Haut und Hormone

Fachärztin Dr. Claudia Heller-Vitouch über den enormen Einfluss dieser Botenstoffe auf Aussehen und Gesundheit unseres größten Organes.

Oh nein, die Haut ist nicht nur unsere Schutzhülle! Das größte und schwerste Organ des menschlichen Körpers dient weiters als Sinnesorgan, es regelt Temperatur und Feuchtigkeit, erzeugt aber auch Hormone bzw. verfügt über Andock-Stellen (Rezeptoren) für diese unverzichtbaren Helfer. Kein Wunder, dass die erst 1902 entdeckten Botenstoffe Aussehen und Gesundheit der Haut entscheidend mitbestimmen. Im Internet wird recht einleuchtend erklärt, wie der Name Hormone zustande kam: Der Begriff leitet sich vom griechischen hormao ab – ich treibe an. Zuerst entdeckte man Adrenalin, dann folgten Thyroxin (aus der Schilddrüse), Insulin, die Geschlechtshormone und rund 150 weitere. Forscher sind sicher, dass die derzeitige Liste noch lange nicht vollständig ist.

Hormone funktionieren wie ein Schlüssel
Die Wiener Hautfachärztin Dr. Claudia Heller-Vitouch beschäftigt sich im nachstehenden Beitrag mit dem Wechselspiel zwischen einer Reihe von Hormonen und unserem größten Organ, der Haut: „Hormone funktionieren nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip: Sie docken wie Schlüssel an entsprechende „Schlösser“ (Rezeptoren) in den Organen an, sperren gleichsam auf und entfalten dann ihre Wirksamkeit. Zahlreiche dieser Schlösser befinden sich in der Haut. Daher reagiert diese auf Veränderungen im Hormonhaushalt besonders empfindlich. Unser Aussehen, aber auch die Gesundheit der Haut, ist häufig direkt von Störungen im Bereich der Hormone betroffen.“ Im Laufe des Lebens verändern sich die Hormonspiegel ständig. Nicht nur aufgrund des Alters, sondern auch bedingt durch spezielle Lebenssituationen, wie die Dermatologin an Hand klassischer Beispiele beschreibt: „Bei jedem 5. Neugeborenen (häufiger bei Buben) tritt in den ersten Lebenswochen Akne auf – weil im letzten Schwangerschaftsdrittel die Hormonproduktion der Mutter besonders hoch ist. Diese Umstellung führt zu erhöhter Talgerzeugung und Pickeln beim Baby. Behandeln braucht man nicht. Die Wimmerl aber nicht aufkratzen und keine fetten Cremen verwenden! Die nächste gravierende Veränderung passiert in der Pubertät. Da führt die Überproduktion von Androgenen (männliche Sexualhormone) bei Buben und Mädchen zu Talgüberschuss und Verstopfung der Drüsenausgänge. Zusätzliche Besiedelung mit Bakterien führt zu den sattsam bekannten, belastenden Pusteln und Entzündungen. Pubertätsakne lässt sich jedoch mit Cremen und Tabletten gut behandeln. Bei Mädchen und Frauen, die mit der Pille verhüten, kann sich das Hautbild durch die dabei zugeführten Hormone verbessern. Im Spiel sind konkret Östrogen und Gestagen. Allerdings können als Nebenwirkung unter anderem Pigmentstörungen im Gesicht auftreten.

Zuviel Testosteron wirkt sich negativ aus
Viele Frauen beobachten Hautveränderungen regelmäßig während der Menstruation. Sinken gegen Zyklusende Östrogen- und Progesteronspiegel, verschlechtert sich die Haut oft. Verantwortlich zeichnet dann das Testosteron, das vorübergehend sozusagen die Oberhand gewinnt. Leider können Frauen noch in den Wechseljahren durch Hormonschwankungen von Akne betroffen sein.“ Müsste daher das Testosteron als männliches Sexualhormon nicht gerade bei Männern den größten Schaden anrichten? Dr. Heller-Vitouch: „Bei Überschuss ist das auch der Fall. Zur Glatzenbildung bei Männern trägt neben genetischen Ursachen auch Testosteron bei. Eine allerdings normale Entwicklung. Nicht bei Frauen! Wenn diese unter Akne und Haarausfall leiden und eventuell begleitend an ungewöhnlich starkem Haarwuchs an anderen Körperstellen, dann besteht der dringende Verdacht auf eine Überproduktion an männlichen Hormonen.“ In diesem Fall ist laut Hautärztin Dr. Heller eine Untersuchung mit entsprechender Behandlung nötig: „Häufig liegt ein PCO-Syndrom vor – unter hormonellem Einfluss bauen sich bei dieser Störung die Eierstöcke so um, dass der Eisprung ausbleibt. Bis zu 12 % der Frauen sind davon betroffen. Bei Kinderwunsch muss rasch gehandelt werden! Falls die Familienplanung jedoch abgeschlossen ist, kann man die Symptome mit geeigneten Medikamenten in den Griff bekommen. Vermehrter Haarwuchs lässt sich gut mit Laser beseitigen.“ Auch während der Schwangerschaft können Hautunreinheiten und Schwellungen auftreten. Das vermehrt ausgeschüttete Östrogen regt die Produktion des Hautfarbstoffes Melanin an. So entstehen unter UV-Strahlung schneller Pigmentflecken. Rat von Dr. Heller-Vitouch: „Sonnenbäder meiden und im Freien Produkte mit hohem Lichtschutzfaktor wählen.“

Der große Umbruch im Wechsel
Eine ganz große Umstellung findet bei Frauen in den Wechseljahren statt. Mit etwa Anfang 50 bleibt die Periode aus, Östrogen- und Progesteronspiegel sinken ab. Das beschleunigt den Alterungsprozess rasant: „Die Haut wird nicht mehr so gut vor Kollagenabbau geschützt, verliert an Elastizität, sie zeigt sich trockener und dünner. Die Funktion der Talgdrüsen – beeinflusst von Östrogen und Progesteron – wird schwächer. Frauenärzte empfehlen bei ausgeprägten Beschwerden je nach Ausgangslage eine Hormonersatztherapie.“ Speziell auf das Alter abgestimmte Hautpflege kann vielfach ebenfalls Abhilfe schaffen. Nicht zu unterschätzen ist die Bedeutung des Lebensstiles! Verzicht auf Nikotin und zuviel Alkohol sowie Vermeidung intensiven „Bratens“ in der Sonne zählen zu den wichtigsten Anti-Aging-Maßnahmen. Ein paar Sätze noch zu den Männern: Wie unsere Expertin ausführt, erleben diese ihre Hormonveränderungen nach der Pubertät schleichender. Die Haut ist genetisch bedingt grundsätzlich dicker und grobporiger. Dennoch bleiben auch Männer teils hormonbedingt von Falten, Tränensäcken und schlaffer Haut nicht verschont.

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