Gemeinsam Erziehen: Was Kinder brauchen

Nachdem die Partner bereits in die Geburtsvorbereitung und –begleitung erfolgreich eingeführt wurden, stellt sich nun die Frage, wie man die Väter in die Betreuung der Kinder miteinbeziehen kann.

Schon während der Schwangerschaft sollte der Partner auf die Bedürfnisse der Partnerin sensibilisiert werden. Dies stellt jetzt, wo die neue Familie zu Hause ist, die Basis für eine adäquate Unterstützung der Mutter durch den Vater dar. Defizite kann es aber sicherlich in der Sicherheit bei der Betreuung des Neugeborenen geben. So wird zum Beispiel die Mutter bereits in der Geburtsklinik von erfahrenen Kinderschwestern in der Pflege und im Umgang mit ihrem Baby eingeschult. Während dieser ersten Zeit, in der sie die ersten Schritte zur Sicherheit erlernt, fehlt allerdings großteils der Vater. Auch nach den meist gemeinsam erlebten ersten Tagen daheim, bleibt in der Regel die Mutter zumindest das erste Jahr beim Kind daheim. So verbringt die Mutter ungleich mehr Zeit mit dem Säugling als der Vater und erwirbt große Kompetenz in der Betreuung und Pflege des Kindes.

Genau diese Erfahrung die notwendig ist, um den Alltag mit dem Kind zu meistern, lässt viele Väter in ihren Bemühungen inkompetent erscheinen, was bei Beobachtungen durch die Mütter meist dazu führt, dass die „Expertinnen“ zur Tat schreiten und die Betreuung lieber wieder in ihre bewährten Hände nehmen. Wenn dieser Mechanismus erst einmal einige Male funktioniert hat, lernt nicht nur der Vater, sondern auch das Baby wer die besseren Strategien im Umgang mit dem Kind hat. Der so erzielte Lerneffekt würde bedeuten, dass sich das Kind nur mehr von der Mutter beruhigen lässt, und der Vater erfolglos und frustriert die Segel der Kinderbetreuung streicht.

Der Vater ist vom Anfang an wichtig

Bereits in der Geburtsklinik ist es möglich, dass sich der Vater von der Kinderschwester die ersten Handgriffe der Kinderpflege zeigen lässt. Auch daheim gibt es – sieht man vom Stillen ab – keine Tätigkeit, die nicht auch der Vater ausführen könnte. Allerdings wird sein Umgang mit dem Kind wahrscheinlich etwas anders sein, als der der Mutter. Wenn abwechselnd beide Elternteile die tägliche Betreuung ihres Kindes übernehmen, teilen sie sich auch zunehmend die Expertenrolle. Vater und Mutter verfügen über unterschiedliche erzieherische Talente, die entdeckt werden müssen um später zur gegenseitigen Entlastung genützt werden zu können.

Versuchen Sie Zuständigkeiten zu schaffen, die Ihren jeweiligen Stärken entgegen kommen, denn die Betreuung Ihres Kindes sollte nicht nur anstrengend sein, sondern vorrangig auch Freude machen. Wenn Väter einen größeren Anteil am Leben ihrer Kinder nehmen – füttern, Windeln wechseln, trösten und umarmen – dann müssen sie ihren eigenen Weg im Umgang mit ihrem Kind finden und das ist auch gut so. Väter, die einen Monat oder länger zu Hause waren erkennen wie anstrengend Kinderbetreuung sein kann, sie entwickeln daher auch mehr Verständnis für ihre Partnerinnen und werden aus einem ganz anderen Selbstverständnis heraus mithelfen.

Neuere psychologische Forschungen zeigen, dass ein Kleinkind sehr früh schon die Fähigkeit entwickelt sich gefühlsmäßig an mindestens zwei Menschen eng zu binden. Eine wichtige Entdeckung war auch, dass es nicht immer der Elternteil der die meiste Zeit mit den Kinder verbringt sein muss, der auch den engsten seelischen Kontakt zu ihm hat.

Es liegt uns fern, dass Elternsein oder das Leben zusammen mit Kindern zu idealisieren. Neben den guten Seiten gibt es auch Einschränkungen, die für jeden klar erkennbar sind. Das Leben mit Kindern bedeutet eine allmähliche Gewöhnung an Nähe, Abhängigkeit und Verbindung, auch insoweit, als Sie mit Ihrer eigenen frühesten Geschichte und Ihrem inneren Kind konfrontiert werden. Eltern sollen miteinander reden, ihre Erziehungsansichten austauschen und ihren Erziehungsstil aufeinander abstimmen. Sind Sie sich in grundsätzlichen Dingen einig, können Sie leichter die Signale des Kindes erkennen und richtig darauf reagieren. Sie werden in Ihrem Erziehungsverhalten sicherer.

Autor: Dr. Felix Steiner

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