Jetzt geht’s los!

Der Start in die Wanderzeit ist eröffnet! Das gilt auch und vor allem für Familien. Allerdings: Damit bei so einem gemeinsamen Ausflug nichts schief geht, gilt es vorab ein paar Grundsätzlichkeiten zu beachten.
Von Jürgen Zacharias

Altersgerechte Routenplanung, passende Ausrüstung, erreichbare Ziele, und aktuelle Infos zum Wetter schützen vor unliebsamen Überraschungen.

Mama, Papa, wie lange dauert es noch?“ Eine gute Frage, die wohl schon jeder Elternteil beim Wandern einmal gehört hat.

Einmal? Okay: Öfter! Also gut: Sehr oft! Nur wie antworten? Ist es tatsächlich eine gute Idee, dem Nachwuchs schon nach wenigen Metern zu offenbaren, dass alleine im Aufstieg noch vier Kilometer mit 400 Höhenmetern vor uns liegen und zu allem Überfluss laut Hinweisschild am Wegesrand der versprochene Hüttenbesuch entfallen muss, weil man bei der Routenplanung die Öffnungszeiten schlichtweg ignoriert hat? Also kommt uns Eltern als Antwort meist nur ein wenig weitsichtiges „Wir sind gleich da“ oder „Nur noch einmal um die Kurve“ über die Lippen. Spätestens nach der nächsten Biegung stellt sich dann die Frage aber drängender denn je, das Ziel ist nämlich – völlig überraschend – immer noch nicht in Sicht. „Mama, Papa, wie lange noch?“ 

Also doch nur noch einmal um die Kurve? Nicht, wenn wir uns vorab intensiver Gedanken um die Tourenplanung gemacht hätten – und das beginnt mit der Auswahl der Route: 400 Meter im Aufstieg und eine Strecke von vier Kilometer (mit Rückweg sind das dann immerhin acht Kilometer!) sind für geübte Wanderer leicht zu bewältigen, stellen aber für manche Kinder eine unüberwindbare Hürde dar. Also Länge und Schwierigkeit der Tour unbedingt der Leistungsfähigkeit und dem Alter der Kinder anpassen und auf eine möglichst abwechslungsreiche Routenführung achten. Ideal sind Erlebnispfade oder Touren mit Wasserfällen, Tiergehegen, kleinen Kraxeleien oder anderen Attraktionen am Wegesrand, auf die sich Kinder freuen können und die Abwechslung von der Marschiererei versprechen. Rundwege eignen sich dabei besser als „Einbahnen“, bei denen derselbe Weg wieder zurückgegangen werden muss, und natürlich gilt es vorab auch möglichst viele Grundsatzfragen zu klären: Wie kommen wir zum Ausgangspunkt? Wo können wir parken? Wann sollten wir losgehen, um vor Einbruch der Dämmerung wieder zurück zu sein? Gibt es unterwegs Möglichkeiten zum Auffüllen der Trinkwasservorräte und – ganz wichtig: Kehren wir in einer Hütte ein (Öffnungszeiten checken!) oder müssen wir ausreichend Proviant in den Rucksack packen? 

Zwei oft vergessene, allerdings wichtige Details: Die meisten Hütten akzeptieren keine Kartenzahlung, daher unbedingt ausreichend Bargeld mitführen. Da immer mehr Parkplätze an den Startpunkten der beliebten Wandertouren gebührenpflichtig sind, zur Sicherheit auch einige Münzen für das Parkticket einstecken. 

Auch sonst gibt es bei der Planung einiges zu beachten, allen voran das Wetter. Gerade im Herbst kann es morgens und abends schon sehr kühl sein und in moderaten Höhenlagen schon schneien. Zudem lassen uns tiefe Temperaturen in Kombination mit Wind schnell Auskühlen – das gilt insbesondere für Kleinkinder. Nur weil wir selbst in Bewegung sind und schwitzen, heißt das nicht, dass es das Baby in der Kraxe hinten am Rücken auch wohlig warm hat. Zur Ausrüstung sollte daher in jedem Fall ausreichend warme und bequeme Kleidung gehören, sicherheitshalber auch Regenjacken und -hosen für alle Familienmitglieder einpacken. Bei aufziehendem Schlechtwetter unbedingt auf die Tour verzichten oder eine Route wählen, die „Exit-Möglichkeiten“ bietet, um im Fall der Fälle rasch zum Ausgangspunkt zurückkehren und die Wanderung abbrechen zu können! Ein Nachtrag zur Ausrüstung: Dazu zählt auch geeignetes und wasserdichtes Schuhwerk für Kinder wie Erwachsene. Wichtig: Die Schuhe sollten gut passen, bequem sitzen und längere Zeit ohne Schmerzen zu tragen sein. 

Unterwegs gilt dann: Der Weg ist das Ziel. Die Route sollte daher möglichst abwechslungsreich gewählt werden und darf ruhig auch mal (sofern keine Absturzgefahr besteht) einige Meter abseits des Wanderweges durch den Wald führen. Kleinere Felsen und Wurzeln werden dort zu attraktiven Klettertouren, besonders steile Passagen sollte man nach Möglichkeit umgehen. Besteht „Absturzgefahr“, führen wir die Kleinen an der Innenseite des Weges an der Hand. Dürfen Kinder selbst den Weg suchen, fühlen sie sich wie Bergführer und erreichen wir dann auch noch unser Ziel, darf es dort ruhig eine kleine Belohnung geben. Wie wäre es beispielsweise mit einem Stück Kuchen oder einem Kaiserschmarren auf der Hütte? Vorausgesetzt natürlich, wir haben die Tour gut geplant und die Verpflegung bei unserer Routenplanung berücksichtigt.

ALTERNATIVEN ZUM WANDERN

Für die klassischen Sommersportarten ist es mittlerweile zu kalt, für Wintersportarten noch zu warm. Welche Möglichkeiten zur Bewegung bieten sich Familien im Herbst abseits vom Wandern? Wie wäre es beispielsweise mit einem Besuch in der
Kletterhalle? Selbst kleine Kinder und Anfänger schaffen dort im Handumdrehen ein paar Kletterzüge, dicke Matten schützen vor Verletzungen. Spielerisch lassen sich dort also erste Klettererfahrungen sammeln, die dann möglicherweise im nächsten Frühjahr oder Sommer draußen am Fels weiter ausgebaut werden können. Tipp: Die meisten Kletterhallen bieten Aus- und Fortbildungskurse für Kinder und Jugendliche, um die richtige Technik und das Sichern zu lernen. Auch Ausrüstung kann in den meisten Fällen vor Ort geliehen werden. Eine beliebte sportliche Alternative zum Wandern im Herbst ist auch das
Inlineskaten. Es stärkt Balance und Beinmuskulatur und ist für Kinder ab etwa fünf Jahren geeignet. Was es dafür braucht? Nicht mehr als eine asphaltierte Strecke (ein nicht genützter Parkplatz beispielsweise eines Freibades), Inlineskates, Knie-, Handgelenks- und Ellbogenschützer sowie etwas Geduld. Ein Spaß für die ganze Familie ist stets auch ein Besuch im Hallenbad. Kinder können dort mit den Eltern oder in Kursen
Schwimmen lernen oder Rutschen hinuntersausen, Attraktionen wie Wellenbecken, Gegenstromanlagen sorgen für Abwechslung. Gutes Wetter vorausgesetzt, passt jetzt auch ein
Radausflug im Herbst ins Programm. Wie wäre es etwa mit einem Besuch bei den Großeltern? Oder warum nicht auch einmal einen (kleineren) Einkauf im Supermarkt mit dem Fahrrad erledigen? Kleinkinder können da sogar mit dem Laufrad mitfahren.

 

VON ABLENKUNG BIS MOTIVATION

Fünf Tipps, mit denen sich Kinder garantiert auf Trab halten lassen.

Für ausreichend Snacks sorgen 

Klar, das klassische Jausenbrot darf auf keiner Tour fehlen. Außerdem sollten aber auch attraktive Energiespender wie Bananenchips, Fruchtpürees, Kekse, Obst (Äpfel, Birnen, Orangen) und Gemüse (Snackgurken, Minipaprika, Cocktailtomaten) in den Rucksack – ideal als Abwechslung und als kleine Motivation für zwischendurch. Echte Pausenhighlights vor allem im Herbst sind übrigens warmer Kakao oder Tee aus der Thermoskanne.

Sich mit anderen Familien zusammentun 

Kinder, die für Wanderungen nur schwer zu begeistern sind und dabei nur widerwillig und murrend in Richtung Etappenziel schlurfen, werden im Pulk mit Gleichaltrigen zu ausgelassenen Sprintraketen. Also: Freunde zusammentrommeln und gemeinsam statt einsam losmarschieren.

Abenteuer für zwischendurch 

Wer sagt, dass wir während einer Wanderung immer gehen müssen? Kleine Pausen mit Abenteuerspielen wirken oft wahre Motivationswunder! Dabei können Kids beispielsweise mit Fernglas und Lupe neue Welten entdecken und die Natur aus anderen Perspektiven kennenlernen.

Mit Spielen die Zeit vertreiben 

„Ich seh, ich seh, was du nicht siehst, und das ist blau“. Kaum ein Kinderspiel ist simpler, kaum eines lenkt aber auch derart einfach vom Wandern ab. Gute Alternativen sind das „Tierspiel“ (dabei nennen alle Wandernden abwechselnd eine Tierart, Doppelnennungen sind verboten) und das Bilden von Wortketten. Spaß und Unterhaltung versprechen das Aufsagen unterschiedlicher Zungenbrecher, eine gut erzählte Geschichte oder das Spiel „Ich packe in meinen Koffer“.

Sammel-Aufgaben lösen 

Kinder, die auf der Suche nach Schwammerl oder bunten Blättern mit offenen Augen durch die Landschaft gehen, kommen gar nicht erst auf die Idee, sich über die Routenführung zu beklagen. Was sich im Herbst sonst noch zu suchen lohnt? Wie wäre es beispielsweise mit Schneckenhäusern, Eicheln, Tannenzapfen, Vogelfedern, besonders schönen Steinen und Kastanien, Markierungen am Wegesrand oder Tierspuren? Sackerl für die Schwammerl und Blätter nicht vergessen!

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