Ich hör, ich hör, was du nicht sagst

„Meine Eltern hören mir nie richtig zu. Sie lassen mich nicht einmal ausreden.“ „Meine auch nicht. Sie haben auf alles dieselbe Antwort. Ich glaube, sie interessieren sich nicht für mich.“ Es ist Sonntagnachmittag und in Annettes Jugendzimmer diskutieren vier Freundinnen, wie schwierig der Umgang mit den Eltern plötzlich geworden ist.

„Mein Vater interessiert sich schon, oh, ich hasse es, wenn er mich ausfragt“, beschwert sich Viviane. Sarah wiederum stört es, „dass ich immer höre, das ist doch alles halb so schlimm“. Annette fügt hinzu: „Meistens kann ich mit meiner Mutter gut reden. Nur manchmal macht sie sich einfach zu viele Sorgen. Dann spielt sie Hellseherin und sagt, was alles Schreckliches passieren wird. Ich bin doch kein Baby mehr, ich kann selbst auf mich aufpassen!“

Leider hören die Eltern der vier Mädchen diese Diskussion nicht. Vielleicht würden sie sonst einiges beherzigen, was hier zur Sprache kommt: Ausreden lassen, zuhören, beim Thema bleiben, die eigene Meinung aufrichtig sagen und nicht den moralischen Zeigefinger heben.

Annettes Mutter, die angeblich „Hellseherin spielt“, würde bei ihrer Tochter vielleicht mit Ich-Botschaften besser ankommen. Statt vor möglichen Problemen zu warnen, könnte sie etwa erzählen: „Als ich damals zum ersten Mal abends mit Freunden weggegangen bin, musste ich um 20 Uhr zu Hause sein. Gerade als ich mit dem einzigen interessanten Burschen der Gruppe ins Gespräch kam, war es Zeit zu gehen. Jemand war mit dem Moped da und hat angeboten, mich heim zu führen, obwohl meine Eltern das verboten hatten. Ich musste entscheiden…“

Wenn Jugendliche erfahren, dass Mama und Papa früher die gleichen Probleme hatten, fühlen sie sich ernst genommen. Und die Eltern können sich anhand ihrer Erinnerungen besser in ihr pubertierendes Kind hinein versetzen.

Gut zu kommunizieren, ist nicht jedem in die Wiege gelegt. Die Familie ist ein wichtiger Lernraum – auch noch für Erwachsene. In der Pubertät scheint oft jedes Gespräch in einem Kräftemessen zu enden. Als Mutter und Vater können Sie einiges dafür tun, dass daraus kein Drama in unendlich vielen Folgen wird.

„Schau nicht so!“, faucht Fabian seine Schwester am Frühstückstisch an. Sein Vater zieht die Augenbraue hoch, während die Mutter den Kopf schüttelt. Kommunikation braucht keine Worte. Nicht umsonst nennen wir Blicke oder Gesten oft „vielsagend“ – sie sagen mehr als Worte. Fabians Schwester hat ihn offenbar allein mit Blicken wütend gemacht, und die Eltern kommentieren das Geschehen ohne zu sprechen. Beobachten Sie diese Sprache ohne Worte – und ihre Wirkungen – in Ihrer Familie! Setzen Sie die Körpersprache bewusst ein. Scheinbar unnahbare Teenager sind mit Signalen wie einer Hand auf der Schulter („ich verstehe“) oder einem Nicken („ist in Ordnung“) sehr wohl zu erreichen.

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