Fehler machen ist nicht schlimm

Niemand weiß genau, welche Fähigkeiten Ihr Kind haben muss, damit es seine Zukunft gut meistern kann, aber alle reden mit. Die eigenen Eltern und die Schwiegereltern, Freunde, die Geschwister, die KollegInnen am Arbeitsplatz. Auch im eigenen Kopf spielt es sich manchmal ab: Was hat mir früher gut getan? Was habe ich neulich gelesen? Was wollte ich ganz sicher anders als meine Eltern machen? Kindererziehung wird scheinbar von vielen Menschen und Ratgebern als Möglichkeit gesehen, sich und den anderen zu beweisen, dass man doch Recht hat. Oder kennen Sie wen, der gerne zugibt, auch einmal Fehler gemacht zu haben? Auch im Berufsleben gewinnen doch meistens die, die ihre Fehler gut vertuschen können oder diese womöglich wem anderen umhängen, oder …?

Kinder gehen da ganz anders mit ihren „Fehlern” um. Für die Kleinen sind Fehler ein normaler Bestandteil im ununterbrochenen Prozess des Lernens. Je größer Ihr Kind wird, umso stärker ist seine Sehnsucht nach Selbstständigkeit. Es will selber die Tür aufmachen können, es will selber mit dem Löffel essen. Und dabei ist es für Ihr Kind ganz normal, sich vielleicht einmal einen blauen Fleck zu holen oder einen Teil des Essens auf den Boden zu befördern. Für die Kleinen ist es ganz selbstverständlich, dass noch kein Meister vom Himmel gefallen ist. Und sie wiederholen die Dinge nur deshalb 37 Mal, um sicher zu gehen, dass sie diese wirklich können.
 

Für Ihr Kind ist es daher nicht verständlich, wenn Sie gleich schimpfen. Auch was richtig und falsch bzw. gut und böse ist, lernt Ihr Kind  in kleinen Schritten in dieser Entwicklungszeit.Es erkennt plötzlich, dass ein Spielzeug kaputt ist, dass z.B. der Puppe ein Arm fehlt oder das Auto ein Rad verloren hat. Sie können Ihrem Kind helfen, indem Sie ihm klar und verständlich sagen, was o.k. ist und was nicht. Ihr Kleines will die Regeln lernen, und Sie können ihm dabei helfen. Und achten Sie auch auf den Klang Ihrer Stimme – Ihr Kind verarbeitet alle Botschaften, die es von Ihnen bekommt. Ihr Kind fragt sich: „Was mag die Mama oder der Papa? Was mögen sie nicht?” Und es verbindet Regeln immer mit der anwesenden Person. Vielleicht kennen Sie die Situation, dass Ihr Kind etwas „anstellt”, während Sie nicht im Zimmer sind. Auf Ihre Frage „Warum hast Du denn das gemacht? Du weißt doch, dass Du das nicht darfst?” kommt ein erstaunter Blick und die verblüffende Antwort Ihres Kindes: „Du nicht da.” Diese Antwort ist kein Hinweis darauf, dass Ihr Kleines zum modernen Theater tendiert. Sondern es zeigt nur deutlich, dass Ihr Kind noch nicht weiß, dass diese Regel auch dann gilt, wenn die Person, die sie ausgesprochen hat, nicht im Raum ist. Ihr Kind lernt also heute eine Regel und probiert in den nächsten Wochen aus, unter welchen Bedingungen sie immer noch gilt.

Sagen Sie Ihrem Kind immer in der konkreten Situation, was es tun darf und was nicht o.k. ist. Sie setzen gewissermaßen Stoppschilder und Hinweisschilder für Ihr Kleines. Achten Sie dabei aber darauf, dass dieser Schilderwald überschaubar bleibt. Und bitte, auch wenn Ihr Kind Sie gerade sehr verärgert hat, sagen Sie nie: „Jetzt habe ich Dich nicht mehr lieb!” Nehmen Sie Ihr Kleines so an, wie es als Person ist. Das ist lebenswichtig für Ihr Kind Mit dieser grundsätzlichen Zuneigung kann Ihr Kind von Ihnen lernen und tut das auch den ganzen Tag. Dabei darf es auch erkennen, dass Sie nicht alles gut finden, was es macht. Und vielleicht lernen Sie auch mit Ihrem Kind, dass Fehler machen ein ganz normaler Schritt auf dem Weg zum Ziel ist. Fehler vertuschen bringt keine Entwicklung, weder daheim noch im Beruf. Und eine Fähigkeit wird in Zukunft sicherlich gefragt sein: das Selbstvertrauen, dass man aus seinen Fehlern lernen kann!

Tipps für Eltern

  • Es ist zwar hart, aber das wichtigste Vorbild für Ihr Kind sind Sie selber! Manche „Unarten” wird es vermutlich einmal bei Ihnen gesehen haben und nun selbst ausprobieren. Manchmal ist es daher ganz gut, sich selber bei der Nase zu nehmen und das eigene Verhalten zu überdenken.
  • Versuchen Sie immer bei einem Erziehungsstil zu bleiben. Wenn Sie einmal sehr streng und dann wieder sehr nachgiebig sind, verunsichert oder verwirrt das Ihr Kind. Es kennt sich nicht aus und es kann sich dann zurückziehen oder wird aggressiv.
  • Versuchen Sie immer wieder auf´s neue Verständnis für Ihr kleines Menschlein zu haben. Ihr Kind nimmt die Welt anders wahr als Erwachsene. Respektieren Sie seine Persönlichkeit und seine Bedürfnisse genauso, wie die von Erwachsenen, auch wenn das manchmal schwer fällt.
  • Ihr Kind gewinnt sein Selbstwertgefühl und sein Wohlbefinden durch jene Dinge, die es gut kann. Unterstützen Sie also in erster Linie die Stärken Ihres Kindes und nörgeln Sie nicht andauernd an seinen Schwächen herum. Sie schwächen dadurch nur Ihr Kind insgesamt.
  • Es steht nirgends geschrieben, dass Ihr Kind Ihnen auf der Nase herumtanzen darf. Ihr Kind wird lernen, gut mit sich selber und seinen Bedürfnissen umzugehen, wenn es sieht, dass Sie das auch bei sich selber können.
  • Wenn Sie Ihr Kind zu mehr Selbstbewusstsein erziehen, dann wundern Sie sich nicht, wenn es auch eine eigene Meinung hat.
  • Wenn Sie etwas stört, kritisieren Sie nicht Ihr Kind, sondern beschreiben Sie die Handlungen, die es nicht tun soll. Sagen Sie z.B.: „Es ist schade, dass der schöne Becher jetzt kaputt ist” und nicht „Du bist ungeschickt und dumm.”
  • Sie können nicht geduldig erziehen, wenn Sie sich nicht immer wieder auch erholen können und etwas für sich selber tun. Nehmen Sie sich immer wieder Auszeiten, um selber Kräfte tanken zu können. Ihrem Kind kann es nur gut gehen, wenn es auch Ihnen gut geht!
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