Gut Ding braucht Weile

Manche Kinder brauchen wegen einer angeborenen Erkrankung oder Behinderung spezielle Betreuung und Pflege. Aufgrund der großen Unterschiede lässt sich kaum etwas Allgemeingültiges dazu sagen. In jedem Fall ist eine möglichst frühzeitige Behandlung und Förderung entscheidend. Je früher die fachkundige Begleitung beginnt, desto eher ist eine Unterstützung der gesunden Entwicklung möglich.

Ein Kind mit Behinderung verändert den Alltag der Familie radikal. Seine Bedürfnisse stehen im Mittelpunkt und strukturieren den Tagesablauf. Entlastung bringt Ihnen alles, was im Alltag für Normalität sorgt und Ihnen das Gefühl gibt, kein Außenseiter zu sein. Lassen Sie sich helfen und finden Sie Ihren neuen Platz in der Gesellschaft. Tauschen Sie sich mit Müttern und Vätern in einer ähnlichen Situation aus.

Wie schwierig Sie als betreuuender Elternteil die Situation empfinden, ist sehr unterschiedlich. Mit folgenden Fragen werden Sie sich wahrscheinlich befassen:

  • Wie gut kann ich vom Traum von einem gesunden Kind Abschied nehmen? Wie schnell gelingt es mir, mich mit der neuen Situation abzufinden?
  • Wie gehe ich mit Trauer und Erschöpfung um?
  • Wie stelle ich die bestmögliche Therapie für mein Kind sicher?
  • Wie werde ich dem Rest der Familie und mir selbst gerecht?
  • Was antworte ich auf unbedachte oder dumme Kommentare von Dritten?

Leider haben fremde Menschen oft wenig Fingerspitzengefühl im Umgang mit „besonderen“ Familien. Um den Reaktionen der Umwelt zu entgehen, würde es sich anbieten, zu Hause zu bleiben. Hier lauert aber eine andere Gefahr: die der Entfremdung von Bekannten und von allgemeinen Treffpunkten von Familien mit Kindern.

Davon sind auch gesunde und nichtbehinderte Geschwister betroffen. Diese müssen sich ohnehin schon dem Tagesablauf und den Bedürfnissen des zu pflegenden Kindes unterordnen. Unzufriedenheit kann die Folge sein, Überforderung, oder sogar Angst. Geben Sie den Geschwistern die Möglichkeit, über Gefühle ehrlich zu sprechen. Erlauben Sie ihnen auch Scham, Neid, Wut und Schuldgefühle.

Achten Sie auf Pausen vom Thema Behinderung. Tun Sie etwas für sich, für Ihre Beziehung und für jedes Ihrer Kinder. Die Situation verlangt Ihnen viel Energie ab. Tanken Sie bewusst wieder auf.

Weil spezielle Schulen und medizinische Betreuung das Familienbudget zusätzlich belasten, erhalten Familien mit behinderten Kindern in Österreich finanzielle Hilfe: das Pflegegeld und die erhöhte Familienbeihilfe.

Pflegegeld ist eine finanzielle Unterstützung an Familien, um die Mehrbelastung, die aufgrund einer geistigen, psychischen oder körperlichen Behinderung eines Kindes entsteht, zu decken. Finanzieren Sie damit Entlastung in der Pflege und Betreuung. Der Umfang ist unter anderem vom Grad der Behinderung und vom Pflegebedarf abhängig.

Anspruch auf Pflegegeld besteht, wenn der ständige Betreuungs- und Pflegebedarf des Kindes für mindestens sechs Monate gegeben ist und mehr als 50 Stunden monatlich beträgt. Das monatliche Pflegegeld ist unabhängig vom Einkommen und wird in sieben Stufen zuerkannt. Zur Festlegung der Stufe ist ein ärztliches Sachverständigengutachten notwendig. Erhöhte Familienbeihilfe gebührt zusätzlich zur allgemeinen Familienbeihilfe, wenn nicht nur vorübergehend eine Behinderung von mindestens 50 Prozent vorliegt.

Tipps für Eltern eines behinderten Kindes

  • Suchen Sie eine spezialisierte Beratungsstelle auf. Sie werden dort einfühlsame Begleitung finden.
  • Informieren Sie sich über Frühförderinstitute, Selbsthilfegruppen und Familienunterstützung beim Leben mit einem behinderten Kind.
  • Suchen Sie sich Entlastung im Alltag, nehmen Sie Hilfe und Unterstützung an. Versuchen Sie, Energie aufzutanken.
  • Spezielle Betreuungseinrichtungen helfen dem Kind angemessen und entlasten die Familie. Anstatt sich Vorwürfe zu machen, dass man sich der Verantwortung des Kindes entledigt, sollte man dies als eine Chance sehen.
  • Akzeptieren Sie das Kind so, wie es ist. Helfen Sie Ihrer Umgebung, es kennen zu lernen. So kann es sich entfalten und seinen Platz in der Gesellschaft finden.
  • Beschäftigen Sie sich nicht ununterbrochen mit dem Thema Behinderung.
  • Erkennen und benennen Sie Ihre eigenen Bedürfnisse – z.B. mit einer Freundin zu reden, etwas Zeit für sich zu haben, von zu Hause „raus zu kommen“ – und versuchen sie diese zu befriedigen.
  • Setzen Sie in Ihrer Familie ungewöhnliche Prioritäten. Feiern Sie z.B. immer wieder „Feste der kleinen Schritte“.

Deutschsprachige Internet-Links
www.selbsthilfe.at Selbsthilfegruppen
www.docs4you.at Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde
www.handicapkids.at Für Eltern von Kindern mit Behinderung

Mehr zum Thema
Elternbrief für Eltern von behinderten Kindern

Autor: Mag.a Katharina Ratheiser

Interessantes

- Advertisement -Jentschura

Empfehlungen