Essen – eine schwierige Übung

Lola sitzt bei ihren Eltern am Tisch und beobachtet die ganze Runde sehr interessiert. Während ihr der Speichel aus dem Mund rinnt, schaut sie mit ihren großen Kulleraugen jedem Bissen nach, der gegessen wird. Ihr Vater nimmt ein Teelöffelchen Wasser aus dem Glas, und schon probiert Lola, was da auf dem Löffelchen drauf ist. Ihre Zunge findet den Löffel sehr interessant und – platsch – die Hälfte des Wassers landet auf ihrem Pullover. Das ändert nichts daran, dass sie sofort weitermachen möchte.

Lola zeigt deutlich, dass sie sich für Essen interessiert. Das ist ganz typisch für Babys zwischen dem 5. und 7. Lebensmonat. Sie zeigen damit, dass sie bereit sind, etwas anderes als Muttermilch zu probieren. In den ersten sechs Monaten reift bei den Kleinen die Schleimhaut von Magen und Darm erst aus. Da sind Muttermilch oder voll adaptierte Säuglingsmilch die beste Baby-Nahrung, und das bleiben sie auch im zweiten Halbjahr. Doch sobald der Verdauungstrakt so weit ist, dass das Baby kauen und größere Bissen hinunterschlucken kann und mit der Hand zu greifen beginnt, will der kleine Zwerg wie die Großen essen. Babys versuchen zuerst den Brei so zu essen, wie sie es von der Flasche oder der Brust her gewohnt sind, aber so funktioniert es nicht. Es ist auch gar nicht so leicht, den Löffel zum Mund zu führen, wenn man das noch nie gemacht hat. Was für uns Erwachsene selbstverständlich ist, müssen Babys erst lernen.

Daher üben kleine Kinder das Essen und brauchen Vorbilder, die sie nachahmen können. Gemeinsame Mahlzeiten am Familientisch werden ab dem neunten Monat immer wichtiger.

Die Übung „Wie esse ich wie ein Großer?“ ist für Ihr Baby wichtig und lustvoll, für Sie hingegen kann es ziemlich anstrengend werden. Manche Eltern erzählen: „Anfangs musste ich jeden Löffel Brei dreimal füttern, bis er einmal im Magen gelandet ist.“ In den ersten Wo-chen dauert das Füttern der Gemüsebreimahlzeit oft viel länger als die Stillmahlzeit oder das Fläschchen. Und nachher müssten das Baby und fütternde Eltern eigentlich unter die Dusche, da der Karottenbrei fein säuberlich auf allen Kleidern versprüht ist. Sie haben vielleicht gehofft, dass die Essensfrage durch die Breimahlzeit einfacher wird. Mittelfristig ist das sicher richtig, aber kurzfristig braucht Ihr Kind viel Unterstützung und auch Freiraum. Beim Essen versucht Ihr Baby die Dinge buchstäblich selber in die Hand zu nehmen. Ob das jetzt ein Löffel ist oder gleich eine Karotte … Ihr Kind will seine eigenen Vorstellungen umsetzen, auch wenn das Ergebnis nicht ganz Ihrer Idee von sauberer Tischwäsche und Kleidung entspricht. Unterstützen Sie den Wunsch Ihres Kindes nach Selbstständigkeit, und haben Sie Geduld, wenn Ihr Kind Essen übt, auch wenn der Weg über „kleckern und patzen“ geht.

Der gut gemeinte Tipp

Weder Großeltern und Feundinnen noch die Nahrungsmittelindustrie müssen mit ihren gutgemeinten Ratschlägen Recht haben. Richtlinien für eine gesunde Ernährung verändern sich im Laufe der Zeit und unterscheiden sich wesentlich von der Babyernährung zu Großmutters Zeiten. Der Tipp „Gib dem Baby endlich einen ordentlichen Brei, dann wird es besser durchschlafen“, berücksichtigt z.B. nicht, dass Babys frühestens ab dem siebenten Lebensmonat Getreideprodukte bekommen sollten.

Wenn auf der industriellen Babynahrung z.B. „nach dem 4. Monat“ steht, ist gemeint, dass es ab Beginn des 5. Lebensmonats möglich ist, dem Kind dieses Nahrungsmittel zu geben. Das heißt aber noch lange nicht, dass Ihr Kind dieses Nahrungsmittel auch unbedingt braucht.

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