„Genuss ist ein Grund­bedürfnis“

Es scheint nichts zu geben, was Elisabeth Engstler nicht kann: In ihrer mittlerweile rund 30-jährigen ORF-Karriere hat die gebürtige Kärntnerin bereits Musiksendungen („Wurlitzer“), Hauptabendshows („Happy End“), Nachmittagsmagazine („Willkommen Österreich“)  und Vorabendsendereihen („Sommerzeit“) moderiert. Seit Jänner diesen Jahres stellt sich Engstler einer neuen Herausforderung – und macht zugleich eine kleine Reise in die Vergangenheit: Sie ist die neue Moderatorin der ORF-Kochsendung „Frisch gekocht“, die sie 1999 mit aus der Taufe gehoben hat. Und man merkt Engstler an, dass sie in ihrem Element ist. Als sei sie nie weg gewesen, moderiert die ausgebildete Sängerin die Sendung quirlig und mit viel Witz und zaubert an der Seite eines monatlich wechselnden Spitzenkochs unkomplizierte und alltagstaugliche Gerichte auf den Teller. Vor allem aber ist eins nicht zu übersehen: Engstler ist eine Hobbyköchin aus Leidenschaft.

Auch beim Gespräch mit GESÜNDER LEBEN ist Engstler bester Laune. Sympathisch und frei von der Leber weg spricht der ORF-Star über ihre neue „alte“ Sendung, gesunde Ernährung und natürlich ihre ganz große Leidenschaft: das Kochen. Und das Essen.

GESÜNDER LEBEN: Sie moderieren seit Jänner erneut „Frisch gekocht“. Fühlen Sie sich so, als seien Sie nach Hause zurückgekehrt?
Elisabeth Engstler: Ursprünglich dachte ich das tatsächlich. Was das Team angeht, ist es auch ein Gefühl des Heimkehrens, denn einige Crewmitglieder sind immer noch dieselben. Das ist ein tolles Gefühl. Gleichzeitig aber ist es ein ganz anderer Job als damals, da ich diesmal nicht nur moderiere, sondern auch vor den Kameras koche. Das ist eine vollkommen neue Erfahrung und eine besondere Herausforderung für mich. Eigentlich mache ich zwei Jobs gleichzeitig: moderieren und kochen.

GL: Sind Sie nervös, wenn Sie vor laufenden Kameras kochen müssen?
Engstler: Nervös ist das falsche Wort, aber es ist schon so, dass ich zu Hause einen Tick anders koche als im TV-Studio. In meiner privaten Küche geht alles schnell, leicht und gewohnt von der Hand. Da bin ich sehr routiniert. Vor Kameras zu kochen ist doch etwas anderes. Da überlegt man sich zum Beispiel schon mal, ob man dieses Lebensmittel nun mit der bloßen Hand angreifen darf oder nicht. (lacht)

GL: Sie kochen also auch privat gerne?
Engstler: Und ob! Ich bin leidenschaftliche Hobbyköchin! Ich koche deswegen so gerne, weil ich gerne esse. Das ist meine große Motivation, warum ich zum Kochlöffel greife. Zudem ernähre ich mich automatisch gesünder und ausgewogener, wenn ich selbst koche. Ich koche immer das, worauf mein Körper gerade Lust hat und was er braucht. Das ist für mich ein sehr wichtiger Punkt. Das war zwar ein Entwicklungsprozess, aber mittlerweile bin ich sehr gut darin, auf meinen Körper zu hören. Ich merke zum Beispiel auch immer wieder, dass mir etwas gar nicht so sehr schmeckt, wenn mein Körper gerade nicht so sehr danach verlangt. Der zweite große Vorteil des Selbst-Kochens ist natürlich, dass man genau weiß, was drin ist. Ich achte sehr darauf, dass die Zutaten Bioprodukte, frisch, regional und, so weit es geht, saisonal sind.

GL: Das ist eine ganze Menge an Pluspunkten für das Selberkochen …
Engstler: Ich habe noch einen Punkt: Wenn ich selbst koche, funktioniert mein Verdauungsapparat um einiges besser. Durch die Gerüche und das Hantieren mit den Lebensmitteln beim Kochen bereitet sich der Körper schon optimaler auf das Essen vor. Das ist zumindest meine Theorie! (lacht) Ich vertrage das Essen einfach besser, wenn ich es selbst koche.

GL: Also keine Fertigprodukte oder Junkfood im Hause Engstler?
Engstler: Jein. Wenn mein Körper nach einem Hamburger oder Ähnlichem schreit, dann esse ich ihn auch. Das kommt aber selten vor. Wenn ich mir etwas verbiete, schlägt sich das auf meine Laune und eine Woche später esse ich fünf Portionen davon. Ich könnte zum Beispiel niemals auf Schokolade verzichten. Ich sage immer: Der goldene Mittelweg ist wichtig. Fertigprodukte kaufe ich aber nur selten.

GL: Sind Sie eine aufmerksame Lebensmittel-Einkäuferin?
Engstler: Auf jeden Fall. Ich bin im Laufe der Jahre zu einem Lebens­mittel-Detektiv geworden! (lacht) Ich kaufe keine Lebensmittel mit Geschmacksverstärker, Farbstoffen oder Konservierungsmitteln. Sogar meine 12-jährige Tochter achtet schon auf diese Dinge. Es ist sehr interessant, welche Zusätze man überall findet, wenn man nur darauf achtet.

GL: Diäten sind aber nicht Ihre Sache?
Engstler: Ich habe große Hochachtung vor stark übergewichtigen Menschen – und ich rede nicht von lächerlichen fünf Kilogramm zu viel –, die eine komplette Ernährungsumstellung schaffen und somit tatsächlich abnehmen. Das ist mindestens so schwierig wie mit dem Rauchen aufzuhören. Wenn es für die Gesundheit wichtig ist, finde ich gesunde Diäten sinnvoll. Von radikalen und haarsträubenden Diäten, von denen man oft liest, halte ich aber wenig. Ich habe sie als Teenager zum Teil ausprobiert und sie haben alle nicht geholfen. Damals bin ich draufgekommen: Ich bin kein Frust-, sondern ein Lustesser. Und diese Lust behalte ich mir auch. Dazu gehört zum Beispiel, dass mein Essen schön angerichtet sein muss.

GL: In Ihrer TV-Küche ist an der Wand der Spruch „Essen ist ein Bedürfnis, Genießen ist eine Kunst“ geschrieben. Trifft das auch auf Sie zu?
Engstler: Ja, aber ich erweitere den Spruch noch: Für mich ist Essen IMMER ein Genuss. Und der Genuss ist mein Grundbedürfnis. Ich kann beispielsweise nicht im Stehen oder zwischendurch essen. Da krieg ich nichts runter. Ich nehme mir bewusst Zeit fürs Essen. Ich kann auch nicht mit Menschen zusammen essen, die mir nicht sympathisch sind. Miteinander essen und miteinander kochen ist für mich eine sehr intime Angelegenheit.

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