Hoppla, ich bin schwanger – Faszination Schwangerschaft 1. – 5. Monat

Mit dem Feststellen der eigenen Schwangerschaft erfüllt sich für viele werdende Eltern ein lange ersehnter Wunsch, manchmal ist diese Nachricht jedoch erst einmal ein Schock. Für alle werdenden Mütter und Väter bedeutet die Schwangerschaft eine Phase der intensiven Auseinandersetzung mit Zukunftsfragen, ein Lebensabschnitt, der von einer Bandbreite von Gefühlen und auch Ängsten begleitet wird. Freude und enorme Glücksgefühle wechseln sich ab mit der Sorge, ob das Kind gesund sein wird, Sorgen über berufliche und finanzielle Angelegenheiten, Zweifeln an der „Tauglichkeit“ der eigenen Person und des Partners als Mutter oder Vater, Sorgen über die Veränderung des eigenen Körpers, Gedanken über die auf einen zukommende Verantwortung – mit einem Wort Ängste über die eigene Zukunft, für die es noch keinen definitiven Plan gibt. Es scheint von der Natur her gut vorgesehen, dass die Schwangerschaft 40 Wochen dauert, damit haben die werdenden Eltern im Normalfall genug Zeit sich auf die neue Situation einzustellen.

Im Mittelpunkt des ersten Monats der Schwangerschaft steht die Anlage und Entwicklung der Körperstrukturen und Organe des Embryos. Das Zentralnervensystem mit Gehirn und Rückenmark bildet sich aus, sämtliche innere Organe werden in Ansätzen angelegt, das Herz beginnt das erste Mal zu schlagen. Am Ende des ersten Monats ist der Embryo etwa einen Zentimeter groß und wiegt ungefähr ein Gramm.

Vermutlich sind viele Mütter wenn sie erfahren, dass sie ein Baby erwarten, bereits in der vierten bis sechsten Woche schwanger. So winzig das Lebewesen im Bauch der Mutter noch ist, so gewaltig sind die hormonellen Veränderungen, die es in ihrem Organismus in Gang setzt. Diese beeinflussen ihren Körper und ihr Gefühlsleben ganz massiv. Gefühle in allen Höhen und Tiefen wechseln sich rasch ab, viele werdende Mütter fühlen sich jetzt müde und unausgeglichen.

Im zweiten Monat der Schwangerschaft vervielfachen sich die Nervenzellen des Embryos, sie vernetzen sich und werden aktiv, das Gehirn wächst zusehends. Die Gliedmaßen entwickeln sich rasch weiter, Arme und Beine, Hände und Füße differenzieren sich und schließlich bilden sich Finger und Zehen. Am Ende des zweiten Monats ist das Ungeborene ungefähr drei Zentimeter groß und wiegt etwa sieben Gramm.

Durch die hormonelle Umstellung spürt die Mutter ihren Körper wie nie zuvor, erfährt manchmal die ersten unangenehmen Begleiterscheinungen der Frühschwangerschaft, Übelkeit und Erbrechen, ein Ziehen in den Brüsten und Schwindelgefühle plagen viele Frauen. Ihr Bewusstsein beginnt sich zunehmend auf den eigenen Körper zu konzentrieren. Mit der Mitteilung der Schwangerschaft an Verwandte und Freunde verändert sich auch deren Verhalten gegenüber der werdenden Mutter. Das Umfeld begegnet der Frau mit freudiger Anteilnahme und verstärkter Rücksichtnahme. Ein verständnisvoller Partner und ein funktionierendes soziales Umfeld geben in dieser Situation Sicherheit und bieten Entlastung.

Mit dem Wissen über die eigene Schwangerschaft ist bei den meisten Paaren ein veränderter Zugang zur Sexualität verbunden. Viele Männer fürchten, dass sie beim Geschlechtsverkehr ihrem Baby schaden könnten. In der Regel spricht jedoch nichts dagegen, auch während der Schwangerschaft ein erfülltes Sexualleben zu haben. Viele Paare erleben die Sexualität in dieser Zeit sogar noch intensiver und von einer ganz anderen Seite, vor allem aber besonders zärtlich und liebevoll. Werdende Mütter, die sich von ihrem Partner begehrt und geliebt fühlen, empfinden ihre Paarbeziehung vertiefter und sorgen sich weniger um den Verlust an erotischer Ausstrahlung. Diese psychische Ausgeglichenheit und Zufriedenheit kommt schließlich auch dem Baby zugute.

Der Wandel zum „Eltern-Sein“ braucht Zeit, die Sie sich zur Veränderung auch zugestehen sollten. Sowie das Kind im Mutterleib erst wachsen und gedeihen muss, so muss auch Ihre Liebe zu Ihrem Kind erst wachsen!

Im dritten Monat ist das Baby bereits deutlich als Mensch zu erkennen, alle Organe sind bereits angelegt und zeigen – mit Ausnahme der Lunge – Ansätze von Funktion. Sie müssen jetzt nur noch reifen und sich entwickeln. Knochengewebe und Muskeln haben sich gebildet, das Gesicht des Kindes ist bereits ausgeprägt. Erste grobe Bewegungen wie Strecken der Arme und Beine, Drehen des Körpers und Öffnen und Schließen der Hände, aber auch bereits differenziertere Bewegungsmuster wie etwa Stirnrunzeln, Augenbrauen heben und Daumen lutschen kann der Fötus schon. Die äußeren Geschlechtsorgane sind bereits ausgebildet und im Ultraschall – je nach Lage des Kindes – erkennbar. Ab dem Zeitpunkt, wo das kindliche Gehirn seine Funktion aufnimmt, beginnt das Kind auf Reize von außen zu reagieren und nimmt mit allen ihm zur Verfügung stehenden Sinnen am seelischen Leben der Mutter teil. Es empfindet Unruhe, Ärger und Stress der Mutter ebenso wie es deren Entspannung und Ruhe miterlebt. Am Ende des dritten Monats wiegt das Ungeborene etwa fünfzig Gramm und ist ungefähr zehn Zentimeter groß.

Wenn auch am ersten Ultraschallbild vom Kind für den Laien wenig erkennbar ist, löst es doch bei den Eltern tiefe Berührung aus und macht das Ungewisse ein deutliches Stück greifbarer. Die Erkenntnis, dass im Bauch der Frau etwas Lebendiges, ein Mensch heranwächst, stellt den Beginn des Beziehungsaufbaus zwischen den werdenden Eltern und ihrem ungeborenen Kind dar. Bedingt durch diese Konkretisierung können bei Mutter und Vater auch Vorstellungen und Erwartungen in Gang gesetzt werden, die das Aussehen wie auch die Persönlichkeit und Eigenschaften ihres Kindes betreffen. Das Kind nimmt bereits sehr stark am Leben der Mutter teil und „antwortet“ auf angenehme wie unangenehme Reize mittels Bewegungen, die jedoch noch unbemerkt von der Mutter ablaufen.

Da der Vater nicht so unmittelbar wie die Mutter die Schwangerschaft auch körperlich erleben kann, ist es wichtig, dass auch er das Gefühl entwickelt, dass es auch „seine“ Schwangerschaft ist.

Erzählen Sie Ihrem Partner was Sie fühlen, lassen Sie ihn an den körperlichen Veränderungen teilhaben. Für die meisten Frauen steht nun ihre Weiblichkeit im Zentrum. Sie machen sich Gedanken über Veränderungen ihrer Figur und die damit verbundene – befürchtete – abnehmende Attraktivität für den Partner. Manche Frauen erleben sich selber durch die zunehmend weiblicheren Formen weniger attraktiv und werden dadurch selbstunsicherer in der Gegenwart von Freunden oder Bekannten. Geduld, Zärtlichkeit und verständnisvolles Zuhören des Partners geben der Frau Sicherheit und Selbstvertrauen. Werdende Väter erfüllen damit eine ganz wichtige Aufgabe für Mutter und Kind.

Im vierten Monat ist für das Baby die Phase der Organbildung abgeschlossen, nun beginnt die Wachstumsperiode. Sein Bewegungsdrang wird zunehmend stärker, es übt dadurch stetig die Koordination der Bewegungsabläufe. Neben dem Hör- und Sehsinn sind jetzt auch Tast-, Gleichgewichts- und Geschmackssinn gut entwickelt. All diese Sinne nehmen die unterschiedlichsten Umweltreize im Bauch der werdenden Mutter auf und leiten sie zum Gehirn des Embryos weiter. Dadurch erhält das Gehirn des Kindes die für seine Reifung notwendigen Impulse. Die Anzahl der vorhandenen Nervenzellen entspricht nun schon der von Erwachsenen. Am Ende des vierten Monats wiegt das Ungeborene rund 200 Gramm und ist etwa 15 Zentimeter groß.

Da sich der Organismus der werdenden Mutter mittlerweile an die hormonelle Umstellung gewöhnt hat, empfinden viele Frauen die derzeitige Phase als den schönsten Abschnitt der Schwangerschaft. Das Ende der Übelkeit erleben viele Frauen als große Entlastung. Ihre ursprüngliche Leistungsfähigkeit ist wieder hergestellt, sie fühlen sich ausgeglichen und erleben eine gewisse Gelassenheit.

Genießen Sie gemeinsam mit dem Partner diese Zeit der Schwangerschaft. Unternehmen Sie viel gemeinsam und teilen Sie Ihre Freude an der kommenden Veränderung. Ihre ruhige und entspannte Stimmung überträgt sich positiv auf das Kind.

Der fünfte Monat steht für das Baby ganz im Zeichen von Wahrnehmung, Bewegung und Interaktion mit der Außenwelt. Es genießt Streicheleinheiten, empfindet gleichförmige rhythmische Bewegungen der Mutter als angenehm und bewegt sich immer gezielter und koordinierter. Langsam entwickelt es seinen eigenen Schlaf- und Aktivitätsrhythmus, der nicht unbedingt dem der Mutter entspricht. Das Kind beginnt sein körpereigenes Immunsystem aufzubauen, um langsam auch für „draußen“ überlebensfähig zu sein. Am Ende des fünften Monats misst das Baby etwa zwanzig Zentimeter und wiegt rund ein halbes Kilo.

Die Hoffnung vieler Mütter, den Schlaf-/Wachrhythmus des Babys ihrem eigenen anpassen zu können, um kindliche Ein- und Durchschlafprobleme nach der Geburt zu verhindern, entspricht leider nicht der Wirklichkeit. Eine entspannte und ruhige Grundstimmung und das Vermeiden von Hektik und Stress wirken sich aber in positiver Weise auf das Ungeborene aus.

Das erste Spüren der Bewegungen des Kindes ist für jede Mutter ein unvergessliches Erlebnis. Das verstärkte Bewusstsein der Frau, dass ihr Kind eine eigenständige Persönlichkeit mit eigenen Bedürfnissen ist, steigert ihr Verantwortungsgefühl für das Wohlergehen des Kindes. Ab diesem Zeitpunkt gelingt es meist auch dem Vater leichter, mit seinem Kind in eine Beziehung zu treten. Eltern wird bewusst, dass in Zukunft in ihrem Leben alles anders sein wird, eine Fülle von Gedanken, Zweifeln und auch Ängsten können mobilisiert werden. Fragen wie „Was kommt da alles auf uns zu?“ oder „Werden wir alles richtig machen?“ stellen sich in dieser Zeit viele werdende Eltern.

Verdrängen Sie diese Gedanken nicht, sprechen Sie ihre Gefühle und Ängste aus – mit dem Partner, mit Freunden oder mit anderen werdenden Eltern. Es ist wichtig, dass Sie auch negative Emotionen zulassen, ohne Angst zu haben damit Ihrem Kind zu schaden. Es ist normal nicht ständig in Hochstimmung zu sein. Bereden Sie was Sie beschäftigt, ohne Angst, dass man deshalb an der Liebe zu Ihrem Kind zweifeln könnte.

Autor: Mag. Bettina Schubert

Weiter zu Teil 2 „Faszination Schwangerschaft (6 – 9 Monat)

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