Geschwister

Stein des Anstoßes dürfte ein altes, halbkaputtes Auto gewesen sein, das zwar schon seit Monaten unbeachtet in einer Kiste verstaubte, nun aber umso heftiger umkämpft wird. Während das Auto nun achtlos auf dem Teppich liegt, wälzen sich die Geschwister weiter auf dem Boden herum, beide mit hochroten Köpfen, dazu schimpfend und fluchend.

Die eben geschilderte Szene kommt Eltern mit Geschwisterkindern vermutlich bekannt vor. Wie häufig muss man erleben, dass sich die geliebten Kinder, mit denen man doch in Frieden leben möchte, scheinbar grundlos oder wegen Kleinigkeiten erbitterte Kämpfe liefern. Mal ist es die Schwester, die die andere „so komisch angeschaut“ hat, mal der Bruder, der „absichtlich immer so lange am Klo sitzt“. Dass sich Geschwister streiten scheint in der Tat keine Ausnahme, sondern eher die Norm zu sein. Der Psychoanalytiker Horst Petri geht sogar so weit zu behaupten, dass das Auftreten von Neid, Rivalität und Hass zwischen Geschwistern nicht nur unvermeidbar, sondern sogar notwendig ist, weil sie hier am offensten und geschütztesten ausgetragen werden können. Die Kinder einer Familie bauen füreinander sozusagen eine „soziale Werkstatt“, in der sie einen reiferen Umgang mit Konflikten erproben können, was wiederum für spätere Beziehungen von Vorteil ist. In diesem Sinne kann also durchaus behauptet werden, dass der Geschwisterstreit auch seine positiven Seiten hat, indem er Kompetenz und Kreativität fördert.

Die Bezeichnung „Rivale“ leitet sich übrigens von der lateinischen Wortwurzel für „Fluss“ her und meint genau das: den an der Nutzung eines Wasserlaufs Mitberechtigten. Die Rivalität von Kindern um die Gunst der Eltern entsteht, weil jedes Kind sich an diese Quelle klammert und sie aus Angst, gar nichts mehr zu haben, wenn es auch nur einen kleinen Teil davon preisgibt, ganz für sich alleine haben will. Hinter all den großen und kleinen Geschwisterstreitigkeiten geht es also meistens um die Liebe und Aufmerksamkeit der Eltern bzw. um die Angst, nicht genug geliebt zu werden.

Konfliktmanagement für Eltern oder wie verhalte ich mich, wenn meine Kinder wieder einmal streiten?
Im Umgang mit Geschwisterstreitigkeiten werden Eltern immer wieder in die ungute Rolle des Schiedsrichters gedrängt und sollen festsetzen wer im Recht ist, wer angefangen hat usw. Diese Aufgabe zufriedenstellend zu erfüllen ist praktisch unmöglich, da die gesamte Tragweite der geschwisterlichen Reibereien vom außenstehenden Elternteil nicht erfasst werden kann. Es sind immer nur kleine Ausschnitte, die beobachtet werden können oder berichtet werden. Wem auch immer Eltern Recht geben, ein Kind wird sich zurückgesetzt fühlen und es wahrscheinlich auch tatsächlich sein. „Raushalten oder einmischen?“ wird so zur Kardinalsfrage. Hilfen gibt es freilich, die stressgeplagten Eltern auf ihrem Weg mitgegeben werden können:

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