Entspannung geht durch die Nase

Düfte helfen beim Relaxen. Wie man mit Lavendel, Jasmin & Co leichter Stress abbaut und seine Nerven stärkt und für besseren Schlaf sorgt. Von Antonia Wemer

Wenn die Temperaturen kühler werden, haben Traumreisen Hochsaison. Wie man so eine Reise unternimmt? Ganz einfach: Schließen Sie die Augen und stellen Sie sich vor, Sie spazieren durch einen wunderschönen tropischen Garten in Richtung Strand. In der Ferne hören Sie leise das Meer rauschen, die Abendsonne scheint rotgolden durch die Palmwipfel, die Zikaden zirpen und der Sommerwind streichelt sanft Ihre Haut. Was für ein herrlich entspannendes Gefühl! 

Moment mal: Fehlt da nicht noch etwas? Natürlich! Der betörende Duft der exotischen Pflanzen, der auf dem Weg Ihre Nase umspielt. Dazu der Hauch von Kokos, den Ihre Après Sun Lotion verströmt. Und wenn Sie in Gedanken ein wenig Richtung Strandrestaurant schnuppern, fällt Ihnen vielleicht auf, dass dort schon fürs Dinner mit Blick über die azurblaue Bucht gegrillt wird. Mmh, riecht das toll! 

Gerüche spielen in unserer emotionalen Wahrnehmung eine größere Rolle, als man auf den ersten Blick meinen möchte. Sie wecken schöne Erinnerungen, können anregend oder beruhigend wirken und die Stimmung heben. Darüber hinaus sollen sie Schmerzen lindern, Stress reduzieren und für besseren Schlaf sorgen. Deutsche Forscher haben herausgefunden, dass Jasminduft genauso entspannend und angstlösend sein kann wie Psychopharmaka. Aus Laborversuchen weiß man, dass Duftstoffe im Lavendelöl im Gehirn auf die gleichen Rezeptoren wirken wie Schlafmittel. Und laut einer Studie der Universitätsklinik Mannheim beeinflussen Düfte sogar unsere Träume: Bei einem Versuch im Schlaflabor sorgten faule Eier für Alpträume, während Rosenduft fast allen Versuchsteilnehmern angenehme Erfahrungen bescherte. 

Die Erkenntnis, dass Gerüche unser Wohlbefinden beeinflussen, ist nicht neu. Seit tausenden Jahren werden Blüten, Räucherharze und wohlriechende Öle zur Entspannung und als Heilmittel eingesetzt – etwa Nelkenduft als Schmerzmittel oder Sandelholz zur Unterstützung der Wundheilung. Hippokrates empfahl bei Mandelentzündungen, den Rauch aus einem Ofen einzuatmen, in dem neben Schwefel und Erdpech auch duftender Ysop verbrannt wurde. Weihrauch sollte mehr Zufriedenheit und Ruhe verbreiten, Zistrose wird seit langem bei der Meditation verwendet und Myrrhe steht seit jeher im Ruf, Emotionen auszugleichen und das allgemeine Wohlbefinden zu steigern. 

Heute kommen ätherische Öle aus natürlichen Rohstoffen, idealerweise auch aus biologischem Anbau, häufig in Aromalampen zur Raumbeduftung oder als Badezusätze zum Einsatz. Im Winter sind nicht nur Erkältungsbäder beliebt, auch wärmende Aromen wie das Gute-Laune-Kraut Rosmarin setzen wir dann dem Badewasser zu. Apropos wärmend: Aus der Sauna sind Duftöle kaum wegzudenken. Eukalyptus und Pfefferminze gelten als Klassiker, wer noch mehr Entspannung sucht, setzt beim Aufguss auf beruhigende Kamille oder Melisse. 

Sie planen für Ihr Badezimmer einen Whirlpool? Dann können Sie ihn mit einer Aromatherapie-Erweiterung in ein wahres Duftmeer verwandeln. Dabei werden dem aufgeheizten Wasser Duftstoffe beigemengt, die man dank der ständigen Umwälzung durch Düsenpumpen während des Bades besonders gut aufnimmt. Aber auch eine einfache Duschkabine kann zum Aroma-Raum werden: Erlebnisduschen sind häufig mit Beduftungselementen ausgestattet. In weniger modern ausgestatteten Bädern tut es eine simple Duftkerze – die durch ihren sanften Schein zusätzlich zum Relax-Feeling beiträgt. 

Anschließend empfiehlt sich eine Partner- oder Selbstmassage mit wohlriechenden Ölen. Wussten Sie, dass Düfte nicht nur durch die Nase, sondern auch über die Haut aufgenommen werden? Das sanfte Kneten der Muskulatur in Verbindung mit Orangen- oder Mandarinendüften sorgt für eine tiefe Entspannung und ist nach einem anstrengenden Tag ein unvergleichlicher Genuss. Wenn Sie dann noch einen Entspannungsduft mittels Kopfkissenspray mit ins Bett nehmen oder einfach ein paar Tropfen Ihres Lieblingsparfums verwenden, steht der nächsten Traumreise nichts im Weg. Gut möglich, dass sie Sie direkt in einen wunderschönen tropischen Garten am Meer führt, in dem Sie so gut entspannen, dass Sie sich am nächsten Morgen fühlen, als hätten Sie nicht nur eine erholsame Nacht, sondern einen ganzen Luxusurlaub hinter sich!

RELAX DÜFTE

Sechs entspannende Aromen, die Wohlgefühl auslösen. 
Kamille. Wer abends überdreht ist und schlecht einschlafen kann, muss nur ein wenig an ihr schnuppern: Der Duft der Kamille erdet, stärkt die Nerven, sorgt für eine angenehme Nachtruhe. 
Vanille. Düfte, die positive Erinnerungen wachrufen, wirken meist beruhigend, wie Vanille-Aromen. Sie stehen im Ruf, Blockaden zu lösen und Glücksgefühle aufkommen zu lassen. 
Lavendel. Sein angenehmer Geruch wird vielseitig eingesetzt – etwa zum Beduften von Wäsche oder Kopfkissen für besseren Schlaf. Lavendelöl wirkt beruhigend, krampflösend, antibakteriell, antiviral und entzündungshemmend. 
Bergamotte. Der kleinen, grünen Zitrusfrucht wird nachgesagt, dass sie Harmonie in das Gemüt bringt. Ihr erfrischendes Aroma kann je nach Bedarf belebend oder entspannend wirken. In jedem Fall wird Stress reduziert. 
Jasmin. Gegen trübe Stimmungen an dunklen Herbsttagen hilft Jasminöl. Laut dem Zellphysiologen Prof. Hanns Hatt wirkt es ähnlich wie Psychopharmaka. Außerdem soll es die Aufmerksamkeit erhöhen, ohne Unruhe zu erzeugen. 
Rose. Ihr legendärer Duft verbreitet nicht nur romantische Stimmung, sondern gilt auch als wirksames Mittel gegen schlechte Stimmungen und Angstzustände. Rosenöl wird gerne mit Lavendel gemeinsam verwendet und ist ideal, um Spannungen abzubauen. Verwenden Sie nur echte, zertifizierte ätherische Öle mit Herstellernachweis. Sie sind zwar teurer als synthetische Parfümstoffe, letztere haben aber keine therapeutische Wirkung. WICHTIG: In der Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei verschiedenen Erkrankungen (z. B. Asthma, Epilepsie oder hohem Blutdruck) ist bei ätherischen Ölen Vorsicht geboten. Besprechen Sie die Verwendung mit Ihrem Arzt. Öle und Essenzen kindersicher aufbewahren.

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