Guten Abend, gute Nacht…

„Also, die Julia, die schläft schon seit dem dritten Monat durch, vom Abend bis in der Früh“, erzählt Karin ihrer Freundin, die nun selbst ein kleines Baby hat. In der Elterngruppe meint eine junge Mutter zum Thema Schlafen: „Wir haben überhaupt kein Schlafdefizit. Unser Benni schläft am Abend, um acht, von selbst ein und wacht – außer wenn er grad Zähne kriegt – nicht vor sieben in der Früh auf.“ Und die Oma schüttelt den Kopf: „Also, Ihr wart brave Kinder, Dein Bruder und Du. Ich glaub, Ihr habt von Anfang an acht, neun Stunden durchgeschlafen. Aber wir haben Euch ja auch nicht so verwöhnt.“

Glauben Sie nicht alles! Glauben Sie es nicht, wenn Ihnen FreundInnen und Verwandte erzählen, dass kleine Kinder zwölf Stunden durchschlafen, ohne auch nur ein Mal aufzuwachen. Ausnahmen dieser Art mag es geben, aber die Regel ist das nicht. Wenn Sie genau hinschauen, werden Sie bemerken, dass auch Ihre FreundInnen mit Kleinkindern öfter einmal Ringe unter den Augen haben. Häufig wird von den kurzen nächtlichen Unterbrechungen, bei denen den Kleinen so nebenbei der Schnuller wieder gegeben wird usw., nichts erzählt. Und darüber, dass sich in der Erinnerung der Oma an ihre Zeit als junge Mutter so manches verklärt hat, werden Sie bereits manchmal geschmunzelt haben.

Es ist völlig normal, dass die „Höchstleistung“ Ihres Babys bezüglich Schlaf bei vier, fünf Stunden liegt. Einem Kind im ersten Lebensjahr ist es in der Regel nicht möglich, zehn bis zwölf Stunden durchzuschlafen. Sein Organismus ist noch nicht so weit entwickelt. Sie zählen zu den glücklichen Eltern, wenn Ihr Kind 5 Stunden am Stück schläft. Fünf Stunden ohne Nahrung oder Zuwendung ist für Ihr Kleines schon recht viel.

Diese fünf Stunden auf einmal schaffen 70 % der Babys ab drei Monaten. Den Kleinen gelingt es, ohne Hilfe weiterzuschlafen, wenn sie – entsprechend dem Schlafrhythmus – nach einer Stunde kurz aufwachen. Zehn Prozent der Babys brauchen zum Weiterschlafen im ganzen ersten Lebensjahr noch Hilfe.

Auch „Rückfälle“ können vorkommen: Ein geringerer Schlafbedarf, Schmerzen oder ein Entwicklungsschub kann den Schlafrhythmus Ihres Babys wieder einmal durcheinander bringen. Auch wenn es vorher schon fünf Stunden durchgeschlafen hat, kann es dann zeitweise wieder früher aufwachen.

Noch etwas ist für die Schlafgewohnheiten des Babys wichtig – und zwar die „innere Uhr“: eine Veranlagung, mit der jeder Mensch auf die Welt kommt. Sie entspricht entweder dem 24-Stunden-Rhythmus des Tages oder kann vor- bzw. nachgehen. Läuft die innere Uhr genau im Tagesrhythmus, wird Ihr Baby beim Essen und Schlafen sehr pünktlich sein. Es braucht meist wenig Hilfe, um in einen guten Schlaf-Wach-Rhythmus zu kommen.

Schwieriger ist das für die Kleinen, deren innere Uhr nach- oder vorgeht. Langsamer geht sie beim größten Teil der Menschen, den „Abendtypen“ bzw. „Morgenmuffeln“. Ihr innerer Tag dauert bis zu 25 Stunden. Diese Babys finden am Abend oft schwerer in den Schlaf und haben manchmal unregelmäßige Essenszeiten. Abendtypen brauchen oft Hilfe von außen, um einen Rhythmus zu finden. Für diese Babys sind regelmäßige Tagesabläufe und möglichst wenig Stress besonders wichtig. Schläft Ihr Kleines aber am Abend früh und leicht ein, und ist auch sehr früh wieder wach, dann ist es u. U. ein „Morgenmensch“. Bei dieser kleineren Gruppe von Menschen geht die innere Uhr schneller als der 24-Stunden- Rhythmus.

Tipps für Eltern
Was tun, wenn das Kleine nicht einschläft oder in der Nacht aufwacht und weint?

  • Lassen Sie Ihrem Baby etwas Zeit, vielleicht schläft es nach kurzem Raunzen weiter.
  • Wenn ihm/ihr das nicht gelingt, dann versuchen Sie es mit einer kleinen Geste: Legen Sie ihm die Hand auf das Köpfchen oder den Bauch, sagen Sie leise: „Schlaf ruhig weiter, es ist alles in Ordnung.“
  • Wenn das nicht reicht, können Sie es mit dem Schnuller, leichtem Klopfen oder Schaukeln versuchen.
  • Wenn gar nichts hilft, können Sie das Baby auch aus dem Bett nehmen.
  • Bedenken Sie dabei: Ihr Baby lernt im zweiten Lebenshalbjahr immer besser, sich selbst zu beruhigen und weiterzuschlafen. Was es schon selbst kann, sollten Sie ihm nicht abnehmen. Wo es jedoch alleine noch überfordert ist, braucht es Ihre Hilfe.
  • Es längere Zeit schreien zu lassen hat keinen Sinn. Da bekommt es nur Angst und fühlt sich im Stich gelassen. Aber Sie sollten Ihr Baby fürs Wachsein auch nicht zu sehr „belohnen“, also herumtragen oder mit ihm spielen.
  • Wenn Ihr Baby viel weint, wenig schläft, schwer einen Rhythmus findet oder Sie bereits sehr erschöpft und hilflos sind, sollten Sie dies mit dem/der Kinderarzt/ ärztin oder in einer Beratungsstelle für Eltern von Säuglingen besprechen.
  • Am wichtigsten ist jedoch, dass Sie als Familie Möglichkeiten des Ein- und Weiterschlafens finden. Es sollen sich Eltern und Kinder wohl fühlen und zu einem möglichst guten Schlaf kommen.

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