„Ich bin sooo hässlich!“ Das angeschlagene Selbstwertgefühl in der Pubertät

Pickeln im Gesicht, eine Zahnspange, eine zu lange Nase, eine krumme Nase, Segelohren, Haare, die zu lockig oder zu glatt, zu dicht oder zu schütter sind, zu dunkle Augenbrauen, zu kurze Wimpern, einen hässlichen Nabel, keinen Waschbrettbauch, zu dicke Oberschenkel, einen kleinen Popo, Spargelbeine, X-Beine, O-Beine. Ich bin generell zu klein, zu groß, zu dick, zu dünn etc. Die Liste solcher „Schönheitsfehler und Makel“ scheint wohl endlos zu sein, die der Jugendliche an sich zu entdecken glaubt! Minderwertigkeit ist ein Schlüsselwort, mit dem sich die Jahre der Pubertät unter anderem gut beschreiben lassen. Hinzu kommen Bilder aus der medialen Welt, in denen Schönheitsideale präsentiert werden, welche im alltäglichen Leben nicht zu erreichen – beziehungsweise auch gar nicht erstrebenswert – sind und zusätzlich zur Verunsicherung Jugendlicher beitragen. Dies führt zum fortwährenden Gang vor den Spiegel, um sich einem genauen Check zu unterziehen. Es ist ganz schön schwierig sich so wie man ist zu akzeptieren und deshalb gelingt es gerade in der Pubertät oft nicht. Das Selbstwertgefühl hängt von der Beurteilung eigener Fähigkeiten, des Aussehens, der gesamten eigenen Person ab.

Wenn sich Jugendliche Bilder von sich selbst machen, beziehen sie sehr stark die Meinungen und Aussagen ihrer Peergroup (Gruppe der Gleichaltrigen) mit ein. Die Frage: „Was denken die anderen über mich?“ ist daher zentral und von äußerster Wichtigkeit. Die Ansichten der Gleichaltrigen über das Aussehen, die Klamotten und den Stil baut das Selbstbewusstsein der jungen Menschen auf oder beeinträchtigt es. Sich selbst in dieser Zeit zu akzeptieren verläuft meist von außen nach innen. Damit ist gemeint, dass sich Jugendliche zunächst selbst gefallen, „in der eigenen Haut“ wohl fühlen und ihre Körper akzeptieren lernen müssen (das gelingt eben leichter, wenn man „mit dem Trend schwimmt“), ehe sich die Pubertierenden mit der Persönlichkeitsentwicklung auseinandersetzen können. Ein wichtiger Schritt in dieser Zeit ist die Entwicklung von Selbstwahrnehmung, das heißt, ein Gefühl dafür zu bekommen, wer man ist und welchen sozialen Platz man in der Gesellschaft einnimmt. Ein Hinweis für Eltern: Sehr viele Jugendliche können sich in dieser Zeit der Veränderung selbst nicht ausstehen.

Wie ist das zu erklären?
Die Ich-Identität beinhaltet das Empfinden, auch in verschiedenen Situationen immer derselbe/dieselbe zu sein und zu bleiben. Jugendliche verlieren aber in der Zeit der Pubertät nach und nach die vertraute Sicherheit der kindlichen Welt. Alles wird anders! Die Veränderung des Körpers, der Psyche und der Sozialisation spielen dabei eine zentrale Rolle. Die Hormone bewirken eine körperliche Veränderung, auf die Jugendliche nicht vorbereitet sind und die Eltern kommen damit manchmal auch nicht zurecht. Dennoch werden die körperlichen Veränderungen häufig mit Neugier verfolgt. Genetisch bedingt und durch den unterschiedlichen Zeitpunkt des Wachstumsbeginns verläuft die körperliche Entwicklung unterschiedlich. Es gibt so genannte Früh- aber auch Spätentwickler. Mit 14 Jahren sind manche Jungen noch sehr zart, ohne Anzeichen von Schambehaarung, während andere wiederum mit breiten Schultern, voll entwickelten Genitalien und tiefer Stimme bereits wie erwachsene Männer wirken. Dies kann den Jugendlichen stark verunsichern und das Selbstwertgefühl beeinträchtigen. Besonders schwierig haben es Jugendliche, bei welchen die Phase der körperlichen Entwicklung später beginnt. Diese Unterschiede sind jedoch völlig normal und haben später, wenn der Reifungsprozess abgeschlossen ist, weder positive noch negative Auswirkungen. „Jetzt mag ich mich wieder leiden.“, meint die knapp 18-jährige Kathi, „aber als ich anfing zu wachsen, war das fürchterlich für mich. Ich habe meinen Busen versteckt und gehofft, dass ich die Regel nicht bekomme.“ Philipp, bald 19, meint: „Bei mir ging alles viel später los. Das war nicht gut, weil sie mich in der Schule dauernd gehänselt haben, aber jetzt bin ich wieder zufrieden mit mir.“

Die Neuorientierung, die zumeist mit viel Chaos und auch Ängsten begleitet ist, erfolgt nicht immer stressfrei – eine Zeit des Wartens, der Unsicherheit, in der man die Orientierung und den gewohnten Lebensrhythmus kurzfristig verliert. Oft werden Jugendliche mit ihren Schwierigkeiten allein gelassen, sobald sie doch einmal ein Problem ansprechen reagieren Eltern nicht immer feinfühlig genug. Jugendliche sind sehr empfindlich, sie fühlen sich rasch mit ihren Ängsten und Problemen weder ernst- noch angenommen. Versuchen Sie als Elternteil auf die Schwierigkeiten Ihres Kindes einzugehen! Die gesamte Gefühlspalette von „himmelhoch jauchzend“ bis „zu Tode betrübt“ ist eine normale Begleiterscheinung einer gesunden Entwicklung in der Pubertät. Auch Ängste gehören auf der Suche nach der neuen Identität dazu, die der Jugendliche immer durchlaufen muss. Schwierig wird es immer dann, wenn Jugendliche nicht zu ihren Ängsten und Befürchtungen stehen dürfen, sie leugnen müssen und mit niemandem darüber reden können.

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