Fit und gesund trotz Stress

Steht der Organismus unter Anspannung, schickt er verschiedenste Warnsignale aus allen Ecken des Körpers: Der eine reagiert auf Belastung mit Magenschmerzen, der andere bekommt plötzlich Stresspickel. Auch Tinnitus kann ein Zeichen dafür sein, dass der Druck zu viel wird. Dr. Barbara Stadler, Allgemein- und Ernährungsmedizinerin in Wien-Währing, erklärt, welche Botschaft hinter den einzelnen Symptomen steckt und wie man Abhilfe schaffen kann.

Warnsignal: Infektionen. Erkältungs- und Herpesviren haben in emotionalen Tiefdruckphasen leichtes Spiel:  „Stress setzt das Abwehrsystem im Körper auf Sparflamme. Die Zahl der Immunzellen sinkt, die Aktivität der Killerzellen bei Keimangriffen wird gebremst“, so Stadler. So können Viren und andere Erreger im Körper leichter ausschwärmen und sich vermehren. Sogar Impfungen schlagen bei gestressten Menschen schlechter an: Es bilden sich deutlich weniger spezifische Antikörpern zur gezielten Abwehr.
Abwehrstrategie: Einige Lebensmittel und Nahrungsergänzungsstoffe haben die Eigenschaft, die negativen Folgen von Stress zu mildern. Laboruntersuchungen können Mankos wie Vitaminmangel aufdecken, die dann gezielt behandelt werden können. Stadler: „Vor allem Vitamin D ist derzeit als generelles Schutz- und Anti-Aging-Vitamin im Gespräch. Studien belegen, dass Vitamin D als natürlicher Gegenspieler zum Stresshormon Cortisol fungiert.“ Daher kann die Einnahme von Vitamin-D-Präparaten eine sinnvolle Maßnahme darstellen, um Stressauswirkungen zu mildern: „Ich empfehle allerdings, in Absprache mit einem Arzt den Vitamin-D- und Kalzium-Spiegel bestimmen zu lassen.“ Abhängig vom Ergebnis kann der Arzt dann das ideale Präparat vorschlagen. Für den Antistress-Mineralstoff Magnesium gilt Ähnliches: „Wer Magnesium-Tabletten nimmt, sollte durch die jährliche Vorsorgeuntersuchung sicher stellen, dass die Nieren gut funktionieren – sie scheiden überschüssige Mineralstoffe wieder aus, wenn sie vom Körper gerade nicht gebraucht werden.“

Warnsignal: Magen-Darm-Probleme. Ein Bewerbungsgespräch steht an, ein Abgabetermin rückt näher oder der Chef hat schon wieder schlechte Laune: Und schon grummelt es im Bauch. Der eine reagiert mit leichter Übelkeit auf solche Stresssituationen, der andere könnte pausenlos Richtung Toilette laufen. Fest steht: Zwischen Gehirn und Verdauungsorganen gibt es einen heißen Draht. Im Magen-Darm-Trakt sitzen hundert Millionen Nervenzellen, das sind so viele wie im Rückenmark. In einer milden Form löst Stress Bauchdrücken und Übelkeit aus, im Extremfall will der Körper die Nahrungsreste schnellstmöglich loswerden – durch Erbrechen oder Durchfall. Stress kann auf Dauer auch den Schließmuskel zwischen Speiseröhre und Magen schwächen. Dann gelangt Magensäure in die Speiseröhre bis hinauf zum Kehlkopf und den Stimmritzen. „Die Symptome dieses Refluxes sind unterschiedlich: zum Beispiel häufiges Sodbrennen, Heiserkeit, wiederkehrende Halsschmerzen, ein Globusgefühl im Hals und sogar hartnäckige Hustenattacken“, erklärt die Medizinerin.
Abwehrstrategie: „Magenübersäuerung und Reflux werden durch Übergewicht, eine ständig erhöhte Kalorienzufuhr und falsche Lebensmittel gefördert,“ sagt Stadler. So mindern fette und zuckerhaltige Speisen die Schließkraft des Muskels zwischen Magen und Speiseröhre um bis zu 30 Prozent. Eiweißreiche Lebensmittel wie Milch und Fleisch regen die Säureproduktion an, insbesondere wenn zugleich zu wenig kohlenhydrat- und ballaststoffreiche Lebensmittel verzehrt werden. Auch kohlensäurehaltige Getränke fördern das Aufstoßen und den Rückfluss von saurem Mageninhalt in die Speiseröhre. Bei häufigem Durchfall und Reizdarmsymptomatik sollte man eine Ernährungsberatung in Anspruch nehmen und bei Bedarf mittels Stuhlprobe die Beschaffenheit der Darmflora checken lassen: „Im Ergebnis kann man erkennen, ob man seinen Darm mit speziellen probiotischen Darmbakterien aus der Apotheke unterstützen sollte“, so die Expertin.

Warnsignal: Tinnitus. Ob Stress Tinnitus verursachen kann, ist noch nicht ganz geklärt, auch wenn Studienergebnisse dafür sprechen. Sicher ist: „Viele Menschen, die normalerweise mit leisen Ohrgeräuschen konfrontiert sind, nehmen das Pfeifen oder Rauschen unter Anspannung lauter wahr. Unbestritten ist auch, dass das Stresshormon Cortisol die sensiblen Sinneszellen im Gehör schädigen kann.“ Zudem stellen die Ohrgeräusche selbst einen eigenen Stressfaktor dar. So kann der Tinnitus den Stress weiter verstärken, weil die Aufmerksamkeit des Betroffenen stark auf die Ohrgeräusche gerichtet ist.
Abwehrstrategie: Entspannungstechniken wie Yoga, Tai-Chi und Meditation immunisieren gegen Stress und erhöhen die Belastbarkeit. Autogenes Training kann die Aufmerksamkeit von den Ohrgeräuschen weglenken. „Daher nimmt dieses Verfahren auch einen wichtigen Teil in der Tinnitus-Therapie ein“, erklärt Stadler. In akuten Fällen verordnet der HNO-Arzt meist Tabletten und Infusionen, die den Zellstoffwechsel in den Sinneszellen ankurbeln. Begleitend können komplementärmedizinische Therapien wie Mesotherapie, Osteopathie, Akupunktur und Homöopathie die Schulmedizin unterstützen.

 

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