„Ich bin kein Kind mehr!“

Pubertät und Adoleszenz sind die großen Krisen, durch die das Kind durchgehen muss, um zum Erwachsenen zu werden. In der Pubertät kommt es zu entscheidenden Veränderungen im körperlichen Wachstum, die mit der Ausbildung der geschlechtlichen Reifemerkmale zur sexuellen Identität beitragen. Die Auseinandersetzung der Jugendlichen mit ihrer Körperlichkeit lässt zu diesem Zeitpunkt vieles andere zurücktreten, was auch die allgemeine Lernunlust und das Schulversagen in dieser Phase erklärt. In der Schule werden auf diese entwicklungsbedingten Probleme aber leider kaum Rücksicht genommen, ganz im Gegenteil, gerade in den höheren oder weiterführenden Schulen sind Jugendliche zusätzlichen Anforderungen und Belastungen im Leistungsbereich ausgesetzt.

Das Stimmungsbarometer: Unzufriedenheit und Zweifel
Das Stimmungsbild der Jugendlichen lässt sich vor allem durch die vorherrschende Unzufriedenheit charakterisieren. Sie fühlen sich von niemandem verstanden und geliebt, zweifeln an ihrem Aussehen, ihrer Intelligenz und überhaupt an allem. Die Eltern gehen ihnen auf die Nerven, weil sie ihre Musik nicht verstehen wollen, ihre Mode nicht akzeptieren, ihnen alles verbieten, dauernd nur anschaffen und ständig an ihnen herumnörgeln. Geschwister sind in dieser Lebensphase auch nur eine Belastung, sie nerven zusätzlich, vor allem, wenn sie jünger sind. Die Lehrer verstärken diese Misere noch. Geben sie schlechte Noten, haben die Eltern wieder einen Grund sich aufzuregen. Überhaupt ist die Schule für viele Jugendliche unnötig. „Wozu soll ich mich dauernd mit dem Lernen abrackern, ich will etwas vom Leben haben und es genießen“, hört man Schulabbrecher häufig sagen. Auch wenn sie ihre Entscheidung später bereuen, im Moment glauben sie, das einzig Richtige getan zu haben und blicken mit Verachtung auf die uncoolen Typen herab, die noch immer die Schulbank drücken. War man es als Kind gewohnt, das elterliche Bestimmen zu akzeptieren, so ist es jetzt, wo man sich schon so klug und erwachsen einschätzt, besonders schwer, die Regeln der Eltern zu akzeptieren und einzuhalten.

Für Eltern stellt die Pubertät ihrer Kinder eine pädagogische Herausforderung dar. Das Problem zwischen Jugendlichen und Eltern besteht häufig darin, dass die Jugendlichen genauso handeln möchten, wie sie glauben, dass die Erwachsenen handeln. Dabei setzen sie voraus, dass Erwachsene tatsächlich immer das tun können, was sie im Moment wollen. Die meisten Erwachsenen können aber höchst selten so handeln, wie sie gerade Lust haben! Daher reagieren sie auch auf die übermäßigen Forderungen ihrer Kinder mit Unverständnis, werden ungehalten und schränken in der Regel die Freiheiten der Teenager ein.

Die Lösung der Probleme liegt sehr oft im Kompromiss!
Eltern und Jugendliche sollen daran denken, dass die Pubertätsjahre im Verhältnis zum restlichen Leben kurz und vergänglich sind. Also warum soll man sich das Zusammenleben total vermiesen? Die Freizeitgestaltung ist für alle Jugendlichen sehr wichtig, dabei ist es gar nicht leicht, zwischen sinnvoller und zerstörerischer Freizeitbeschäftigung zu unterscheiden, weil Jugendliche gerade in der Freizeit beweisen wollen, dass sie schon WER sind. Verbote allein helfen da wenig, viel wichtiger ist es, eine Gesprächsbasis mit Ihrem Kind zu finden. Einerseits bietet das Jugendschutzgesetz eine Richtlinie für die Festlegung der Ausgehzeiten und andererseits können Eltern auch verlangen, zu erfahren, mit wem und wo sich die Jugendlichen aufhalten.

Eltern sollten nicht die totale Anpassung fordern, sondern sich mit ihren Kindern arrangieren. Nach dem Motto: „Jeder kann einmal nachgeben“ sollten Lösungen gesucht werden. Meist legen die Jugendlichen ihren Starrsinn dann etwas ab, wenn sie erleben, dass ihre Meinung in der Familie auch etwas zählt, dass sie mitreden dürfen und sich die Erwachsenen auch einmal nach ihren Wünschen richten. Mit einem Wort, sie fühlen sich aufgewertet, wenn sie in der Familie wie ein Erwachsener behandelt werden. Das Erwachsensein ist aber mit Pflichten verbunden und deshalb können Eltern diese auch einfordern. Wichtig dabei ist nur, dass Sie Ihrem Kind vermitteln, warum Sie etwas für unumgänglich halten. Das Meiste, was Eltern von ihren Kindern verlangen ist nicht Folge ihrer „Bosheit“ oder „bloßen Laune“, sondern vielmehr das sinnvolle und nützliche Bemühen, ihr Kind, das schon seinen eigenen Weg zu gehen beginnt, beratend zu unterstützen.

PsychologInnen der Stadt Wien können dabei ein wenig mithelfen – sie wollen nicht erziehen, sondern nur beraten. Der Rat von Erwachsenen, die außerhalb der Familie stehen und nicht automatisch zu den „verkorksten Oldies“ zählen, wird manchmal sogar angenommen!

Autor: Dr. Belinda Mikosz, Klinische- und Gesundheitspsychologin

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