Ewige Jugend durch Supplemente?

Tatsache ist: Gesunde können ihren Nährstoffbedarf grundsätzlich durch eine ausgewogene, abwechslungsreiche Kost problemlos decken. Einzig bei individuellen Mangelsituationen und bestimmten Risikogruppen (z. B. Senioren) kann die gezielte Einnahme von Supplementen bzw. angereicherten Lebensmittel einen sinnvollen Beitrag leisten.

Mangelerscheinungen sind selten
Laut österreichischem Ernährungsbericht 2003 zählen Folsäure, Jod, Kalzium und Vitamin D zu den Risikonährstoffen aller Altersgruppen. Bei jungen Mädchen und Frauen ist die Eisenaufnahme zu gering. Jugendliche und Senioren sollten bei der Lebensmittelauswahl auf eine ausreichende Magnesiumzufuhr achten.

Die Empfehlungen der deutschsprachigen Ernährungsgesellschaften gelten in Österreich als Maßstab für die Nährstoffaufnahme. Empfehlung ist  aber nicht gleich Bedarf. Wird die Zufuhrempfehlung im Einzelfall nicht erreicht, müssen Mangelerscheinungen nicht zwangsweise die Folge sein. In der Praxis reicht es völlig aus, wenn die Vorgaben im Wochendurchschnitt erreicht werden.

Im Vergleich zu hohen Einzeldosen wirken sich übrigens geringere Mengen auf mehrere Mahlzeiten verteilt günstig auf die Aufnahmerate aus. Ein Argument, das  für die Nährstoffversorgung aus naturbelassenen Lebensmitteln spricht.

Funktionelle Lebensmittel – die Lebensmittel des 21. Jahrhunderts?
Funktionelle Lebensmittel sind Lebensmittel mit gesundheitlichem Zusatznutzen. Durch die Anreicherung mit bestimmten Inhaltsstoffen wie Vitaminen, Ballaststoffen, probiotischen Keimen oder sekundären Pflanzenstoffen sollen sie zum Wohlbefinden und einer gesteigerten Leistungsfähigkeit beitragen. Unter Funktionelle Lebensmittel fallen probiotische Joghurts, Wellnessgetränke oder spezielle Sportlerprodukte. Funktionelles vom Korn wie Omega-3-Brot oder mit Pflanzenfetten (Phytosterinen) angereichertes Brot ist in den skandinavischen Ländern und Deutschland schon lange nicht mehr wegzudenken. In Österreich stehen nach (Instant-) Getränken Cerealien an der Spitze der angereicherten Produkte. Kritik wird vor allem an der Anreicherungspraxis laut, da vielfach Ernährungsempfehlungen unberücksichtigt bleiben und wahllos nach dem „Gießkannenprinzip“ mit einer Vielzahl an Mikronährstoffen angereichert wird, bei denen keine oder kaum Versorgungsengpässe bestehen.

Funktionelles aus dem Milchregal zeigt besonders großes Wachstumspotential. Neben Prä- und Probiotika sind  auch funktionelle Streichfette auf dem Vormarsch. Pflanzenfette in Margarinen und Käse können nachweislich erhöhte Cholesterinwerte senken, sollten aber nicht die einzige Maßnahme zur Reduktion des Cholesterinspiegels bilden. Problematisch kann sogar die gleichzeitige Aufnahme mehrerer dieser Produkte sein, weil durch die Kombination die täglich empfohlene Menge an Pflanzenfetten (2-3 g) leicht überschritten werden kann.

Vitamine, Mineralstoffe und Co.
Nahrungsergänzungsmittel sind Präparate, die Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente, Ballaststoffe oder andere Inhaltsstoffe in konzentrierter Form enthalten. Als Pillen, Pulver oder Kapseln in Apotheken verkauft, können sie dennoch keine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung ersetzen oder etwa Krankheiten vorbeugen. Trotz klarer Definitionen und Abgrenzungen für die Zulassung und das Inverkehrbringen, ist der Grad zwischen Nahrungsergänzungsmittel und Arzneimittel oft ein schmaler.

Den Grundstein für eine EU-einheitliche Regelung legte die  Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), indem sie Obergrenzen für die tägliche Aufnahme von 16 Vitaminen und Mineralstoffen definierte.

Orientierungshilfe
Um etwas Licht ins Dunkel zu bringen, hat die Arbeiterkammer Niederösterreich eine Broschüre zum Thema Nahrungsergänzungsmittel und funktionelle Lebensmittel herausgegeben. Die Autorinnen, Mag. Sonja Reiselhuber und Mag. Angela Mörixbauer, gehen darin auf zwei aktuelle und spannende Themenbereiche ein und erläutern anhand von acht Begleitfiguren, wann es wirklich notwendig ist, auf angereicherte Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel zurückzugreifen. Lebensstil und Essverhalten der acht Figuren repräsentieren ausgewählte Bevölkerungsschichten und ziehen sich wie ein roter Faden durch die Broschüre.

Raucher, Vegetarier, Schwangere und Stillende, Sportler, Stressgeplagte und Best Ager können so ihren individuellen Bedürfnissen und möglichen Risikonährstoffen auf den Grund gehen. Von Vitamin D, Magnesium und Ballaststoffen über Omega-3-Fettsäuren bis zu Kombinationspräparaten werden Funktion, Wirkung, empfohlene Zufuhr und Quellen der wichtigsten Inhaltsstoffe unter die Lupe genommen. KonsumentInnen können ihren Blick schärfen, um beim nächsten Einkauf zwischen ACE-Säften und „Near Water Getränken“ die individuell günstigere Wahl zu treffen.

Die Broschüre „Nahrungsergänzungsmittel und funktionelle Lebensmittel“ kann bei der Arbeiterkammer Niederösterreich kostenlos heruntergeladen werden.

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