Fernsehen, Computer, Shopping …

Sandra, die siebenjährige Tochter einer prominenten Schauspielerin, sagte in einer Society-Sendung, ihre Mutter habe zwar wenig Zeit für sie, aber das würde sie gar nicht stören. Sie verbringt ihre Freizeit sowieso am liebsten vor dem Fernseher. Ist diese Antwort beunruhigend? Das Kind hat doch nur gesagt, was seine Lieblingsbeschäftigung ist. Wo also liegt der Hund begraben? Sogar wir Erwachsene tun uns oft schwer zu erkennen, was eine Aussage im Fernsehen bedeutet. Für Kinder gilt das noch viel mehr. Dokusoaps berichten z.B. die Ereignisse eines Tages zusammengefasst in einer Dreiviertelstunde. Alleine durch diese Verkürzung entsteht eine Sicht, die nur eine Auswahl der Realität darstellt. Es geht also nicht ums Verbieten, sondern um einen guten Umgang mit den Medien. Ihr Kind sollte möglichst viele verschiedene Formen kennen und üben lernen, die Welt zu erfassen, zu beschreiben und zu verstehen. Moderne Medien sind dabei ein möglicher Zugang zur Welt, dürfen aber nicht der einzige bleiben. Für Sandra heißt das: sie dürfte täglich höchstens eine Stunde vor dem TV-Gerät sitzen. Sie braucht auch immer das Gespräch mit Erwachsenen, weil sie nur so das Gesehene in der Realität richtig einordnen kann. Erst ab dem 12. Lebensjahr können Kinder filmische Handlungen ähnlich wie Erwachsene verarbeiten.

Wie immer man die Medien- und Konsumwelt sieht, aus unserem Alltag ist sie nicht mehr wegzudenken. Fernsehen, Video- und Computerspiele bieten viele Chancen, zeigen Möglichkeiten auf, können lehrreich sein, unterhalten und beinhalten aber auch Gefahren. Sie sollen immer nur „Zusatzangebot“ sein, nie aber Hauptzugang des Kindes für die Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit.

Ein schwieriges Kapitel ist das Thema Gewalt im Fernsehen und in Computerspielen. Expert(inn)en sind sich nach wie vor nicht einig, ob Gewaltfilme an sich aggressiv machen und zur Nachahmung anregen oder ob aggressives Verhalten nicht vielmehr stärker von den Lebensumständen Jugendlicher abhängt. Der Dauerkonsum von Gewalt- und Horrorfilmen kann entweder überängstliches Verhalten auslösen oder im Extremfall die Gewaltbereitschaft erhöhen: Gewalt wird dann als gültiges und meist einziges Mittel zur Lösung von Konflikten gesehen.

Vorrangig ist, dass auch in der Frage Fernsehen die Eltern durch ihr Vorbild erziehen. Beobachten Sie Ihre eigenen Gewohnheiten: Bewusste Entscheidung für ein Live-Konzert aus dem Radio oder ganztägige Berieselung mit Hintergrundmusik? Konkreter Wunsch für eine bestimmte Sendung oder Zappen durch 20 Fernseh-Kanäle? Die Gutenachtgeschichte aus dem Buch oder von der Kassette? Es liegt in Ihrer Hand, welches Vorbild Sie sind.

Tipps für Eltern

  • Die Fernsehdauer soll für Kinder ab dem sechsten Jahr nicht mehr als eine Stunde täglich betragen. Zwischen dem siebenten und dem neunten Jahr dürfen es täglich höchstens 1 bis 1 1/2 Stunden sein.
  • Erstellen Sie mit Ihrem Kind gemeinsam einen Plan, wie viel, was, wann geschaut werden darf.
  • Begründen Sie, warum Sie welche Sendung sehen wollen.
  • Führen Sie eine klare Regelung ein, wann das Kinderprogramm aus- und eingeschaltet wird und wann das Programm für die Erwachsenen beginnt.
  • Führen Sie mindestens einen fernsehfreien Tag pro Woche bei Schulkindern ein.
  • Der Videorecorder kann eine gute Möglichkeit sein, beliebte und gute Sendungen zu einer besser passenden Zeit anzuschauen.
  • Sehen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind fern und sprechen Sie über das Gesehene.
  • Unmittelbar nach dem Lernen und der Hausaufgabe sollten Kinder nicht vor dem Bildschirm sitzen, sondern besser Bewegung machen, damit sich das Gelernte festigen kann.
  • Wie Forschungsergebnisse zeigen, brauchen Kinder eine Stunde bildschirm freie Zeit vor dem Schlafengehen, damit sie einen erholsamen Schlaf haben.

Geld steht nur begrenzt zur Verfügung
Neben den Medien bestimmt der Konsum heute unser tägliches Verhalten. Den Wert und die Bedeutung unserer Zahlungsmittel zu erkennen, aktiv mit ihnen umgehen zu können setzt Fähigkeiten voraus, die Kinder erst im Alter von fünf, sechs Jahren langsam zu entwickeln beginnen. Kinder müssen lernen, dass Geld nur begrenzt zur Verfügung ist, nicht beliebig vermehrt werden kann und dass es – einmal ausgegeben – unwiederbringlich weg ist. Um sich in der Welt des Konsums zurechtzufinden, brauchen Kinder glaubwürdige Vorbilder. Ihr Verhältnis zu Geld und Konsum orientiert sich weitgehend an der Art und Weise, wie Eltern damit umgehen. Wo Widersprüche unvermeidlich scheinen, müssen sie aufgeklärt werden. Ein Kind wird trotzig reagieren, dass es „die tollsten Turnschuhe der Welt“ nicht haben kann, während der Vater die teuersten Bergschuhe kauft. Da muss erklärt werden, dass der Vater diese Schuhe nun viele Jahre tragen wird, während der Sohn schon bald aus seinen Schuhen herausgewachsen ist und größere braucht. Üben Sie – so wie das Radfahren – den bewussten Umgang mit Geld. Legen Sie eine Liste an, was das Kind sich wünscht und reden Sie dann bei Anlässen wie Geburtstag oder Weihnachten mit Ihrem Kind über seine Auswahl. Reden Sie mit Ihrem Kind auch über Ihre eigenen Wünsche und auf was Sie verzichten müssen. Sie helfen Ihrem Kind freier durch das Leben zu gehen, wenn es lernt, dass es ganz normal ist, wenn nicht alle Wünsche in Erfüllung gehen. Die Wünsche dürfen ruhig ganz groß sein. Und die Erfüllung darf ruhig viel kleiner ausfallen. Auch der Ärger, der bei Nichterfüllung eintritt, ist o.k. Wichtig ist, dass Ihr Kind versteht, dass es geliebt wird, auch wenn es nicht alles bekommt, was es sich wünscht.

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