Essen ist etwas Schönes

Sie ist die beliebteste und erfolgreichste Ernährungsberaterin Österreichs: Sasha Walleczek. Die 43-jährige Tirolerin verbindet wie keiner ihrer Kollegen richtige Ernährung mit Lebensfreude, gesundes Essen mit Spaß und Abnehmen mit Leichtigkeit. Der Erfolg gibt ihr Recht: Ihre Kochbücher sind Bestseller, ihre Kurse gefragt, ihre TV-Sendungen am Beginn ihrer Karriere waren Quotenrenner. Zurück ins Fernsehen möchte Walleczek aber trotzdem nicht: „Wenn, dann müsste das Konzept schon sehr gut sein.“ Im Gespräch mit GESÜNDER LEBEN gibt Walleczek Tipps für die richtige Ernährung, erklärt, wieso Essen niemals Sünde ist und erteilt Diäten eine klare Absage.

GESÜNDER LEBEN: Woher kommt Ihr Interesse an gesunder Ernährung? Hatte Essen immer schon einen hohen Stellenwert in Ihrem Leben?
Sasha Walleczek: Ja, immer schon. Ich hatte das Glück, in einer Familie aufzuwachsen, wo Essen einen extrem hohen Stellenwert hat. Mein Vater hatte seit jeher einen großen Bio-Gemüsegarten und meine Eltern achteten sehr stark auf gesunde Ernährung. Vor allem: Bei uns war gesunde Ernährung nie negativ besetzt! In den letzten Jahren habe ich gemerkt, wie negativ gesunde Ernährung in Österreich wahrgenommen wird. Nach dem Motto: „Gesund ist das Gegenteil von gut“. Diese Einstellung ist ein großes Problem, da der Spaß an der Sache verloren geht. In meiner Familie wird vom Essen ganz allgemein geschwärmt. Und genau darum geht es auch in meiner Arbeit.

GL: Essen ist also als etwas Positives zu begreifen?
Walleczek: Genau! Und, auch ganz wichtig: Essen findet ja nicht in Isolation statt, es ist ein wichtiger und schöner Teil unseres Lebens. Leute erwarten sich von mir immer wieder Ernährungspläne, was ich strikt ablehne. Denn es geht nicht darum, möglichst strenge Regeln und strikte Programme zu entwerfen und sich kompromisslos daran zu halten. Essen ist ein zu wichtiger Bestandteil unseres Lebens, auch Ausdruck unserer Kultur. Beim Abnehmen sind die meisten Menschen verunsichert, sie suchen nach Kontrolle. Diese Glauben sie nur durch Einschränkungen erlangen zu können. Das ist sehr schade. Denn es geht im Grunde doch nur um eines: Was muss ein Mensch essen, um optimal gesund zu sein? Dieser Frage schenkt man in der Wissenschaft erst seit wenigen Jahren Beachtung.

GL: Sie litten als Jugendliche unter einer Essstörung …
Walleczek: Als Studentin litt ich unter „Binge-Eating-Disorder“, einer Essstörung, bei der es zu unkontrollierten Fressattacken kommt. Das habe ich aber Glücklicherweise wieder in den Griff bekommen.

GL: Sie haben sich eine Zeitlang auch vegetarisch ernährt. Ist es gesund, sich vegetarisch bzw. vegan zu ernähren?
Walleczek: Ernährung ist individuell. Dem einen tut es gut, mehr Getreide zu essen, für andere ist wiederum tierisches Eiweiß wichtiger. Was Vegetarier anbelangt: Ich respektiere den Wunsch dahinter, glaube aber, dass es sich Vegetarier zum Teil zu einfach machen. Natürlich müssen wir dramatisch weniger Fleisch essen, natürlich müssen wir schnell ändern, wie wir mit Tieren momentan umgehen – Stichwort: Massentierhaltung. Jedoch zeigt sich, dass eine echte biologische Landwirtschaft auch die Tiere im Kreislauf braucht, weil sie ohne den Beitrag der Tiere langfristig einfach nicht nachhaltig sein kann. Ich bin daher dafür, dass wir uns damit auseinandersetzen, wie Tiere wirklich artgerecht gehalten werden können, anstatt Tierhaltung als Ganzes zu verteufeln. Was die Gesundheit anbelangt: Pauschal kann man nicht sagen, dass das eine oder andere gesünder ist, denn das hängt immer davon ab, wie die Ernährung zusammengesetzt ist. Am gesündesten leben wahrscheinlich Teilzeitvegetarier.

GL: Sie wohnen selbst auf einem Bauernhof in der Steiermark …
Walleczek: Bauernhof ist übertrieben. Ich habe sechs Hühner, einen Hahn, ein Pferd, einen Hund und eine Katze, die mir zugelaufen ist. Der Grund, wieso ich seit Kurzem selbst Hühner besitze, ist übrigens, dass ich mich damit konfrontieren will, wie es ist, wenn ich Tiere großziehe, sie danach töte und esse. Bisher habe ich gerade Mal einen Fisch selbst getötet. Ganz offiziell: Schaffe ich das nicht, höre ich auf, Fleisch zu essen, denn alles andere fände ich heuchlerisch.

GL: Zurück zum Abnehmen: Achten Sie noch auf Ihr Gewicht?
Walleczek: Jein. Wie beinahe jede Frau hasse ich es, wenn meine Jeans zu eng werden. Was bei mir übrigens schnell passiert, wenn ich mich falsch ernähre. Vor allem Koffein bewirkt bei mir, dass mein Hungergefühl vollkommen durcheinander gerät. Dann nehme ich schnell zwei Kilos zu.

GL: Viele Frauen meinen, dass sie ihr Glück erst gefunden haben, als sie ihre Waage wegschmissen …
Walleczek: Wenn die gute Laune davon abhängig wird, ob die Waage die richtige Zahl anzeigt, dann hat sie zu viel Kontrolle über das Leben. Für solche Personen ist es wesentlich besser, sie schmeißen die Waage raus und messen lieber an einer engen Hose, ob sie abgenommen haben. Aber es gibt auch Menschen, die kein gutes Gefühl für ihren Körper haben und gar nicht einschätzen können, ob das Gewicht in die richtige Richtung geht. Für solche Menschen kann es hilfreich sein, sich in Verbindung mit Ernährungsänderungen ein bis zwei Mal pro Woche zu wiegen.

GL: Also Diät zu halten?
Walleczek: Diäten können nicht funktionieren, da immer ein Jo-Jo-Effekt auftritt. Es ist sinnlos, eine Zeit lang weniger zu essen, nur um danach wieder wie zuvor weiterzumachen. Man muss die gesamte Ernährung umstellen und dabei sicherstellen, dass dabei der Spaß am Essen nicht verloren geht, dass es ins eigene Leben passt – denn dann muss man nichts „durchhalten“. Nur, wenn es der ganzen Familie schmeckt, man nicht doppelt kochen muss usw., kann es funktionieren. Was auch wichtig ist: Studien zeigen, dass der Körper nach Ende einer Diät weiter „spart“, also weniger verbraucht als vorher. Neueren Erkenntnissen zufolge bleibt das für immer so. Daher kann man nie wieder so essen wie vorher, ohne dabei zuzunehmen – gerade deswegen ist es so wichtig, dass man ein Programm findet, das ins Leben passt und wirklich schmeckt.

GL: Was sind die wichtigsten Ernährungsgrundregeln?
Walleczek: Immer essen, bis man satt, aber nicht voll ist. Keine Mahlzeiten auslassen und zu jeder Mahlzeit ein wenig Eiweiß essen – das verhindert Heißhungerattacken. Bei den Hauptmahlzeiten gilt die Faustformel: eine Handtellergröße Eiweiß, eine Faust stärkehaltige Kohlenhydrate, zwei Fäuste Gemüse, möglichst frisch gekocht. Für Süßigkeiten gibt es die 80:20-Regel: Hin und wieder darf man alles – aber eben nur hin und wieder. Ich stelle mir also nicht die Frage nach den Kalorien, sondern: Wie muss ich eine Mahlzeit gestalten, damit ein natürliches Sättigungsgefühl eintritt?

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