Hoppla, ich bin schwanger – Faszination Schwangerschaft 6. – 9. Monat

Im sechsten Monat nimmt das Ungeborene stark an Größe und Gewicht zu. Die Gehirnzellen reifen und das Baby ist in der Lage sich zu erinnern und zu lernen. Der Gehörsinn ist so weit ausgebildet, dass es zwischen vertrauten Stimmen – jene von Mutter und Vater – und fremden Stimmen unterscheiden kann und sich durch ruhige Musik beruhigen lässt. Der letzte große organische Wachstumsprozess betrifft die Lunge, die sich in diesen Wochen stark entwickelt und ausdifferenziert. Das Kind beginnt, seine Atemmuskeln zu trainieren, es kann bereits husten und Schluckauf bekommen. Die unwillkürliche Atmung setzt ein. Das Baby bewegt sich weiterhin rege, wenngleich es langsam im Mutterleib beengt ist. Im Falle einer Frühgeburt ist das Kind mit einem Geburtsgewicht von rund 500 Gramm, was etwa der 25. bis 26. Schwangerschaftswoche entspricht, mit Hilfe medizinischer Technik überlebensfähig. Gegen Ende des sechsten Monats wiegt das Ungeborene bereits einen Kilo und ist etwa dreißig Zentimeter groß.

In dieser Phase der Schwangerschaft fühlen sich viele Mütter noch sehr fit und unternehmungslustig. Doch Stress und Überanstrengung können sich genauso negativ auf das Kind auswirken wie seelische Unausgeglichenheit und Anspannung.

Achten Sie auf Ihre Bedürfnisse und hören Sie auf Ihre inneren Signale. Gewöhnen Sie sich jetzt schon ab, „funktionieren“ zu müssen, perfekt sein zu wollen. Überdenken Sie gemeinsam mit Ihrem Partner die Erwartungen, die Sie an sich selbst und den anderen richten. Versuchen Sie Vorhaben zu gewichten und lernen Sie Aufgaben und Pflichten zu delegieren. Verwöhnen Sie sich und lassen Sie sich verwöhnen. Sammeln Sie jetzt schon Energie für die anstrengende Zeit nach der Geburt. Mit einer gelassenen Einstellung und herabgesetzten Erwartungen schaffen Sie die besten Voraussetzungen für eine angenehme und komplikationslose Schwangerschaft.

Im siebenten Monat ist das Ungeborene bereits deutlich beengt im Bauch der Mutter, macht sich jedoch umso nachdrücklicher durch seine Bewegungen bemerkbar. Es öffnet ab und zu die Augen und zeigt bereits deutliche musikalische Vorlieben. So wie es entspannt oder sogar fröhlich auf die vertrauten Elternstimmen reagiert, erlebt es Unbehagen bei unangenehmen Tönen wie Straßenlärm oder „babyfeindlicher“ Musik und kann durch verstärkte Bewegungen bereits deutlich seinen Unmut darüber äußern. Das Baby beginnt nun seine Körpertemperatur selbst zu regulieren, im Fall einer Frühgeburt hätte es jetzt bereits ausgezeichnete Überlebenschancen. Es ist jetzt über dreißig Zentimeter groß und wiegt etwa eineinhalb Kilo.

Die jetzt auch äußerlich deutlich erkennbare Schwangerschaft bringt ein entsprechendes Verhalten der Umwelt mit sich: die umgebenden Personen nehmen verstärkt Rücksicht auf die Schwangere und versuchen sie zu schonen, sie nicht übermäßig zu belasten. Viele Mütter empfinden es als angenehm eine solche Sonderposition einzunehmen, anderen wieder wird dadurch das Gefühl gegeben, Schwangerschaft werde von der Umwelt als Krankheit wahrgenommen und nicht als natürliche Entwicklung.

Nun werden von den werdenden Eltern auch intensiver äußere Vorbereitungen getroffen: Möbel, Hygieneartikel, Babykleidung werden eingekauft, um für das erwartete Kind ein „Nest“ bereit zu machen. Der erwachende „Nestbautrieb“ ist keineswegs nur sachliche Vorsorge, sondern lebendiger Ausdruck der Liebe und ungeduldiger Erwartung.

Dass sich das Baby im Mutterleib jetzt so richtig breit macht, verursacht der werdenden Mutter eine Reihe von körperlichen Beschwerden wie Rückenschmerzen, schwere Beine oder Kurzatmigkeit.

Viele Mütter leiden in dieser Zeit unter Schlafschwierigkeiten und beunruhigenden Träumen. In solchen Angstträumen, die das Kind betreffen, werden aufgestaute, unverarbeitete Ängste aufgelöst, das Unterbewusstsein reinigt sich sozusagen selbst. Sprechen Sie diese Träume gegenüber Ihrem Partner oder anderen Vertrauten an, suchen Sie Entlastung im Gespräch mit anderen werdenden Müttern.
Gedanken über die immer näher rückende Geburt sind nun bei fast allen Eltern Gesprächsthemen. Die Befürchtungen der Mutter, bei der Geburt die Kontrolle über ihren Körper und ihre Emotionen zu verlieren, die Frage, wie der Partner eine Hilfe sein kann, aber auch die Angst vieler Väter, mit der eigenen Hilflosigkeit und den Schmerzen der Partnerin nicht umgehen zu können, beschäftigen alle Eltern in diesem letzten Schwangerschaftsdrittel verstärkt.

Respektieren Sie die Sorgen und Ängste Ihres Partners und helfen Sie sich gegenseitig, diese Gefühle und Gedanken zuzulassen und auszusprechen. Auch der Austausch mit anderen werdenden Eltern im Rahmen von Geburtsvorbereitungskursen oder Elternschulen können hilfreich und angstlösend sein.

Durch den wachsenden Bauchumfang der Frau und die damit verbundenen Veränderungen im Sexualleben kommt es bei vielen Paaren zu einem Wiederaufflammen der Ängste, dem Kind beim Geschlechtsverkehr Schaden zuzufügen. Aus medizinischer Sicht spricht bei einer komplikationslosen Schwangerschaft nichts gegen ein ausgeprägtes Sexualleben bis etwa zwei Wochen vor dem Geburtstermin. Im Falle einer „Risikoschwangerschaft“ – etwa bei einer drohenden Fehlgeburt oder bei vorzeitigen Wehen – sind solche Fragen am besten gemeinsam mit dem betreuenden Gynäkologen zu besprechen.

Im achten Monat ist das Ungeborene bereits vollständig entwickelt, es nützt jetzt die verbleibende Zeit um zu reifen und an Gewicht zuzunehmen. Auch das Kind bereitet sich auf die bevorstehende Geburt vor: Es vollzieht Atembewegungen, trinkt Fruchtwasser und scheidet es wieder aus, lutscht Daumen und entwickelt so den für die Nahrungsaufnahme wichtigen Saugreflex. Es legt deutlich an Muskel- und Fettgewebe zu, um für den Temperaturwechsel bei der Geburt vorbereitet zu sein. Am Ende des achten Monats wiegt das Ungeborene etwa zwei Kilo und ist rund vierzig Zentimeter groß.

Alle Frauen beschäftigen sich in dieser Zeit intensiv mit ihren Vorstellungen über den Geburtsvorgang und damit verbundenen Ängsten vor Schmerzen und möglichen Komplikationen. Auch der Gedanke, ob der Vater oder eine andere vertraute Person (etwa eine gute Freundin oder die eigene Schwester) bei der Geburt dabei sein soll, ist jetzt Thema. Sie fragen sich „Wie schlimm werden die Schmerzen bei der Geburt wirklich sein?“, „Wird es Komplikationen geben?“, „Wie wird der Vater die Geburt überstehen?“. Diese und andere Fragen sind ganz normal, stellt doch die Geburt eine Ausnahmesituation dar, auf die man sich zwar bestmöglich vorbereiten kann, dennoch bleibt noch ein Rest Ungewissheit. Viele Bedenken lassen sich am besten im Gespräch mit dem Arzt, der Hebamme, einem Psychologen oder anderen werdenden Eltern entkräften. Die Entscheidung, ob bei der Entbindung der Partner/eine Vertrauensperson dabei sein soll ist individuell und liegt bei der Frau. Jede Frau soll für sich entscheiden ob sie diese Möglichkeit wählen möchte oder nicht.

Lassen Sie sich dabei nicht von einem gesellschaftlichen Zwang unter Druck setzen. Überlegen Sie für sich und tauschen Sie sich mit dem Partner/der Vertrauensperson darüber aus. Respektieren Sie auch die Ängste des Partners, nehmen Sie seine Bedenken wahr. Manche Eltern überlegen auch die Zeit der Entbindung, die unter Umständen lange dauern kann, in Phasen einzuteilen, in denen die Frau durch den Partner/die Vertrauensperson unterstützt werden und in andere, in denen sie alleine sein möchte.

Zu dieser Frage muss jede Frau ihre ganz persönliche Entscheidung treffen, da für jeden andere Bedürfnisse und Sorgen im Vordergrund stehen.
Informieren Sie sich über die verschiedenen angebotenen Entbindungsmethoden (ambulante Geburt, Klinikgeburt, Hausgeburt) und versuchen Sie gemeinsam mit Ihrem Partner die Aspekte von Sicherheit bzw. Natürlichkeit zu diskutieren und gegeneinander abzuwägen. Nutzen Sie auch die Möglichkeit, dahingehend mit einer Hebamme zu sprechen. Informieren Sie sich über die Möglichkeiten der Schmerzlinderung, ohne sich schon vorher festzulegen. Besuchen Sie gemeinsam mit dem Partner den Kreissaal und machen Sie sich mit den verschiedenen Hilfsmittel für die Entbindung vertraut, wie etwa Gebärhocker, Sprossenwand, Badewanne, Roma-Rad etc. Diese Hilfsmittel sollen der Frau die Geburt erleichtern und sind in unterschiedlichen Phasen der Entbindung hilfreich. Von jeder Frau wird jedoch eine andere Art des Gebärens als angenehm empfunden. Versuchen Sie sich nicht selbst unter Druck zu setzen: Wie schließlich die Geburt stattfindet und welche Art Ihnen dann am angenehmsten sein wird, lässt sich nicht vorausplanen. Rechtzeitige Information und offene Gespräche lassen Sie gut vorbereitet sein: Versuchen Sie sich jedoch eine gewisse Gelassenheit und auch Neugierde zu bewahren.

Im neunten Monat ist die Bewegungsfreiheit des Ungeborenen schon sehr eingeschränkt. Die Lunge vollendet ihre Entwicklung, um für den ersten Atemzug gerüstet zu sein. Das Baby verliert seinen Körperflaum und hat an Gewicht und Größe noch einmal deutlich zugenommen: Es wiegt nun zwischen drei und vier Kilo und misst etwa fünfzig Zentimeter. Fast alle Babys haben jetzt die Schädellage eingenommen und sind bereit auf die Welt zu kommen.

Der letzte Schwangerschaftsmonat ist für die meisten Mütter sehr anstrengend. Sie leiden erheblich unter der eingeschränkten Mobilität; der große schwere Bauch lässt den Rücken schmerzen und macht das Sitzen, Liegen und Gehen beschwerlich. Die Ängste vor den Entbindungsschmerzen weichen gegen Ende dem sehnlichen Wunsch nach der Geburt und einem Ende der körperlichen Eingeschränktheit. In den letzten Wochen vor der Entbindung sind viele Mütter nervös und unruhig, aus Sorge, dass das Kind zu früh auf die Welt oder sie zu spät in die Klinik kommen könnten. Die Gedanken der Eltern drehen sich ständig um die Geburt. „Was soll in diesen letzten Wochen noch erledigt werden?“, „Wie werde ich wissen wann es losgeht?“, „Wie kann mich mein Partner während der Geburt unterstützen?“.

Versuchen Sie sich in diesen letzten Wochen und Tagen auszuruhen, sich zu entspannen und Kraft zu sammeln für die bevorstehenden Entbindung und die neuen Aufgaben als Mutter und Vater.

Wiederholen Sie gemeinsam in Ruhe die erlernten Übungen aus den Vorbereitungskursen. Vergessen Sie nicht darauf sich auch hin und wieder abzulenken und rauszugehen, unternehmen Sie etwas zu zweit und mit Freunden.

Gedanken über körperliche Veränderungen nach der Geburt, die Frage „Wie werde ich danach aussehen?“ und „Werde ich meine alte Figur jemals wiedererlangen?“ beschäftigen beinahe alle Frauen. Erfahrungsaustausch mit anderen Müttern und offene Gespräche zwischen den Partnern erleichtern den Frauen die Akzeptanz der veränderten Weiblichkeit. Das Wissen anderer Mütter, dass es gewisse Zeit brauchen wird, bis man zu seiner ursprünglichen Figur zurück gelangt, kann für manche Frauen entlastend sein. Bedenken sie, dass in der ersten Zeit mit ihrem Kind anderes Vorrang hat, nämlich sich aufeinander einzustellen, einzustimmen und eine Beziehung aufzubauen. Für viele Frauen nehmen dann, wenn das Kind endlich auf der Welt ist, die Probleme mit der eigenen Figur eine weniger wichtige Stellung ein.

Auch die Gestaltung der ersten gemeinsamen Zeit mit dem Kind sollten Sie jetzt schon überdenken. Überlegen Sie, wer welche Aufgaben und Erledigungen übernehmen kann, planen Sie gemeinsam mit ihrem Partner konkret die ersten Tage zu Hause mit dem Kind.
Vielleicht kann sich der Vater ein paar Tage Urlaub nehmen, möglicherweise stehen Großeltern zur als entlastende Ressource zur Verfügung. Organisieren Sie sich bereits jetzt Unterstützungsangebote von Verwandten oder Freunden und lernen Sie deren Hilfe anzunehmen.
Insbesondere bei Erstgebärenden besteht eine große Unsicherheit und wenig Vertrauen was den eigenen „richtigen“ Umgang mit ihrem Kind betrifft. Viele werdende Mütter stellen sich Fragen wie „Werde ich mein Kind stillen können?“, „Wie werde ich es baden und pflegen?“ und schließlich die allumfassende Sorge „Wie werde ich überhaupt wissen, was mein Kind braucht?“ und „Werden wir als Eltern alles richtig machen?“.

Nützen Sie das Angebot des Krankenhauses, sich am Anfang beim Halten, Tragen, Wickeln, Baden und Stillen ihres Kindes Rückhalt und Hilfe zu holen. Sehr bald schon werden Sie Ihren „Eltern-Instinkt“ entwickeln, der Sie im Umgang mit Ihrem Kind das „Richtige“ tun lässt. Ebenso wie Ihr Kind müssen auch Sie gerade in der ersten Zeit viel lernen. Seien Sie auf sich selbst genauso gespannt und neugierig wie auf Ihr Kind. Nehmen Sie sich Zeit und glauben Sie nicht perfekt sein zu müssen. Auch Eltern machen Fehler und das dürfen Sie auch. Scheuen Sie sich nicht Rat oder Fachmeinungen einzuholen wenn Sie unsicher sind. Eltern-Sein muss erst gelernt werden und das braucht Zeit.

Für eine gelungene und positiv erlebte Schwangerschaft hält auch die Psychologie kein Rezept bereit, vielmehr versucht sie werdenden Eltern eine gewisse Haltung und Einstellung zu vermitteln: Es geht in der Schwangerschaft nicht um „Leistung“, sondern um den Prozess, die Liebe zum Kind und die neue Rolle als Mutter und Vater langsam wachsen und gedeihen zu lassen. Dem Ungeborenen wird es dann gut gehen, wenn es den Eltern gut geht.

Mit der Bereitschaft eines Paares sich gegenseitig wertzuschätzen, seine eigenen Bedürfnisse, Wünsche, Sorgen und Ängste so wie jene des Partners ernst zu nehmen und Hilfe und Unterstützung von außen anzunehmen, schafft es die Grundvoraussetzung für eine erfüllte Schwangerschaft und einen glücklichen Start in ein Leben mit dem Kind.

Autor: Mag. Bettina Schubert

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