Gold, Silber, Bronze – im Rollstuhl?

Welche Bedeutung hat Sport bei einer Körperbehinderung?
Dr. Michaela Mödlin
Teamärztin bei den Paralympics in Peking

Sport ist meiner Erfahrung nach für Behinderte und für Nicht-Behinderte gleich wichtig! Auch die Motive für Sport sind meist dieselben: Zum einen steht der Gesundheitsaspekt im Vordergrund, auch behinderte Menschen wollen fit werden oder bleiben. Und Sport trägt sowohl bei behinderten als auch bei nicht behinderten Menschen dazu bei, verschiedenen internistischen oder orthopädischen Problemen vorzubeugen, daher steht dieser Aspekt bei allen im Vordergrund! Zudem stellt Sport für uns alle eine vergnügliche Freizeitaktivität dar. Nicht zuletzt gibt es Menschen mit oder ohne Behinderung, die sich gerne in sportlichen Wettkämpfen miteinander messen.

Natürlich ist der Zugang zum Sport oft ein anderer, weil Menschen mit Behinderung den ersten Kontakt zum Behindertensport meist in der Rehabilitation haben. Hier lernen Betroffene, welche Sportarten trotz der Behinderung möglich sind und sie bekommen Gelegenheit, diese unter fachkundiger Anleitung zu erlernen.

Darf man Sie fragen, warum Sie im Rollstuhl sitzen?
Claudia Lösch
Studentin der Politikwissenschaften, Mitglied des Austria-Skiteams-Behindertensport

Ja, natürlich, diese Frage ist naheliegend. Ich bin nach einem Autounfall seit meinem 5. Lebensjahr querschnittgelähmt. Überhaupt ist Fragen der Schlüssel zum Umgang mit Menschen mit körperlicher Behinderung. Fragen Sie mich z.B. im Supermarkt, ob Sie mir helfen können, einen Artikel aus einem oberen Regal runterzunehmen oder ob Sie mir über Stufen helfen können – aber bitte: Akzeptieren Sie auch ein „Nein“. Oft kann ich Hindernisse im Rollstuhl alleine gut überwinden. Es wirkt dann auf mich sehr distanzlos, wenn jemand trotz eines freundlichen „Nein, danke!“ meinen Rollstuhl angreift.

Ich nehme an den allermeisten Alltagsaktivitäten teil. Einen Traum hätte ich aber: Strandurlaub! Das ist fast das Einzige, was für einen Rollstuhlfahrer nahezu unmöglich ist. Im Moment lebe ich meinen sportlichen Traum, ich bereite mich intensiv auf die Paralympics in Vancouver vor, immerhin habe ich eine Bronze-Medaille aus der Damenabfahrt von Turin 2006 zu verteidigen.

Kann Sport dazu beitragen, das eigene Schicksal anzunehmen?
Mag. Christian Salcher
Psychologe beim Austria-Skiteam-Behindertensport

Wenn ich mir die SportlerInnen im Behinderten-Leistungssport ansehe, dann möchte ich nicht von einem angenommenen Schicksal sprechen, sondern von einer erfolgreichen Anpassung an veränderte Lebensumstände. Ich habe es mit Menschen zu tun, die ein aktives und abwechslungsreiches Leben führen. Aus psychologischer Sicht bringt Sport für Menschen mit Behinderung viele Vorteile, egal ob im Leistungs- oder im Freizeitbereich: Positives Selbstwertgefühl, verbesserte Befindlichkeit und Abnahme von Ängstlichkeit sind nur einige positive Auswirkungen von regelmäßiger sportlicher Aktivität, welche auch auf andere Lebensbereiche übergreifen.

Durch das Erlernen einer „neuen“ Sportart, wie zum Beispiel Skifahren mit einem Monoski oder einer Beinprothese, stellen sich für die Person wahrnehmbare Erfolge ein. Diese Erfolgserlebnisse motivieren dazu, die eigenen Kompetenzen zu erweitern und stärken das Vertrauen, auch weitere Herausforderungen des Lebens zu bewältigen.

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