Im Pass 70 plus, gefühlt 50 minus

Sie sind über 60 und überlegen, sich ein Motorrad zu kaufen? „Dafür bist du doch zu alt“, lautet der Kommentar im FreundInnenkreis? Die Statistik sagt etwas anderes. Die „jungen Alten“ zwischen 60 und 70 Jahren geben viel Geld für Konsumgüter aus. Das Durchschnittsalter, eine Harley Davidson zu kaufen, ist 61. Ist man als 65-jährige/-r BikerIn nun alt oder nicht?

Alt sein hängt von vielen Faktoren ab“, so Prof.in Dr.in Gertrud Backes, Direktorin des Forschungszentrums „Altern und Gesellschaft“ an der Universität Vechta. „Ein häufiges Kriterium für die Definition des Alters ist die Erwerbstätigkeit. Menschen in Pension werden von der Gesellschaft als alt eingestuft.“ Aber auch biologische Merkmale wie graue Haare, Falten oder gebeugtes Gehen definieren den Altersbegriff.

Sozialer Status. Dennoch wird das Alter sehr subjektiv wahrgenommen. „Eine 85-Jährige, die über einen sehr hohen Aktivitätspegel verfügt und durch soziale Kontakte auch gesellschaftlich noch stark eingebunden ist, wird sich in einem Seniorenheim unter lauter ,Alten‘ fehl am Platz fühlen“, so Backes. Auch der soziale Status, die materielle Lage und der Bildungsstand spielen eine entscheidende Rolle hinsichtlich des Alterungsprozesses. „Wer arm ist, altert schneller“, betont Backes. Studien bestätigen außerdem: Frauen verhalten sich im Alter anders als Männer. „Sie sind stärker vernetzt und handeln präventiver in puncto Gesundheit.“ In der Anti-Aging-Gesellschaft, in der das Alter aggressiv abgewehrt und abgewertet wird, ist es oft nicht leicht, diese Lebensphase anzunehmen und zu integrieren. Sich dem Alter zu stellen, ist allerdings wichtig. Nur so bleibt man authentisch.

„Soziale Kontakte sind im Alter wichtig. Wer einsam ist, altert schneller.“
Prof.in Dr.in Gertrud Backes, Direktorin des Forschungszentrums „Altern und Gesellschaft“ der Universität Vechta

Autor: Christina Dirnbacher

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