„Ich bin für eine Partnerschaft geboren“

Als wir die Nobelwohnung von Kultstar und Helmut-Zilk-Witwe Dagmar Koller betreten, trauen wir uns zuerst nicht einmal zu atmen, wie man so schön sagt, weil wir nicht wissen, was uns beim Treffen mit „dem einzigen Musicalstar, den Österreich je hervorgebracht hat“, so Marcel Prawy über Koller, die unter anderem bereits mit Liz Taylor, Franz Antel und Zarah Leander arbeitete, erwartet. Der erste Blick fällt auf die zahlreichen eingerahmten Fotos an der Wand von „Dagi“ mit „ihrem Helmut“, auch in den restlichen Räumen der großflächigen Altbauwohnung ist immer noch deutlich Zilks Geist zu spüren. Die Möbel in Kollers Reich sind antik-wertvoll, Geschirr und sonstige Accessoires wie Aschenbecher haben etwas Königliches, ganz zu schweigen vom echten Gustav-Klimt-Gemälde, das das Wohnzimmer ziert. Koller sorgt aber bereits in den ersten Minuten dafür, dass man sich wohl fühlt. Sie serviert Tee und schenkt uns ein langes, lockeres Gespräch mit viel Gelächter und vor allem viel Ehrlichkeit und viel Gefühl, dafür gänzlich ohne Starallüren. Koller sagt, was sie denkt, erzählt leidenschaftlich gern lustige Anekdoten aus der Vergangenheit, schlägt aber ohne Scham auch ernste Töne an …

GESÜNDER LEBEN: Sie haben das sicher schon oft gehört, aber Ihre 76 Jahre sieht man Ihnen nicht an …
Dagmar Koller: Ich bin wirklich noch sehr aktiv für mein Alter. Ich habe mein Alter angenommen und genieße es. Ich habe lange Zeit nicht gewusst, ob ich es im Alter mal schön haben werde, denn in meinem Beruf müssen Sie, um erfolgreich zu sein, immer alles geben – und das oft für wenig Gage. An der Spitze zu bleiben, ist auch körperlich sehr anstrengend. Ich war von Beginn an eine Einzelkämpferin. Das bedeutet, stets an sich zu arbeiten – bis heute.

GL: Blicken Sie lieber zurück oder nach vorne?
Ich gehe immer vorwärts! Bis heute lerne ich freiwillig stets Neues dazu. Aktuell lerne ich zum Beispiel Portugiesisch. Man darf nicht stehen bleiben.

GL: Als wir Sie um ein Interview baten, haben Sie sofort klargestellt, dass Sie kein Gesundheitsapostel sind …
(lacht) Das stimmt auch! Ich rauche zur Entspannung gern mal mein Zigaretterl, früher habe ich mir als Belohnung nach einem gelungenen Auftritt gerne eine Zigarre oder Pfeife gegönnt. Auch einem Stamperl Schnaps oder Gin bin ich nicht abgeneigt. Solche Gewohnheiten verstärken sich natürlich, wenn man alleine ist. Dann kommt man auf viele Dinge drauf, die man eigentlich nicht machen sollte.

GL: Sind Sie ein Genussmensch?
Auf jeden Fall. Ich will alles um mich herum schön haben. Ich bin todunglücklich, wenn in der Wohnung Unordnung herrscht. Und sagen wir so: Ich habe keine Ahnung, wie viel
Kalorien mein Essen hat. Ich liebe meine Cremeschnitte im Caféhaus um die Ecke, was nicht bedeutet, dass mir nicht bewusst ist, dass ich meiner Figur damit nichts Gutes tue. Aber: Ich habe lange Zeit in den USA gelebt und dort sowohl Frauen als auch Männer beobachtet, die stets eine kleine Waage dabeihatten, um ihr Essen jederzeit abwiegen zu können, sogar ihre Salatportion. Entschuldigung, aber wo bleibt denn da bitte der Spaß?! Was ist das für ein Leben?!

GL: Haben Sie denn überhaupt Wehwehchen?
Natürlich! Zum Beispiel sind meine Augen sehr schlecht geworden, beim Lesen tu ich mir schon sehr schwer. Und seit einem Jahr trage ich einen leichten Ischias-Schmerz mit mir herum, aber nur, wenn ich mich falsch bewege.

GL: Wie halten Sie sich fit?
Ich mache jeden Tag in der Früh meine Ballettübungen, und das schon seit 60 Jahren. Mein Training dauert allerdings nur acht Minuten. Da liege ich gerne am Boden und biege und dehne mich! Und: Ich gehe in meiner großen Wohnung so viel, wie andere Menschen Kilometer auf der Straße gehen. Altbauwohnungen sind ja herrlich, sind aber sehr verwinkelt, sodass ich am Tag leicht auf meine 9.000 Schritte komme. Ich hab da so ein Gerät, das zählt die Schritte für mich.

GL: Kochen Sie selbst?
Leider kann ich nicht sehr gut kochen, aber ich versuche es immer wieder. Vegane Ernährung ist übrigens gar nichts für mich, das ist ja aktuell sehr trendig. Und ich sage Ihnen was: Immer wenn ich wieder nach Wien komme, ist das Erste, was ich mache, zum Würstelstand oder in ein Restaurant zu gehen und ein Würstel oder ein Gulasch zu essen. Mir gefällt es zudem, dass immer mehr Männer die Liebe fürs Kochen entdecken. Michael Häupl zum Beispiel ist ein leidenschaftlicher Koch – dem man nicht reinpfuschen darf! (lacht) Kochen ist eine Kunst und ich bewundere jeden, der diese Kunst beherrscht.

GL: Gegenfrage: Was tut Ihnen denn nicht gut?
Wein. Leider. Besonders nach Rotwein fühle ich mich sehr übersäuert und bekomme starkes Kopfweh. Das ist schade, denn mein Lebenstraum war es immer, auf der Terrasse meines Hauses im Portugal vor dem Meer zu sitzen und Wein zu trinken. Zumindest das mit dem Haus und dem Meer hat geklappt. Aber jeden Schnaps kann ich trinken! Ein Stamperl Schnaps ist für mich ein Hoch an Glücksgefühlen! Seit Neuestem gönne ich mir auch mal Gin oder Whiskey mit Wasser. Meine Mutter hat immer Gin getrunken.

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