Gewitter im Gehirn

Ich dachte, mein Kind stirbt“, erinnert sich Katharina an den ersten epileptischen Anfall ihres Sohnes, der mittlerweile vier Jahre zurückliegt. Wenige Wochen später wurde Fabian, bis dahin ein kerngesundes Kind, drei Jahre alt. „Ich hätte mir nie gedacht, dass er krank sein könnte. Unser Leben veränderte sich von einem Tag auf den anderen schlagartig.“

In einem Teil der Fälle ist Epilepsie auf eine organische Erkrankung zurückzuführen. Manchmal kann sie auch durch eine Zyste oder einen Tumor im Gehirn ausgelöst werden – man spricht dann von einer symptomatischen Form. Nicht so bei Fabian. Er leidet unter einer sogenannten idiopathischen Epilepsie; die Ursachen liegen an einer Veränderung der Gene.

Von Beginn an zeigten Fabians Anfälle – zwischen 20 an guten und 100 an schlechten Tagen – mannigfache Symptome: „Mal krampft der ganze Körper. Mal sind die Anfälle nur einseitig und er hat etwa nur im Gesicht, nur am linken Arm oder Bein mehr oder weniger starke Zuckungen. Manchmal leidet er an Absencen, schaut also einfach ins Leere. Dann wieder sind es Sturzanfälle und er liegt plötzlich am Boden. Oder er rennt nur noch im Kreis herum. Gelegentlich sind die Anfälle mit Harnverlust verbunden. Daher muss er hin und wieder eine Windel anziehen“, so seine Mutter.

Gewitter mit Folgen. Epilepsie ist immer noch ein großes gesellschaftliches Tabu. Dabei zählt sie zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen. Derzeit gibt es in Österreich über 60.000 Epilepsiepatienten und jährlich kommen rund 3.000 dazu. Neuerkrankungen treten insbesondere bei Kindern und ab dem 60. Lebensjahr auf. Und etwa jeder Zehnte erleidet im Laufe seines Lebens zumindest einen epileptischen Anfall, auch „Gelegenheitsanfall“ genannt. So viel zu den Zahlen. Doch: Was ist Epilepsie eigentlich? „Bei einem epileptischen Anfall kommt es zu exzessiven, hypersynchronen neuronalen Entladungen. Diese unspezifischen Reaktionsformen des Gehirns auf unterschiedliche Reize können unprovoziert oder provoziert auftreten“, erklärt Dr. Iris Unterberger, Leitende Oberärztin an der Innsbrucker Universitätsklinik für Neurologie. Ein epileptischer Anfall ist am ehesten mit einem Gewitter oder einem Kurzschluss vergleichbar. Laut der Internationalen Liga gegen Epilepsie ist für die Diagnose „Epilepsie“ übrigens nur ein unprovozierter Anfall nötig, wenn zusätzlich Elektroenzephalogramm (EEG) und Magnetresonanztomographie (MRT) entsprechende Befunde liefern.

Interessantes

- Advertisement -Jentschura

Empfehlungen