Ghee – Ayurvedisches Hausmittel

Bei uns in Österreich und den anderen Alpenländern ist es unter dem Namen Butterschmalz seit langem bekannt und wird in der traditionellen Küche sehr geschätzt. Ghee wird hauptsächlich aus der zu Butter verarbeiteten Milch von der Kuh hergestellt. Aber es gibt auch Ghee aus der Butter von Kamelen, Pferden, Ziegen oder Elefanten – jedem Ghee wird eine ganz spezielle Wirkung zugeschrieben. In einem Ausschmelzverfahren – auch Klärung der Butter genannt – werden Wasser, Eiweiß, Milchzucker und Salze durch Erwärmen aus der Butter entfernt. Ghee kann industriell gefertigt, oder ganz leicht selber hergestellt werden (siehe Ghee-Rezept auf S 26). Selbst hergestelltes Ghee hat einen größeren Heilwert. Singen Sie fröhliche Lieder, rezitieren Sie Mantren oder seinen Sie einfach ganz bewusst in Ihrem Tun – Sie werden den Unterschied schmecken! Ghee, oder geklärte Butter, hat nun den Vorteil, dass es um ein Vielfaches länger haltbar ist als Butter – auf Grund des Ausschmelzens von Wasser, Eiweiß und Mikroorganismen, die fürs Ranzigwerden der Butter verantwortlich sind.

Ghee ist auch ohne Kühlschranklagerung viele Monate, oft sogar Jahre und Jahrzehnte, haltbar. In Indien ist man davon über zeugt, dass Ghee vor allem für den medizinischen Gebrauch immer besser und wirksamer wird, je länger man es „reifen“ lässt. Ghee lässt sich auch auf sehr hohe Temperaturen erhitzen – der Rauchpunkt von Ghee liegt erst bei 205°C. Daher ist Ghee ideal zum Braten und Backen geeignet. Durch den Anteil an gesättigten Fettsäuren, die beim Erhitzen stabil bleiben, ist die Gefahr, dass beim Kochen gefährliche Peroxide und freie Radikale entstehen, niedrig. In der ayurvedischen Küche hat Ghee einen besonderen Stellenwert. Ghee wird eine appetitanregende und verdauungsstärkende Wirkung (agni dipam) zugeschrieben. Es stärkt trotz süßem Geschmack (madhura rasa) und kühlender Potenz (shita virya) das Verdauungsfeuer Agni. Es lässt sich für nahezu alle Rezepte verwenden – schon die Zugabe von wenig Ghee verleiht den Gerichten einen wunderbaren Geschmack. Damit die einzelnen Gewürze in der Ayurveda-Küche ihre speziellen Wirkungen voll entfalten können, werden sie immer zuerst in Ghee angebraten.

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Ghee kommt aber nicht nur in der Küche und bei der Ernährung zum Einsatz, sondern vor allem in der Ayurveda-Medizin

  • und hier insbesondere bei Panchakarma
  • aber auch als Allround-Hausmittel ist es nicht wegzudenken.

Ghee werden ganz spezielle Wirkungen zugeschrieben. Es soll neben der verdauungs- und appetitanregenden Eigenschaft auch verjüngend, reinigend, kräftigend, zellregenerierend und entzündungshemmend wirken und darüber hinaus noch die Immunkraft stärken und den Gewebestoffwechsel anregen. Außerdem soll es die Konzentration steigern, den Körper entgiften, bei Verstopfung und Fieber wirken. Ghee wird bei Panchakarma – der wirksamsten Waffe der Ayurveda-Medizin – in der Vorbehandlung (Purvakarma) zur inneren Ölung verwendet, d. h. eine vom Ayurveda-Arzt individuell abgestimmte Menge warmes Ghee wird über einen Zeitraum von mehreren Tagen getrunken, um so den Körper innerlich zu ölen. Das Ziel ist die Lösung von Schlackenstoffen aus den Geweben und deren Rückführung in den Magen-Darm-Trakt mit Hilfe von Ghee. In der zweiten Phase von Panchakarma werden diese Schlackenstoffe dann aus dem Körper ausgeleitet.

Ghee dient aber auch als ausgezeichneter Trägerstoff für ayurvedische Heilmittel oder als Salb engrundlage. Es gibt eine Vielzahl von verschiedenen Heilkräuter-Ghees, nicht nur mit ayurvedischen, sondern auch mit heimischen Heilpfl anzen.
In der ayurvedischen Manualtherapie kommt Ghee vor allem bei der Fußmassage (Padabhyanga) zum Einsatz. Hier wirkt es rauer, rissiger und trockener Haut entgegen, wirkt stark Vata-reduzierend und beruhigend, fördert den Schlaf – wirkt sich also günstig auf Schlafstörungen aus – und wirkt Erschöpfung und Nervosität entgegen.

Bei geröteten und gereizten Augen wrd in der Ayurveda-Medizin das ayurvedische Augenbad (Aksitarpana) mit körperwarmem Ghee empfohlen. Ghee entweder pur oder mit Kurkuma und Aloe vera vermischt, kommt aber auch bei leichten Verbrennungen zum Einsatz. Die kühlende, beruhigende und regenerierende Wirkung von Ghee hilft der Haut dabei, sich nach leichten Verbrennungen zu entspannen. Neben der Bedeutung die Ghee in der ayurvedischen Ernährung und Medizin hat, werden ihm auch besondere mystische Eigenschaften nachgesagt. In Indien geben Großeltern ihren Enkelkindern zum Beispiel bei der Hochzeit Ghee als Glück bringendes Geschenk. Bei Hochzeiten und Begräbnissen oder Gottesdiensten werden die Götterbilder mit Ghee gesalbt. Außerdem wird geglaubt, dass 5 Jahre altes Ghee Verbrennungen heilt und 100 Jahre altes Ghee alles heilen kann. Ob Ghee nun mystische Eigenschaften besitzt oder nicht, ist nicht so wichtig. In jedem Fall ist es ein köstlich schmeckendes Lebenselixier, das sich äußerst positiv auf die Gesundheit auswirkt!

 

Autor: Iris Weiland

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