„Ich bin keine langweilige Gesundheitstante!“

Wir treffen Hera Lind in Salzburg zu Mittag, an einem dieser perfekten, brütend heißen und wolkenlosen Sommertagen, mit Sonnenschein von morgens bis abends. Die Bestsellerautorin hat schon frühmorgens ihren täglichen 15-Kilometer-Lauf absolviert und ist zum Termin mit dem Fahrrad gekommen, wie das in der Festspielstadt so üblich ist. Die durchtrainierte 58-jährige Wahlsalzburgerin bringt uns ihr neuestes Buch „Eine Handvoll Heldinnen“ mit, von uns bekommt die passionierte Salatliebhaberin einen Papiersack voll- gefüllt mit frisch geschnittenem Salat aus dem Garten der Autorin in die Hand gedrückt. Auf den Hinweis, dass der Salat nicht gewaschen sei und sich noch die eine oder andere Schnecke und auch sonstiges Kleingetier darin befinden können, lacht die Lind lauthals auf und sagt: „Ach, das macht doch nichts.“ Zimperlich ist das Superweib der unterhaltenden Frauenliteratur aber denn auch wirklich so was von gar nicht! Sie steht wie die Heldinnen in ihren Büchern auf beiden Beinen im Leben und ist, trotz aller Unbill, die im Lauf der Jahre schon über sie hereingebrochen ist, keineswegs verbittert oder selbstmitleidig, sondern mit eisernem Willen und Durchhaltevermögen durch Lebenskrisen getaumelt – und verwandelt und gestärkt wieder herausgetreten. Die Eltern, der Vater ist Arzt, die Mutter Musikpädagogin, haben ihrer am 2. November 1957 in Bielefeld in Deutschland geborenen Tochter den wegweisenden Namen Herlind – heri steht im Althochdeutschen für Heer und Krieger, lind für milde, freundlich und sanft – gegeben und sie dazu erzogen, sich nicht unterkriegen zu lassen und sich auf sich selbst zu verlassen. Nomen est omen, der Name ist ein Zeichen, wie die Lateiner zu sagen pflegten, und darum kann es auch kein Zufall sein, dass Herlind Wartenberg sich den kurzen und knackigen Künstlernamen Hera Lind zulegte.

Vielseitig begabt. Davor jedoch hat das Multitalent Theologie und Germanistik fürs Lehramt studiert und nebenbei Opern-, Oratorien- und Konzertgesang – und hatte dann auch schon mit 23 Jahren ein festes Engagement als Chorsängerin und eine Erfolg versprechende Karriere als Konzert-Solistin gestartet. Hera war 31, als sie ihr erstes Kind erwartete – „da habe ich aus Übermut und Langeweile zu schreiben begonnen“ –, und mit ihrem Debütroman „Ein Mann für jede Tonart“ einen Bestseller landete. Der stark autobiografische Inhalt der unterhaltenden Frauenliteratur, verfasst in einem frischen, frechen und heiteren Lästerton, begeisterte Millionen, und Hera Lind, die in Folge noch drei Kinder bekam und einen Bestseller nach dem anderen verfasste sowie nebenbei erfolgreich im Fernsehen moderierte, wurde zur Ikone aller überforderten Mütter. Sie hat uns vorgelebt, dass die Mutterschaft nicht das Ende des lustigen Lebens ist und dass man auch mit Kindern Millionen scheffeln kann.

Moralkeule. Was haben wir gelacht! Bis uns dann – als Hera Lind im echten Leben mit einem Seemann, einem verheirateten Mann und zweifachen Vater durchbrannte, – das Lachen im Hals stecken blieb. Denn: Das hätten wir uns nicht getraut. Da wurde die Moralkeule geschwungen – und aus war‘s mit lustig. Linds Bücher wurden zu Ladenhütern, der „Spiegel“ nannte sie das gerupfte Superweib, dazu kam dann in den Folgejahren der finanzielle Ruin durch Geschäfte mit Immobilien, die Villa am Mondsee musste verkauft werden und es gab einem nervenaufreibenden Rosenkrieg mit der Ehefrau des Geliebten zu bewältigen. Die öffentliche Person Hera Lind hat uns allen vorgemacht, wie sich Krisen würdevoll überstehen lassen, wie man sich wieder aufrappelt und weitermacht. Sie hat bislang 26 Bücher geschrieben, mit einer Gesamtauf-lage von 15 Millionen, die in 17 Sprachen übersetzt wurden, viele Bücher wurden verfilmt. Hera Lind ist offiziell Botschafterin für die „Deutsche José Carreras Leukämie-Stiftung“, und Schirmherrin einer deutschlandweiten Neurodermitis-Kampagne und bezauberte 2007 als Dancing Star.

Tolle Familie. Hera Linds Kinder sind allen Unkenrufen zum Trotz wohlgeraten und in einer funktionierenden Patchworkfamilie groß geworden. Felix, 27, Florian, 25, und Franziska, 20, studieren in Deutschland, Nesthäkchen Fritzi, 18, wohnt noch bei der Mama in Salzburg, hat heuer maturiert und will Schauspielerin werden. „Die Töchter meines Mannes, Danielle und Emelie“, sagt Hera Lind, „leben in Kalifornien, wo wir sie mindestens einmal im Jahr besuchen.“ Auch die Liebe hat alle Tiefen schadlos überstanden, Hera Lind und Engelbert Lainer sind nun schon seit 16 Jahren zusammen, 13 Jahre davon glücklich verheiratet. Wenn das kein Happy End ist … Aber nun lassen wir das Superweib selbst zu Wort kommen.

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