Hauptsache Bewegung

Sabine ist glücklich. Sie jauchzt vor Vergnügen, während sie tapsig durch den Garten läuft. Um den Apfelbaum herum, durch den Laubhaufen. Sie fällt hin, steht auf, macht einen Freudenschrei, rennt weiter. Über den kleinen Hügel drüber, um den Birnbaum herum. Ein Blick zur Mami, die Arme vor Begeisterung in die Höhe geworfen, und weiter geht’s, bis hinauf zum Tor und wieder zurück. Wieder ein kurzer Blick, „darf ich noch?”, ein Jauchzer, und weiter geht’s, dieselbe Strecke noch einmal und noch einmal.

Kinder lieben es, sich zu bewegen. Krabbeln, gehen, laufen, niederfallen, aufstehen, Stufen steigen, klettern, etwas aufheben, tragen, ziehen, werfen, Gegenstände gebrauchen, formen, zerdrücken: alles will gelernt sein. Einmal ausprobieren reicht da nicht, immer und immer wieder müssen die Stufen erklommen werden. Wenn es dann endlich ganz sicher – ohne Hinfallen – glückt, ist das Kind stolz. Das stärkt sein Selbstbewusstsein und sein Selbstwertgefühl.

Weil das Erlernen der verschiedensten Bewegungen und das Trainieren des Gleichgewichts so wichtig sind, hat die Natur vorgesorgt: Kinder wollen etwas spüren, sich bewegen, entdecken, erfahren, es macht ihnen Spaß. Sie wissen instinktiv, dass sich ihre Muskeln am besten entwickeln, wenn sie gut durchblutet werden – und haben daher einen regelrechten Bewegungsdrang.

Sie müssen also in der Regel gar nicht viel dazu tun, damit Ihr Kind Bewegungen ausprobiert und so lange übt, bis es sie kann. Wichtig ist  nur, für genügend Raum und Zeit zu sorgen.Das kann in der Stadt schwierig werden, wenn man in einer kleineren Wohnung lebt und kein geeigneter Park in der Nähe ist. Erlauben Sie in diesem Fall Ihrem Kind auch im Wohnzimmer herumzutoben – und machen Sie so oft wiemöglich einen Ausflug zu einer großen Wiese. Der Kontakt zur Natur ist besonders im zweiten und dritten Lebensjahr wichtig: Durch Laub laufen und die Blätter riechen, beim Schaukeln den Wind in den Haaren spüren,  wirbelnden Schneeflocken zusehen und siefangen, Steine aufheben und in der Hand spüren – das sind wichtige Erfahrungen. Nicht nur Bewegungen werden dabei trainiert, sondern auch die Sinne geschärft: Beim Spielen mit Sand, Wasser, Schnee, Laub u.a. spüren, sehen und riechen die Kinder die Verschiedenheit der Dinge. Sie erleben, wie sie mit ihren Händen etwas formen und gestalten können. In Sachen Spielzeug sind die kleinen Kinder ohnehin sehr fantasievoll: Die ganze Welt mit allem, was sie darin finden, ist Spiel- und Übungsplatz für Bewegungen, Feinmotorik und Gleichgewicht. Möbel, Gebrauchsgegenstände, Bäume und Steine dienen ihnen auch als Spielzeug und Turngeräte. Eine Lieblingsbeschäftigung von Sabine ist derzeit z.B. die Kleiderhaufen vor der Waschmaschine zu „sortieren” – so, wie sie es bei der Mama gesehen hat. Das ist zwar lästig für die Mama. Sie weiß aber, dass es darum geht, eine bestimmte Bewegung zu üben. Also sortiert die Mama halt noch einmal.

Die Bewegungslust und der immer größere Aktionsradius des Kindes bringen allerdings Sicherheitsfragen mit sich. Am besten ist es, die Gefahrenquellen aus dem Weg zu räumen, damit Sie Ihrem Kind die Freude am Erforschen und Bewegen nicht verbieten müssen. Das gilt vor allem für die Wohnung: Alles, was gefährlich oder gefährdet ist, sollten Sie wegräumen, sichern oder entschärfen. Gefahrlose Hindernisse sollten Sie Ihrem Kind allerdings nicht aus dem Weg räumen: Lassen Sie ihm Zeit, eine Lösung zu finden und damit eine wichtige Erfahrung selbst zu machen.

Tipps für Eltern

  • Bauen Sie mit Ästen einen Slalomlauf im Park, lassen sie Ihr Kind Steine in den Bach, Bälle in einen Kübel werfen. Hoppe-Reiter-Spiele, Balancieren auf kleinen Mauern, Klettern auf einem kleinen Abhang, Rutschen trainieren das Gleichgewicht.
  • Drängen Sie Ihr Kind nicht zu bestimmten Spielen oder Sportarten, „trainieren” Sie es nicht. Das kann es ängstlich machen und die Freude an der Bewegung hemmen.
  • In Eltern-Kind-Zentren oder -Gruppen können Sie und Ihr Kind gemeinsam mit anderen Eltern und Kindern spielen. Auch Eltern-Kind-Turnen und Eltern-Kind- Schwimmen erweitern die Bewegungsmöglichkeiten.
  • Damit auch Sie etwas vom Besuch des Kinderspielplatzes haben, verabreden Sie sich mit Freunden oder anderen Müttern und Vätern. Die Erwachsenen können dann tratschen, und die Kinder spielen. Manchmal entstehen dadurch neue Freundschaften.
  • Wenn Sie sich Sorgen um die Bewegungsentwicklung Ihres Kindes machen, wenden Sie sich an den Kinderarzt. Durch gezielte Frühförderung können Entwicklungsverzögerungen positiv beeinflußt werden. Auch wenn Sie den Verdacht haben, dass Ihr Kind hyperaktiv ist, sollten Sie sich an den Arzt, eine Ambulanz oder Beratungsstelle wenden.

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