Ist unser Kind hyperaktiv?

Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist eine Entwicklungsstörung, die in der Kindheit beginnt und fortschreitet.

Weder das betroffene Kind noch die Familie können ADHS steuern oder beseitigen. Im Vordergrund stehen bei ADHS ein Mangel an Aufmerksamkeit und ein übermäßiger Bewegungsdrang.

Hyperaktive Kinder haben drei grundlegende Eigenschaften:

1. Übermäßiger Bewegungsdrang
Auffallend sind dem Alter nicht entsprechende, übermäßige und grundlose Aktivitäten. Diese Kinder laufen pausenlos, unermüdlich, sogar unter Missachtung von Gefahren, umher. Sie können in der Klasse nicht das Ende des Unterrichts abwarten. Aufgrund ihres Bewegungsdranges haben sie Schwierigkeiten, etwas Begonnenes zu Ende zu bringen. Beim Spielen wechseln sie ständig die Spiele und Spielsachen. Wegen ihres hektischen Verhaltens sind feinmotorische Fähigkeiten wie etwa Schreiben, Malen, Wasser in ein Glas füllen und Löffelhalten weniger entwickelt als bei Gleichaltrigen.

2. Mangel an Aufmerksamkeit:
Hyperaktive Kinder können ihre Aufmerksamkeit nur schwer auf eine Sache lenken und dabei bleiben. Außerdem zerstreut sich ihre Aufmerksamkeit rasch. Während sie etwas lernen, werden sie durch Kleinigkeiten abgelenkt und finden kaum wieder zurück zum Lernen. Oft verlieren sie ihre Sachen, Schulartikel und Spielzeuge. In ihren Schultaschen herrscht Unordnung. Sie können Anweisungen nicht befolgen. Sagt man ihnen: „Geh in dein Zimmer und hole aus dem Kasten neben deinem Bett die Malstifte“, vergessen sie auf dem Weg, was sie tun sollten oder sie können es nicht in der richtigen Reihenfolge ausführen. Aus diesem Grund haben ADHS-Kinder trotz normaler Intelligenz Lernschwierigkeiten und weniger Schulerfolg. Bei Mädchen ist der Mangel an Aufmerksamkeit deutlicher als der Bewegungsdrang.

3. Impulsivität
Hyperaktive Kinder verhalten sich so, wie es ihnen passt. Ohne den anderen ausreden zu lassen, ändern sie das Gesprächsthema. Beim Spielen warten sie nicht, bis sie an der Reihe sind. Da sie die Spielregeln nicht befolgen können und auf Mitspieler und Mitspielerinnen aggressiv reagieren, schließen sie schwer Freundschaften. Auch Selbstgefährdung ist möglich: Zum Beispiel beginnen sie auf der Straße plötzlich zu laufen und geraten auf die Fahrbahn. Schutzbemühungen der Umgebenden haben Wutausbrüche zur Folge.

ADHS beginnt vor dem 7. Lebensjahr, die größten Probleme treten meist mit dem Schulbeginn auf. In der Schule werden das erste Mal gezieltes Vorgehen, Befolgen der Klassenvorschriften und Eigenverantwortung zum Thema. Ein Kind, das diese Situationen nicht beherrscht, wird Probleme haben. Später, in der Pubertät, nimmt der extreme Bewegungsdrang ab und Verhaltensstörungen und psychologische Probleme bis hin zu depressiven Verstimmungen treten auf.

Die Gründe für ADHS sind vielfältig. Bei Geschwistern von ADHS-Kindern ist die Wahrscheinlichkeit des Auftretens zwei bis dreimal höher als bei anderen Kindern. Studien zeigen, dass bestimmte Hirnregionen (Selbstbeherrschung, Organisieren und Planen) bei betroffenen Kindern kleiner sind. Vermutlich kann dieser Unterschied ADHS begünstigen. Wenn noch bestimmte Umstände dazu kommen, wie Krankheiten oder Medikamentenkonsum während der Schwangerschaft oder im Säuglingsalter, eine lange und schwere Geburt, kann das Risiko für ADHS im Einzelfall steigen.

Entscheidend für das Kind ist, dass Experten und Expertinnen die richtige Diagnose stellen und die Eltern mit ihnen zusammenarbeiten. Darauf baut die bestmögliche Therapie auf. Möglich sind Medikamente, Verhaltensanweisungen und diesbezügliche Schulung der Eltern, sowie Ernährungsumstellung. Persönlichkeit, Lebensbedingungen und familiäres Umfeld des Kindes werden dabei berücksichtigt.

Vorschläge für die Eltern

  • Behandeln Sie Ihr Kind so, wie es seiner Entwicklung und seinen Bedürfnissen am besten entspricht – und nicht nach seinem Alter.
  • Strahlen Sie Geduld und Ruhe aus. Ihr Kind „stört“ nicht absichtlich. Helfen Sie ihm mit Augenkontakt und kurzen, verständlichen Anweisungen.
  • Gestalten Sie das Kinderzimmer mit möglichst wenigen Farben und Bildern.
  • Übertragen Sie Ihrem Kind einfache Aufgaben, denen es gewachsen ist. Das Nachthemd zu falten oder die Tasche einzuräumen, hilft beim Planen und Regeln befolgen.
  • Akzeptieren Sie Ihr Kind, wie es ist und vergleichen Sie es nicht mit anderen. Anstatt es ständig zu kritisieren, fördern Sie seinen Eifer und das, was es mit Vorliebe macht.
  • Meiden Sie Menschenmengen und Orte mit zu vielen Sinnesreizen.
  • Informieren Sie Lehrerinnen und Lehrer. Ihr Kind sollte weiter vorne sitzen, wo es die Lehrperson leicht sehen und wenn nötig aufstehen kann. Wenn Lehrerin oder Lehrer sich von Zeit zu Zeit speziell dem Kind widmet und ruhig etwas erklärt, wird sich das Kind wohler fühlen.

Autor: Mag.a Katharina Ratheiser

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