Gesunder Rücken

Nicht selten wird bei Unternehmern oder Managern von einem „starken Rückgrat“ gesprochen. Dabei haben sie ein solches oft nur im übertragenen Sinn. Die meisten erfolgreichen Business-People sind nämlich eifrige Schreibtischtäter und gerade diese leiden häufig unter Rückenschmerzen. Doch Rückenschmerz ist nicht gleich Rückenschmerz! Schließlich wird die Wirbelsäule in drei Abschnitte eingeteilt: Sprechen Laien von Hals und Nacken, ist damit die sehr bewegliche Halswirbelsäule gemeint, die aus den obersten sieben Wirbel besteht. Die nächsten zwölf Wirbel, gemeinhin als „Rücken“ bezeichnet, bilden die Brustwirbelsäule. Sie ist relativ unbeweglich, da sie mit den Rippen des Brustkorbs verbunden ist und Herz sowie Lunge schützt. Darunter liegt die aus fünf Bauteilen bestehende, überaus biegsame Lendenwirbelsäule – das „Kreuz“. Die Hauptlast unseres Körpergewichts liegt in aufrechter Position auf dem letzten Lendenwirbel und der Bandscheibenverbindung zum Kreuzbein.

36,4 % der Österreicher sagen, dass sie Rückenschmerzen haben.

Wunderbare Wirbelsäule. Ein, wie er selbst sagt, begeisterter Bewunderer der so vielfältigen Funktionen der Wirbelsäule ist der renommierte Wiener Orthopäde und Leiter der Abteilung für Orthopädische Schmerztherapie im Orthopädischen Spital Speising, Martin Friedrich: „Die Wirbelsäule muss uns aufrecht halten, den Kopf tragen und dem ganzen Körper Festigkeit verleihen. Sie ist das Achsenorgan, an dem die Muskeln ansetzen und das mit sämtlichen Organen reflektorisch verbunden ist. Zudem gehen Nerven und Gefäße durch sie hindurch und das Rückenmark reicht bis in die obere Lendenwirbelsäule. Trotzdem wollen wir, dass die Wirbelsäule auch beweglich ist.“ Gerade in dieser Widersprüchlichkeit liegt die Anfälligkeit.

Volkskrankheit Rückenleiden. Wirklich aussagekräftige Daten darüber, wie viele Menschen hierzulande Rückenprobleme haben, gibt es leider nicht – bis auf eine 2005 von Friedrich und seinen Mitarbeitern durchgeführte Studie: Von 500 für Österreich repräsentativen Personen gaben 36,4 % an, dass sie in den letzten drei Wochen Schmerzen im Bereich des Bewegungsapparats hatten. Davon litten wiederum über 43 % unter Kreuzschmerzen, beinahe 43 % unter Nackenschmerzen und etwas über 36 % unter Rückenschmerzen.

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Bewegung stärkt unseren Rücken! Es stimme schon, dass übergewichtige Menschen öfter mit Rückenproblemen zu kämpfen haben. „Allerdings liegt das weniger am Gewicht, als vielmehr an mangelnder Bewegung und fehlerhafter Haltung. Ein weiterer Risikofaktor: tägliche Tätigkeiten, die mit Fehl- und Überlastungen einhergehen“, so Universitätsprofessor Friedrich. Zudem gibt es oft eine genetische und vor allem eine psychische Komponente. Letzteres ist allerdings ein „Henne-Ei-Problem“: Hat man längere Zeit Schmerzen, wird man depressiv. Leidet man andererseits unter Depressionen, Stress oder Angst, nimmt man mitunter eine schlechte Haltung ein, die Muskulatur verkrampft sich und Rücken- bzw. Nackenschmerzen sind die Folge. Daher gehört die Psyche insbesondere bei chronischen Rückenschmerzen mitbehandelt.

Stichwort: chronisch. Sind die Schmerzen vorübergehend, muss nicht zwingend ein Arzt konsultiert werden. Sind sie jedoch wiederkehrend und nehmen eine Intensität an, dass es ohne Schmerzmittel nicht mehr geht, sollte man auf jeden Fall zum Arzt gehen. Die Medizin unterscheidet zum einen zwischen akut und chronisch. Friedrich: „Von chronischen Rückenschmerzen wird gesprochen, wenn diese länger als drei Monate andauern. Wobei der Vorgang der Chronifizierung schleichend stattfindet. Daher ist es sehr wichtig, dass sich der Patient selbst beobachtet.“ Zum anderen gibt es spezifische und unspezifische Schmerzen. Bei gut 85 % der Kreuzschmerzen handelt es sich um Letztere und somit beispielsweise um muskuläre Verspannungen oder (leichte) Bänderirritationen. Wenngleich unspezifische, akute Schmerzen nicht einmal mithilfe neuester MRTs festgestellt werden können, handelt es sich zumeist um keine gefährliche Erkrankung und es ist anzunehmen, dass die Beschwerden bald vorübergehen. Laut Friedrich ist diese Information für den Patienten sehr wichtig, weil dadurch verhindert werden kann, dass er vor Schmerz in Ruhe „erstarrt“. Und wie noch zu lesen sein wird: Bewegung muss sein. Bei der Diagnose werde in erster Linie ausgeschlossen, ob es sich um ein spezifisches Leiden handelt: „Ob eine organische Ursache bzw. eine Strukturveränderung zugrunde liegt, können wir vor allem beim akuten Schmerz sehr gut anhand der Krankengeschichte feststellen. Jedenfalls aber müssen Warnhinweise auf spezifische Wirbelsäulenschmerzen erfragt werden, also Schmerzen aufgrund von Entzündungen, Tumoren, Verletzungen und Nervenwurzelirritationen.“ Übrigens: Probleme der Wirbelsäule spürt man mitunter an ganz anderen Stellen, etwa in den Beinen, Fingern oder auch im Kopf.

Bewegung ist für den Rücken das allerbeste! Bauen Sie auch in der Arbeit kurze Bewegungsimpulse ein!

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