Ich ess’ das, was der Papi isst!

„Nein!” Wütend schleudert Simon den Löffel mit der Getreidesuppe über den Tisch. „Ich mag Suppe nicht! Ich mag Pomfitz!! Ich mag,  ich mag, ich mag!” Oft sind solche Szenenin Gasthäusern zu beobachten, und manch entnervte Mutter zieht den Teller wortlos vom Liebling ab, während der grantige Vater Pommes frites bestellt. Selten stößt der Versuch, dem Kleinkind eine gesunde Kost zu bieten, auf Gegenliebe, wenn die Eltern nicht mitziehen. Warum soll Simon eine orange Suppe essen, während seine Eltern einen Grillteller verspeisen? Sie sind das Vorbild für Ihr Kind, auch beim Essen. Wenn Sie gerne Schnitzel essen, wird Ihr Kind das auch essen wollen, obwohl es höchstens einmal in der Woche etwas in Öl Herausgebackenes, wie z.B. Pommes frites oder Schnitzel essen soll. Wenn Sie ebenfalls vom bunten Gemüseteller essen, dann wird Ihr Kind die gesunde Kost essen wollen. Und wenn Sie täglich herzhaft in einen Apfel beißen, wird Ihr Kind voll Begeisterung mitmachen. Vielleicht ist das Kochen für Ihr Kleines ein guter Anstoß, für Sie selber einige neue gesunde und schmackhafte Gerichte zu entdecken. Es ist natürlich eine Umstellung – vor allem, wenn man vor der Geburt des Kindes kaum selber kochen musste –, aber sie lohnt sich für die gesamte Familie.

Kleinkinder brauchen 5 Mahlzeiten am Tag und Gesellschaft beim Essen. Zwei Drittel der Nahrung Ihres Kindes sollten pflanzliche Produkte sein: Getreide, wie Reis, Hirse, Dinkel, Mais, Nudeln etc, Erdäpfel, Gemüse und Obst. Die Beilagen der Erwachsenen sind die Hauptspeise für die Kinder. Ein Gang über einen Markt zeigt, was die Saison gerade anbietet, und oft ist das Angebot so groß, dass die Wahl zwischen Gemüsen und Salaten schwer fällt. Zu jeder Jahreszeit gibt es viele Möglichkeiten, Wurzelgemüse, Blattgemüse, Kohlarten oder Hülsenfrüchte wohlschmeckend zu kombinieren und zuzubereiten. Ein weiteres Drittel der Nahrung sollte aus Milch, Milchprodukten, Rindfleisch, Geflügel und Fisch bestehen. Sie brauchen auch für Ihr Kind nicht extra zu kochen, wenn Sie seine Portion vor dem Würzen aus dem Kochtopf herausnehmen. Lassen Sie sich von der Jahreszeit inspirieren und binden Sie ruhig Ihr Kind beim Kochen mit ein. Zu Beginn ist es deutlich mehr Arbeit für Sie, aber Ihr Kleines interessiert sich brennend dafür, wie alles hergestellt wird.

Mit der ganzen Familie gemeinsam essen wird für Ihr Kind immer wichtiger. Auch derGebrauch des eigenen Löffels und selber aus dem Glas trinken sind Zeichen, dass es bereits zu den Großen gehört – das Ziel Ihres Kindes! Aber Tischmanieren wollen gelernt sein, und so braucht es seine Zeit, bis das Tischtuch sich nicht mehr automatisch nach jedem Essen in ein modernes Fleckerlbild verwandelt. Ein abwaschbares Tischtuch, wenige klare Regeln, was bei Tisch erlaubt ist und viel Geduld helfen Ihrem Kind, sich in der interessanten, bunten Erlebniswelt Essen zurechtzufinden und wohl zu fühlen.

praktische Tipps für Eltern

  • „Das Kleinchen raunzt, Papi kommt später vom Büro, der Große schneidet ein tolles Muster in seine Jean – und da soll ich noch an eine gesunde Mischkost denken?” Sie können den Stress nicht vorhersehen, aber Sie können versuchen, Ihren Speisezettel zu planen. Ein wöchentlicher Großeinkauf entlastet Sie unter der Woche von den vielen kleinen Besorgungen, die auch Zeit kosten.
  • Kinder sollen die Speisen kennen lernen, die auch in ihrer Familie gegessen werden. Wer will schon für jedes Familienmitglied etwas anderes kochen? Diese Neugier des Kindes auf den Alltag der Familie ist völlig in Ordnung, wenn sich die Erwachsenen bewusst gesund ernähren.
  • Setzen Sie Essbares, auch Schleckereien, nicht als Belohnungsmittel ein. Nahrung kann Feste verschönern oder das Feiern unterstreichen, aber sie ist kein Erziehungsmittel. Trösten Sie Ihr Kind, indem Sie es in den Arm nehmen und mit ihm reden.
  • Für Eltern ist es oft hilfreich zu wissen, dass Kleinkinder mehr von einer lustigen und bunten Verpackung fasziniert sind, als sich wirklich für die so verpackten Kekse zu interessieren. Es geht Ihrem Kind also oft gar nicht um die Süßigkeit an sich, sondern um die tolle Aufmachung. Warum nicht einmal aus einem Apfel ein lustiges Männchen produzieren?
  • Bei Ihrem Kind können sich Zeiten großen Appetits mit Tagen abwechseln, an denen es weniger Hunger hat – verlieren Sie in dieser Situation nicht den Mut!
  • Lassen Sie aus den Mahlzeiten keinen Machtkampf entstehen: Will Ihr Kind nichts essen, lassen Sie es ruhig aufstehen und spielen gehen. Es kann ja bei der nächsten Mahlzeit mehr essen. Essen und Trinken sollen durch Hunger und Durst Ihres Kindes geregelt werden.
  • Ihr Kind genießt die Gemeinschaft der Familie beim Essen, weil es sich wohl fühlt in der Gruppe. Aber zwingen Sie Ihr Kind nicht zum Essen!

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