Grammatik ist nicht alles

Kinder, die bereits in der Volksschule Lese- und  Schreibschwierigkeiten haben, plagen sich auch während ihres weiteren Bildungsweges“, betont Univ.-Doz. Dr. Wolfgang Dür vom Ludwig Boltzmann Institut – Health Promotion Research. Aber auch andere wichtige Bereiche wie etwa der Bewegungsfortschritt gehören in diesem Alter geschult. Denn die Entwicklung der Motorik ist bei den Sechs- bis Zehnjährigen noch keineswegs abgeschlossen. Ganz im Gegenteil: In diesem Alter  wird der Grundstein für Fertigkeiten wie Koordi nation, Gleichgewichtssinn, Kraftdosierung, Orientierung oder Reaktionsgeschwindigkeit gelegt. Die Rücken-, Bauch- und Beckenmuskulatur ist noch schwach, zu viel sitzen kann zu Rundrücken und Hohlkreuz führen. Während der Hausaufgaben sollten daher öfter Lockerungs- und Streckungsübungen eingebaut werden. Doppelter Effekt: Die durch die kräftige Atmung ausgelöste Anreicherung des Sauerstoffs im Gehirn führt zu einer besseren Konzentration. Die Turnstunde in der Schule oder das Ballspielen mit FreundInnen im Park sorgt nicht nur für den wichtigen Muskelaufbau, sondern fördert auch die Teamfähigkeit – und damit die sozialen Fähigkeiten des Kindes.

„Ziel der Gesundheitsförderung sollte sein, die Volksschule so zu gestalten, dass sich die Kinder wohlfühlen und sie ihr Potenzial entfalten können.“
Univ.-Doz. Dr. Wolfgang Dür, Leiter Ludwig Boltzmann Institut – Health Promotion Research

Stärken stärken. Beim Projekt „Wiener Netzwerk Gesundheitsfördernde Schulen“ werden Bewegung, gesunde Ernährung und Hygiene großgeschrieben. „Doch das ist nur die Basis. Neben der physischen Gesundheit wird auf hirngerechtes Lernen und die Entwicklung von Sozialkompetenzen besonderer Wert gelegt“, erzählt Dr.in Tina Svoboda, Gesundheitsreferentin der Wiener Gesundheitsförderung. „So erfolgt die Gestaltung des Schulraums nach psychosozialen Aspekten mit entsprechenden Bewegungs- und Ruhezonen.“ Mehr als 60 Schulen sind innerhalb dieses Netzwerkes miteinander verbunden. Die Schwerpunkte sind mit Projekten wie „Stärke deine Stärken“ über „Konfliktlotsen“ bis zu „Lernen laufen – laufend lernen“ von Schule zu Schule verschieden. Doch alle ziehen am selben Strang: nämlich für ein positives Lernklima und ein solidarisches Miteinander zu sorgen. „Nur wenn sich die Kinder von Anfang an in der Schule wohlfühlen, können sie ihr Potenzial auch dementsprechend entfalten“, betont Dür. „Vier Stunden mit offenen Augen zu schlafen, hat keinen Sinn. Kinder lernen nur dann, wenn sie aktiv mitmachen und gefördert werden“, erklärt der Experte.

www.wiengs.at

„Von Körperbewusstsein bis zu Entspannung: Schulen setzen Schwerpunkte, wo sie Handlungsbedarf sehen.“
Dr.in Tina Svoboda, Gesundheitsreferentin in der WiG

Autor: Christina Dirnbacher

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