Feuer auf meinen Lippen

Eine Herpesinfektion ist keine Kleinigkeit“, erklärt Dr. Astrid Behrens, Ärztin für Allgemeinmedizin in Wien. „Für normale, gesunde Menschen sind Fieberblasen lästig und nach zwei Wochen wieder vorbei. Ist man aber nicht immunkompetent, kann sich die Infektion weiter ausbreiten: auf die Haut, in die Nase, die Mundschleimhaut, bis ins Auge. Im schlimmsten Fall kann es zu einer Enzephalitis (Gehirnentzündung) kommen.“ Dabei werden Fieberblasen immer durch das Herpes-virus ausgelöst. Es gibt zwei Haupttypen dieses Herpes-simplex-Virus (HSV): Typ 1 verursacht vor allem Lippenbläschen, Typ 2 führt hauptsächlich zu Genitalherpes. Etwa 90 Prozent der Weltbevölkerung tragen das HSV-Virus in sich, bei 20 bis 40 Prozent bricht es tatsächlich aus. Die meisten Menschen infizieren sich schon als Kind: Rund 80 Prozent aller Zweijährigen sind bereits mit HSV-1 infiziert. Interessant ist, dass die Viren der Herpesgruppe zwar morphologisch fast ident sind, sich aber an verschiedenen Stellen des Körpers äußern. Auch das Pfeiffer-Drüsenfieber, Feuchtblattern, Gürtelrose, das Dreitagefieber bei Kindern oder Zytomegalie werden von Herpesviren ausgelöst. Besonders gefährlich ist Herpes neonatorum bei Neugeborenen: Beim Geburtsvorgang wird Herpes genitalis von der Mutter auf das Kind übertragen. Das Herpesvirus kann sich auch im Auge oder gar im Gehirn äußern. Herpes corneae, die Entzündung der Hornhaut durch HSV-1 gehört zu den häufigsten Hornhaut-Entzündungen im Erwachsenenalter. Eine Herpes-simplex-Enzephalitis, zu 95 % verursacht durch HSV-1, ist die häufigste Form einer Gehirnhautentzündung in nicht tropischen Ländern und aufgrund ihrer Schwere die häufigste tödlich verlaufende Virus-Enzephalitis.

Lebenslang im Körper
Charakteristisch für die Viren der Herpesgruppe ist, dass sie sich nach der Erstinfektion lebenslang in den Nervenknotenpunkten festsetzen. So dringt HSV-1 zumeist über die Mundschleimhaut in den Körper ein. Von dort wandert es entlang von Nervenfasern zum Ganglion trigeminale, einer Verzweigung des Gesichtsnervs. Bei Genitalherpes zieht sich HSV-2 in die Sakral-Ganglien zurück. Hat man sich einmal mit Herpes infiziert, bleibt das Virus zeitlebens in den Nervenwurzeln, mit der Bereitschaft, jederzeit wieder aktiv zu werden. Es konnte bisher noch keine Therapie gefunden werden, die das Virus aus dem Körper eliminiert. Bei Abwehrschwäche oder in Stresssituationen kommt es zu einer Reaktivierung der Infektion, sodass erneut Bläschen an den Lippen, im Mund- oder Genitalbereich auftreten können. Die erste Fieberblase kommt meistens im Teenageralter zum Vorschein.

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