In der Ruhe liegt deine Kraft

Manchmal scheint es, als würde in unserem Gehirn eine Horde wild gewordener Affen hausen. Der eine schreit: „Die Steuererklärung ist schon längst fällig“, der andere nervt: „Du musst noch die E-Mails beantworten.“ Der Nachrichten-Eingangsordner, die Einkaufsliste für das Wochenende oder auch nur die Reservierung der Kinokarten für den Abend wollen gecheckt sein: Am Ende des Tages weiß man dann oft nicht mehr, wo einem der Kopf steht. Das Gehirn steht noch unter Dauerfeuer, das Abschalten fällt denkbar schwer. Wie man diese typischen Automatismen des Alltags stoppen kann, erklärt Dr. Ulrich Ott, Pyschologe an der deutschen Universiät Gießen und Autor eines Buches über Meditation: Statt Beruhigungspillen empfiehlt er gestressten Menschen, mit fernöstlichen Entspannungstechniken zu entschleunigen. Und Ott muss es wissen: Schließlich erforscht er seit Jahren die Effekte von Meditation auf die Funktion und Struktur des Gehirns. Er ist übrigens nicht der Einzige: An vielen Universitätskliniken machen sich Psychologen und Ärzte daran, aus östlichen Lehren stammende Meditationstechniken zu untersuchen und mit der modernen westlichen Medizin zu kombinieren. Sie erkennen immer mehr, wie man auf dem Weg zum geistigen Vakuum zugleich auch Erkrankungen behandeln kann. Mittlerweile belegen zahlreiche Studien, dass die Geistesübungen auf körperlicher, ebenso wie auf seelischer und geistiger Ebene wirken.

Verschiedene Wege zur Gelassenheit. „Jeder kann lernen, das innere Befinden in Richtung Ruhe und Gelassenheit zu verändern“, sagt Psychologe Ott, der zusätzlich zu Meditationskursen auch Yogaklassen abhält und diese ebenso für Kinder empfehlen kann. Die wichtigste Eigenschaft dafür ist Konsequenz – unabhängig davon, für welche Art der Gedankenübungen man sich entscheidet. In allen Formen der Meditation geht es in erster Linie darum, den Blick nach innen zu richten. Und wie geht es genau, das Meditieren? „Auf diese Frage gibt es viele mögliche Antworten, weil eine Vielzahl unterschiedlicher Meditationstechniken existiert“, so Ott. Einige beinhalten Bewegungen des Körpers, wie Tai-Chi, Qigong, Hatha-Yoga und auch der Drehtanz der Derwische. In anderen werden gebetsähnlich Meditationssilben oder -sätze, die Mantras, wiederholt, bekanntestes Beispiel dafür ist das „om“. Ott: „Weitere Techniken arbeiten mit dem Betrachten von Meditationsbildern – Mandalas, dem Starren in eine Kerzenflamme oder inneren Vorstellungsbildern.“ Welche Meditationsmethode für wen am besten geeignet ist, lässt sich zwar schwer vorhersagen, so der Psychologe. Gerade für Anfänger eignet sich aber die eigene Atmung als ideales „Meditationsobjekt“: „Mit der Atmung wird die Wahrnehmung von der äußeren Umgebung auf den Innenraum des Körpers gelenkt.“ Die Atmung läuft zwar automatisch ab, ist aber stets verfügbar. Und das Ein- und Ausatmen kann sehr leicht bewusst wahrgenommen werden, weil es mit Bewegungen des Zwerchfells und Brustkorbs einhergeht, betont der Meditationsexperte: „Zudem können Empfindungen im Bereich des Naseneingangs als Anker für die Aufmerksamkeit verwendet werden.“ Wer schon einmal Yoga praktiziert hat, wird diese Erfahrung höchstwahrscheinlich bereits gemacht haben. Auch hier werden Atemtechniken als eigene Übungsstufe eingebaut.

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