Freunde: Qualität vor Quantität

Vertrauen, Nähe, gemeinsame Aktivitäten – das macht für Jugendliche eine Freundschaft aus. Dabei bestehen Unterschiede zwischen Mädchen- und Burschenfreundschaften. „Freundinnen gehen mehr aufeinander ein, während Freunde ihre Beziehung überwiegend auf gemeinsam Erlebtem oder Aktivitäten wie Sport aufbauen“, erklärt der Medienpädagoge Univ.-Prof. Christian Swertz. „Das Schließen von Freundschaften ist eine wesentliche Entwicklungsaufgabe des Jugendalters. Damit verbunden ist die Ablösung vom Elternhaus“, so Swertz weiter. Im Jugendalter wird der Einfluss gleichaltriger FreundInnen, der Peers, stärker. Ob Outfit, Musikgeschmack oder Hobbys: Dieselben Interessen und ein ähnliches Erscheinungsbild stärken die Zugehörigkeit zur Gruppe. „Die Akzeptanz der Clique ist für Jugendliche sehr wichtig“, betont Stefan Kühne, Leiter der wienXtra-jugendinfo. Trotzdem die eigene Individualität zu behalten, ist ein großer Schritt in der Entwicklung.

Ersatz oder Ergänzung? Der Gruppendruck, wie er im „real life“ besteht, setzt sich auch in der virtuellen Welt fort. „Ist die ganze Klasse in einer Facebook-Gruppe vertreten, gilt man als Außenseiter, wenn man es nicht ist“, so Kühne. „Die neuen Kommunikationskanäle ersetzen reale Freundschaften nicht, sondern ergänzen diese. Allerdings trägt die große Auswahl an ,Communities‘ zur Unverbindlichkeit bei“, betont Swertz. „Freunde“ kickt man genauso schnell wieder hinaus, wie man sie bestätigt.

Auch in virtuellen Netzwerken zeigen sich Geschlechterunterschiede. Laut Studien nutzen Userinnen soziale Netzwerke häufiger als ihre männlichen Kollegen und sind vorrangig am Austausch von Erlebnissen und Gefühlen interessiert. Männliche Jugendliche sehen das Social Web als Plattform, um sich selbst darzustellen.

„Soziale Netzwerke wie Facebook ersetzen reale Freundschaften nicht, sondern ergänzen diese.“
Univ.-Prof. Christian Swertz, Leiter Medienpädagogik Universität Wien

Autor: Christina Dirnbacher

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