humorvolle Welt ohne Angst und Schmerz ist hier mehr als nur Ablenkung. Mit dem Besuch der CliniClowns kommt die Hoffnung und das Leben ins Krankenzimmer zurück. 

Die „echten Menschen“, die hinter den Clownfiguren stecken, leisten seit mittlerweile 30 Jahren wertvolle therapeutische Dienste in österreichischen Gesundheitseinrichtungen. Kranke Kinder, aber auch Erwachsene und Bewohner von Geriatriezentren werden kontinuierlich von ca. 75 CliniClowns besucht. Mehr als 1,5 Millionen Clownvisiten haben sie bereits absolviert! Die ersten waren der Mediziner und Zauberer Dr. Roman Szeliga im AKH Wien und die Schauspielerin und Improvisationskünstlerin Kathy Tanner. Damit spielten sie europaweit ein Vorreiterrolle. 

Apropos Rolle: Ein Flickenanzug und eine rote Nase reichen auch beim besten Willen nicht aus, um eine Clownvisite zu absolvieren. Die Figur des Clowns verkörpert Motivation, Lebensfreude und Freundschaft, das gilt es, auch ohne Worte zu vermitteln. 

Dafür wird eine umfassende Ausbildung benötigt. Ein strenges Aufnahmeverfahren sichert, dass nur geeignete Bewerber zu CliniClowns werden. Dazu gehören auch umfassende Weiterbildung, nicht nur die Clownarbeit betreffend, sondern v.a. auch Umgang mit sterbenden Menschen, geriatrischen Patienten, Evaluierung der Arbeit und wissenschaftlich fundierte Vorgehensweise durch den CliniClowns Forschungsverein. 

Dass Lachen hilft, darf als bekannt angenommen werden, der tatsächliche gesundheitliche Nutzen kann aber auch wissenschaftlich belegt werden. Beim Lachen schüttet der Körper Botenstoffe, Endorphine („Glückshormon“) aus. Eine Minute schallendes Gelächter ersetzt 45 Minuten Entspannungstraining!

 Manchmal ist es auch Überlebenstraining, denn wer lächelt, gibt nicht auf! Lachen wirkt Ängsten entgegen, lindert Schmerzen, sorgt für bessere Atmung, stärkt das Immunsystem, setzt heilende Kräfte frei und beschleunigt damit den Genesungsprozess. 

Dr. Suzanne Rödler, Vorstandsmitglied der CliniClowns Austria und Mitbegründerin: „Lachen ist die beste Medizin, das beweisen die CliniClowns in Österreich seit 30 Jahren. Sie schenken kranken Menschen unzählige Momente der Lebensfreude, Zuversicht und Hoffnung. Das ist heute wichtiger denn je!“ 

Der Blick in eine zauberhafte Welt voll Phantasie und Magie, der ein Krankenzimmer zur schillernden Bühne macht, wirkt auch noch nach, wenn die Kostüme längst wieder gegen Alltagsbekleidung getauscht wurden. Wird aus Frau Dr. Schnick-Schnack, Fachärztin für Herzbrausen und Kniesausen und Dr. Seltsam wieder Gabriele und Manfred, bleibt etwas von ihnen in den Herzen der Patienten zurück. Wer ganz genau hinsieht, kann es erkennen, das schelmische Aufblitzen im Augenzwinkern, die sich nach oben wölbenden Mundwinkel, die wunderbare Kraft eines Lächelns.

CLINICLOWNS

1991 als erster Verein dieser Art in Europa gegründet, sind die CliniClowns Austria mittlerweile in 56 heimischen Spitälern und Geriatriezentren tätig. Insgesamt führen 73 CliniClowns rund 1.677 Spitalsvisiten pro Jahr durch. Sie besuchen chronisch- und schwerkranke Kinder an ihren Krankenbetten, seit 1994 auch erwachsene Patienten und seit 1997 Bewohner in Alten- und Pflegeheimen, um sie mit Humortherapie zu fördern, soziale Kontakte zu intensivieren, Isolation und Einsamkeit zu lindern. Es besteht enge Zusammenarbeit mit dem Personal in der jeweiligen Einrichtung. Die Lach-Visiten sind ein Geschenk an die Patienten. Die Finanzierung erfolgt ausschließlich durch Mitgliedsbeiträge, Erträge aus Sponsoring, PR Auftritten, Benefizveranstaltungen, Subventionen, Spenden und sonstigen Fundraisingaktivitäten. 
www.cliniclowns.at

 

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