Erste Trennung vom Kind

Onkel Herbert sollte Lauras Ablehnung auf keinen Fall persönlich nehmen.

Nach dem sechsten Lebensmonat fangen die Kinder an zu fremdeln: Sie lehnen weniger vertraute oder unbekannte Personen ab. Die Ablehnung kann je nach Person unterschiedlich stark ausfallen.

In der zweiten Hälfte des ersten Lebensjahres beginnen die Kinder sich fortzubewegen. Sie haben den Drang, alles, was sie erreichen können, zu betasten, in den Mund zu nehmen und zu betrachten. Damit sich das Kind nicht ständig von der Mutter entfernt und Gefahren aussetzt, hat die Natur bei allen höheren Säugetieren und so auch beim Menschen ein Verhalten zum Schutz des Kindes entwickelt: Die Trennungsangst. Sie setzt dem Erkundungstrieb des Kindes Grenzen und bindet das Kind an die Bezugsperson.

Fremdeln und Co
Das Fremdeln wird auch als Achtmonate-Angst bezeichnet, weil es bei den meisten Kindern in diesem Alter offensichtlich wird, wobei es im Alter zwischen acht und dreißig Monaten am ausgeprägtesten ist. Das Fremdeln wird am häufigsten damit erklärt, dass Kinder in diesem Alter beginnen, vertraute von weniger vertrauten Personen zu unterscheiden. Die Erfahrungen, die Kinder im ersten Lebensjahr machen, beeinflussen das Ausmaß des Fremdelns. Kinder, die bereits im ersten Lebensjahr mit verschiedenen Leuten positive Erfahrungen machen, fremdeln weniger.
Die Trennungsangst hängt vom Alter, der Persönlichkeit, der Vertrautheit mit Umgebung und Personen, sowie dem Verhalten der Eltern ab. Trennungsangst ist bei zwei- bis dreijährigen Kindern am ausgeprägtesten.

Die Umgebung bestimmt wesentlich mit, wie weit sich ein Kind von den Eltern wegwagt. Ist dem Kind etwa ein Spielplatz vertraut und kennt es die anderen Kinder und deren Eltern, entfernt es sich leichter und weiter als wenn es zum ersten Mal dort ist. Je leichter die Mutter selbst Kontakt zu anderen Müttern findet und das Interesse des Kindes an Gleichaltrigen fördert, desto besser wird es auch dem Kind gelingen, sich anderen Kindern anzuschließen.

Die Trennungsangst nimmt nach dem dritten Lebensjahr ab. Dem Kind fällt es dann zunehmend leichter, zu anderen Kindern und Erwachsenen Beziehungen aufzunehmen. In schwierigen Lebenssituationen können aber immer wieder Trennungsängste auftreten, die von den Eltern unbedingt ernst genommen werden sollen.

Erste Schritte in die Selbständigkeit
Ängste sind nicht zu vermeiden, wenn Kinder selbständig werden sollen. Es gibt so viel Unbekanntes für ein Kind zu entdecken, dass es niemanden verwundern wird, wenn es da auch manchmal zu Überforderungssituationen kommen kann, die dem Kind letztendlich Angst bereiten und den Ruf nach einer hilfreichen Bezugsperson berechtigt erscheinen lassen. In den ersten drei Monaten ist das Kind in einem hohen Maße auf die Mutter und andere nahe Bezugspersonen ausgerichtet. Ab dem dritten Monat beginnt es sich auch für die weitere Umgebung zu interessieren. Es blickt z.B. der Mutter nach, wenn sie durch das Zimmer geht. Mit den ersten Kriechversuchen eröffnet sich dem Kind auch die Möglichkeit, ohne fremde Hilfe seine Umgebung zu erforschen. Diese Hinwendung des Kindes zur Welt bedeutet auch für die Eltern eine Neuorientierung. Sie müssen zulassen, dass sich ihr Kind von ihnen wegbewegt, Neues entdeckt und die Umgebung selbständig erkundet, gleichzeitig sollen sie aber noch immer ausreichenden Schutz und emotionale Unterstützung geben. Das ist nicht immer ganz einfach.

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