Ich habe aber mein eigenes Fitnessprogramm!

Anna krabbelt durch das Wohnzimmer auf der Suche nach Winzigkeiten – einem Faden oder Brotkrümeln zum Beispiel. Sie ist gründlicher als jeder Staubsauger und leidenschaftlicher sowieso. Sie ist nämlich ganz fasziniert davon, wie gut sie zugreifen kann. Also wird jede Kleinigkeit mit Daumen und Zeigefinger aufgeklaubt und stolz hergezeigt. Mit dem Loslassen ist es irgendwie viel schwieriger. Manchmal fällt irgend etwas mit einem Knall auf den Boden, weil Anna versucht, durch das heftige Schütteln beider Arme das Auto in der rechten Hand loszulassen. Dabei hat die Linke auch ausgelassen, und der Bauklotz flog durch den ganzen Raum.

Anna spielt nicht, sie ist auch nicht aggressiv, Anna übt. Sie übt greifen und loslassen. Wenn sie tatsächlich mit Daumen und Zeigefinger etwas so richtig festhalten kann, ist das ein wichtiger Schritt in der Entwicklung eines Kindes. Die Experten sprechen vom „Pinzet-tengriff“. Für Erwachsene so einfach scheinende Dinge sind für ein Kind eine große Errungenschaft. Vergessen Sie nicht, Ihr Kind konnte bei seiner Geburt nicht einmal sein Köpfchen selbst halten. Dann übt es Drehen, Stehen, Gehen und Sitzen bereits im Liegen. Es macht gewissermaßen „Trockenübun-gen“, um die Muskeln zu stärken und langsam, aber sicher für immer größere Abenteuer gerüstet zu sein.

Die Bewegungsentwicklung Ihres Kindes ist ein Prozess, der von selbst abläuft. Alle Kinder lernen immer in der gleichen Reihenfolge ihren Körper kennen und bewegen – sie brauchen nur unterschiedlich lange dafür. Geben Sie Ihrem Kind den passenden Raum, um seinen Bewegungsdrang nicht zu behindern. Und staunen Sie jeden Tag von Neuem, wie Ihr Kind gründlich dazulernt.

Für Ihr Baby ist eine bewegungsfreundliche Umgebung wichtig. Krabbeln Sie probeweise selber durch Ihre Wohnung, und entfernen Sie alle Details, die für Ihr Kind gefährlich werden könnten. Die Wohnung sollte so eingerichtet sein, dass Ihr Kleines – wenn es spielt – in seinem Erkundungsverhalten möglichst wenig eingeschränkt wird und sich nicht verlassen fühlt. Ihr Kind fühlt sich am sichersten in Ihrer Nähe. Und es sind oft so einfache Dinge wie ein flauschiger Teppich auf dem flachen Boden, die das beste Trainingsgerät für Ihr Kind sind.

Tipps für Eltern

  • Geben Sie Ihrem Baby häufig die Möglichkeit, am Boden oder auf einer anderen flachen Unterlage seinem Bewegungsdrang nachzukommen.
  • Drängen Sie Ihr Baby nicht zu Bewegungen, die es selbst noch nicht kann. Sie schaden Ihrem Baby, wenn Sie es z.B. mit Polstern abgestützt hinsetzen, obwohl es sich selbst noch nicht aufsetzen kann.
  • Beobachten Sie, an welchen Bewegungsspielen Ihr Kind wann Freude hat, und spielen Sie mit ihm. Babys lieben z.B. Bewegungsspiele. Krabbeln Sie mit ihm z.B: gemeinsam um die Wette.
  • Lassen Sie sich auf keinen Fall durch einen Vergleich mit anderen Kindern unter Druck setzen. Ihr Kind wird kein Spitzensportler, nur weil es drei Wochen früher als andere Kinder begonnen hat, gehen zu lernen. Entscheidend ist, wie gut es die Bewegungsabläufe lernt.
  • Sobald Ihr Baby die Wohnung erkunden will, sorgen Sie für ausreichende Sicherheit.
  • Verzichten Sie auf Lauflerngeräte. durch sie kann Ihr Baby seinen Gleichgewichtssinn nicht optimal entwickeln, hat ein höheres Unfallrisiko und ist in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt.
  • Autokindersitze dienen der Sicherheit des Kindes, wenn Sie im Auto unterwegs sind – sind aber nicht als Babysessel geeignet. Auch die Wippen sollten Sie nicht zu oft verwenden.
  • Wenn Ihnen bei der Bewegungsentwicklung Ihres Kindes etwas auffällig erscheint, dann besprechen Sie das mit Ihrem Kinderarzt.

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