Gesund sein. Gesund bleiben.

Prosit 2016!

Da wird es Zeit für viele gute Vorsätze. Die reichen meist von mehr Bewegung, am bes-ten an der frischen Luft, über weniger Naschen und generell mehr auf die Ernährung achten bis zum Rauchstopp nach dem Motto „Jetzt aber wirklich!“. Für uns Österreicher sollte außerdem der jährliche Gesundheitscheck beim Arzt des Vertrauens dazugehören, gelten wir doch eher als „Vorsorgemuffel“ – speziell Herr Öster­reicher, wie eine Studie von marketagent.com unter 500 Männern zwischen 20 und 69 Jahren ergab:

Zwar machen sich sechs von zehn Männern Gedanken über ihre Gesundheit und die Mehrheit befürwortet auch regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen. In der Praxis schaut die Sache jedoch anders aus, denn nur 36,5 Prozent geben sich tatsächlich einmal im Jahr ein Stelldichein mit ihrem Arzt. Ein Fünftel hat sich sogar noch nie einer Vorsorgeuntersuchung unterzogen.

Gesundheitscoach Arzt. Freilich gibt es unterschiedliche Meinungen darüber, ob der regelmäßige Gesundheitscheck tatsächlich Sinn hat. Laut Dr. Martin Sprenger vom Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie an der Medizinischen Universität Graz zeigt etwa eine aktuelle, unabhängige Auswertung aller Studien zu diesem Thema keinen Einfluss auf das Erkrankungs- und Sterberisiko. Trotzdem sieht der Gesundheitswissenschafter auch einen Nutzen dieses Angebots: „Unter anderem ist die  Vorsorgeuntersuchung für die Beziehungspflege zwischen Arzt und Versichertem sicher zu empfehlen. Vorausgesetzt natürlich, dass sich der Arzt dabei wirklich Zeit nimmt, dass er mit der jeweiligen Person spricht und sich über dessen aktuelle Lebensumstände sowie Lebensstil informiert.“ Wertvoll ist die Vorsorgeuntersuchung außerdem für sogenannte Risikogruppen: beispielsweise Personen, die unter hohem Blutdruck leiden, übergewichtig sind, rauchen, sich wenig bewegen oder anderweitig „ungesund“ leben. Für diese Menschen kann es sich lohnen, wenn der Arzt im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung das individuelle Risiko aufzeigt. Entscheidend ist dabei freilich, dass er dies korrekt und verständlich tut, zum Beispiel gut visualisiert, und Tipps gibt, wie man sein Leben gesünder gestalten kann. Sehen Sie also die Vorsorgeuntersuchung als Chance, sich gemeinsam mit dem Arzt Ihres Vertrauens Gedanken über Ihre Gesundheit zu machen. Lassen Sie sich von Ihrem Hausarzt Blut-, Cholesterin- und sonstige Werte erklären und sprechen Sie mit ihm darüber, wie Sie in Zukunft etwa Ihre Ernährung gesünder und/oder Ihr Leben aktiver gestalten können.

Nutzt’s nix, schad’s nix? Neben der jährlichen Vorsorgeuntersuchung gibt es zahlreiche Früherkennungsprogramme (siehe „Vorsorge –  vom Baby bis zum Greis“). Hier scheiden sich allerdings so manche Geister an der Sinnhaftigkeit. Sprenger plädiert jedenfalls dafür, das Verhältnis von Nutzen und Schaden abzuwägen: „Zum Zeitpunkt der Entscheidung, an einer Früherkennungsmaßnahme teilzunehmen, fühlt man sich ja an sich gesund. Daher sollte man sich fragen: Was erwarte ich mir von der Untersuchung und was ist der potenzielle Nutzen, aber auch Schaden?“ Ein Beispiel: Jedes Jahr werden in Österreich über 5.000 neue Fälle von Brustkrebs diagnostiziert und bis zum 75. Lebensjahr erkrankt eine von zwölf Frauen an einem Mammakarzinom. Bei der Brustkrebsfrüherkennung kommt es allerdings mitunter auch zu sogenannten falsch positiven Befunden – sprich: Bei einer an sich gesunden Frau wird fälschlicherweise Brustkrebs diagnostiziert. Die Folge: Die an sich gesunde Frau muss weiter abgeklärt werden, bis durch eine oder mehrere Folgeuntersuchungen festgestellt wird, dass kein Brustkrebs vorliegt. Die Häufigkeit von falsch positiven Befunden hängt von der Qualität der Untersuchung und vorm Erkrankungsrisiko ab, weshalb es bei den Programmen zur Brustkrebsfrüherkennung auch klare Qualitätsstandards und Altersgrenzen gibt. Dennoch gibt Sprenger zu bedenken, dass „die Wahrscheinlichkeit eines falsch positiven Befundes bei Frauen unter 40 weit höher ist als bei den 50- bis 70-Jährigen. Letztere haben nämlich ein circa sechsfach erhöhtes Erkrankungsrisiko.“ Ein weiteres Problem sind Überdiagnosen und in der Folge unnötige Behandlungen: So bekommen Frauen zwar einen richtig positiven Befund, haben also tatsächlich Brustkrebs, der entdeckte Tumor hätte ihnen im Laufe ihres restlichen Lebens jedoch keine Probleme bereitet. Der Gesundheitswissenschafter rät daher gesunden Frauen, sich beim Arzt des Vertrauens über die geltenden Empfehlungen bei der Brustkrebsfrüherkennung zu informieren (Gleiches gilt übrigens für die Früherkennung von Gebärmutterhaltkrebs – siehe „Vorsorge vom Baby bis zum Greis“). Sprenger: „Suchen Sie unabhängige Informationen zum potenziellen Nutzen, aber auch Schaden dieser Untersuchungen. Andere ‚Spielregeln’ gelten für Personen, die erblich vorbelastet sind und damit ein höheres Risiko aufweisen. Und selbstverständlich sollten Personen, die unter spezifischen Beschwerden und Symptomen leiden, diese abklären lassen.“ Kurz: Der mündige Patient ist gefragt wie nie.

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