Familie auf Reisen

Die Sommerferien stehen endlich vor der Tür. Für viele Eltern fällt damit der Startschuss für gemeinsam verbrachte Zeit abseits von Alltagshektik und eng geschnürten Zeitkorsetts. Wer dazu die eigenen vier Wände verlassen und mit seinen Kindern verreisen möchte, sollte allerdings einige Punkte beachten, um das gesundheitliche Wohl der lieben Kleinen nicht zu gefährden.

Maßgeschneiderte Erholung. Grundsätzlich gibt es keine wirklichen Einschränkungen für einen Urlaub mit seinen Sprösslingen, wenn dieser alters- sowie bedürfnisgerecht geplant und der gesundheitliche Gesamtzustand des Kindes der Reisedestination angepasst ist. Vor allem der Hausverstand ist hier gefragt. „Es ist weder ratsam, mit einem Säugling im ersten Lebensjahr in ferne Länder zu reisen, in denen die medizinische Versorgung deutlich unter dem europäischen Standard liegt, noch, mit einem 3-Jährigen einen mehrtägigen Städteurlaub inklusive Kulturprogramm zu verbringen“, betont Univ.-Prof. Dr. Herwig Kollaritsch, leitender Arzt am Zentrum für Reisemedizin in Wien. Berücksichtigen Sie daher bei jeder Urlaubsplanung – egal ob der Aufenthalt am Meer, in einer Stadt oder auf einem Bauernhof stattfinden soll – das Alter, die Interessen und die Konstitution Ihres Kindes.

Schon geimpft? Besteht Einigkeit über das Urlaubsziel, sollte ein Blick auf den Impfpass geworfen werden. Sind alle Impfungen, die der Österreichische Impfplan vorgibt, durchgeführt bzw. aufgefrischt worden? Sind eventuell länderspezifische Zusatzimpfungen vonnöten? Informieren Sie sich bei Ihrem Hausarzt oder einem Reisemediziner über empfehlenswerte Vorkehrungen und lassen Sie sich Vorsorgepläne erstellen. Im Idealfall rechtzeitig: Schließlich entwickeln viele Impfungen erst nach einigen Monaten und in mehreren Schritten ihren vollständigen Schutz. Reisemediziner Kollaritsch legt bei Auslandsreisen mit Kindern besondes Wert auf die Tollwutimpfung. „Viele Kinder gehen oft vertrauenswürdig auf (streunende) Tiere wie Hunde oder Katzen zu und müssen nicht einmal gebissen werden, um sich zu infizieren. Schon wenn der Speichel eines kranken Tieres auf die Schleimhäute oder eine Wunde gelangt, ist eine Erregerübertragung möglich.“

Auto oder Flugzeug? Wer mit dem Auto anreist, sollte schon im Vorfeld auf eine Route achten, auf der alle zwei bis drei Stunden eine Pause von mindestens 20 Minuten mit ausreichend Bewegungsmöglichkeit (z. B. Spielplätze) eingelegt werden kann. „Während der Fahrt ist es ratsam, Kinder mit Such- und Ratespielen bzw. Hör-CDs abzulenken, Zugluft zu vermeiden, Sonnenrollos zu nutzen, ausreichend zu trinken und kleine Snacks zu sich zu nehmen. Achten Sie außerdem darauf, dass Ihr Kind in Fahrtrichtung schaut, um Übelkeit vorzubeugen“, so Kollaritsch. Um dennoch vor etwaigen Malheurs wie unerwartetem Erbrechen gerüstet zu sein, empfiehlt es sich, Plastiksäcke und Feuchttücher parat zu haben. Bei Flugreisen sollte man Kindern, die den aktiven Druckausgleich noch nicht durchführen können, während Start und Landung zu trinken geben und allenfalls zum Gähnen oder Kaugummikauen animieren. Übrigens: Von langen Flugreisen mit kleinen Kindern rät Kollaritsch aufgrund der unangenehmen Bewegungseinschränkung ab: „Fernreisen können auch um einige Jahre verschoben werden und bieten dann wirklich einen nachhaltigen Erholungswert für die gesamte Familie.“

Essen – aber richtig. Die geläufige Grundregel „Cook it, peel it or leave it“ ist vor allem in sozioökonomisch unterentwickelten Ländern anzuwenden. Wer hier seinen Sprösslingen Obst und Gemüse schält, nur gekochte Speisen zu sich nimmt, auf Eiswürfel verzichtet und Mineralwasser trinkt, geht auf Nummer sicher. „Kinder sollten auf diese Vorsorgemaßnahmen auch aktiv aufmerksam gemacht und mehrmals täglich zum Hände- waschen aufgefordert werden“, so Kollaritsch. „Vor allem das bei den Kleinen beliebte Speiseeis kann aufgrund unterbrochener Kühlketten Keime enthalten, die oft für schwere Durchfälle verantwortlich sind.“ In heimischen Gefilden kann in puncto Ernährung meist mehr Sorglosigkeit an den Tag gelegt werden. Dennoch empfiehlt es sich auch hier, einen kritischen Blick auf die Gepflogenheiten seiner Unterkunft zu werfen, also etwa wie Speisen am Buffet angerichtet werden, ob sie mit Deckeln vor hustenden oder verschnupften Gästen geschützt oder ob sie gar für jedermann mit eigenem Besteck zugänglich sind. Tipp: Recherchieren Sie bereits vor Urlaubsantritt im Internet und holen Sie Informationen inklusive Bewertungen über Ihren Aufenthaltsort ein. Sollte es dennoch zu Durchfallerkrankungen kommen, müssen Kinder ausreichend trinken, um sie vor Dehydrierung zu schützen. Ideal sind fertige Elektrolytlösungen aus der Apotheke. „Hält der Durchfall länger als drei Tage an, ist auf jeden Fall ein Arzt aufzusuchen“, unterstreicht Kollaritsch.

Achtung: Sonnenschutz. Was für Erwachsene mittlerweile ganz selbstverständlich ist, gilt verstärkt für die Sprösslinge: „Sonnenschirme bieten wenig bis gar keinen Sonnenschutz. Daher sollten Kinder regelmäßig mit hauttypgerechten Sonnenschutzmitteln, die einen hohen Lichtschutzfaktor enthalten, eingeschmiert werden“, erläutert Kollaritsch. Schließlich sind Sonnenbrände nicht nur unangenehm, sondern erhöhen das Risiko, in späteren Jahren an einer Hautkrebsform zu erkranken. Zwecks Sonnenstich-Prävention empfiehlt es sich, Kinder mit einer Kopfbedeckung zu schützen und den Aufenthalt in der prallen Sonne zu meiden.

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