Entdeckungsreise Kind

Liebe frischgebackene Eltern!

Was ein Kind mit einer Entdeckungsreise zu tun hat, werden Sie sich vielleicht fragen. Auf beide kann man sich vorbereiten, und nachher wird es ganz anders als ursprünglich geplant. Bei einer Reise haben Sie eine Vorstellung von Beginn und Ende. Was aber dazwischen liegt, entzieht sich oft Ihrem Einfluss. Manchmal werden Sie sich mit voller Expeditionsausrüstung durch karge Berglandschaften durchschlagen müssen. Und dann wieder gehen Sie einfach barfuß an einem sandigen Flussbett entlang. Auf Ihrer Wanderschaft sammeln Sie neue Eindrücke, lernen fremde Menschen, aber auch sich selber besser kennen. Vieles werden Sie lieb gewinnen und manches wird Ihnen fremd bleiben.

Bei einem Kind ist es ähnlich. Während der Schwangerschaft haben Sie sich wahrscheinlich ausgemalt, wie es sein wird, wenn Ihr Kind einmal da ist. Und dann sind bereits die ersten Stunden und Tage ganz anders als in Ihrer Vorstellung. Ihr Kind hat nämlich von der ersten Sekunde an seine eigene Art und Persönlichkeit. Und es versucht sich verständlich zu machen und eine Beziehung zu Ihnen aufzubauen. Manchmal wird es dann wichtig für Sie sein, gut ausgerüstet zu sein. Und sehr oft wird es einfach auf Ihr Da-Sein, Ihr Lächeln, Ihr gutes Wort und Ihr Herz ankommen.

Sie werden durch Ihr Kind – wie beim Reisen – die Welt aus einem anderen Blickwinkel kennen lernen. Einerseits werden Sie am eigenen Leib erleben, wie wenig unser modernes Leben auf die Bedürfnisse der Kleinen Rücksicht nimmt, z.B. im Straßenverkehr. Und andererseits werden Ihnen ganz alltägliche Kleinigkeiten auf einmal in neuem Licht erscheinen, da Ihr Kind diese mit der ihm eigenen Aufmerksamkeit betrachtet. Denken Sie nur an die Freude, die Kinder oft über eine Kastanie, über einen Schlüsselbund oder einen Apfel haben können. Wie sie versuchen, diesen Gegenstand richtig anzugreifen, genau zu untersuchen und auch richtig anzuwenden oder vielleicht jemandem zu schenken. Aber es wird auch Momente geben, wo Sie Ihr Kind nicht verstehen werden, in denen Ihnen Ihr Kind völlig fremd vorkommt. Gerade am Anfang wird Ihnen vieles unbekannt und unverständlich erscheinen. Ist das ein Wunder? Sie kennen Ihr Kind ja noch kaum. Nehmen Sie sich die Zeit zum gegenseitigen Kennenlernen. Machen Sie sich vertraut mit den Bedürfnissen Ihres Kindes: wie es am liebsten gehalten wird, wie es schaut, wann es schlafen möchte … Und schauen Sie, wie es Ihnen als Eltern damit geht. Müssen Sie immer lachen, wenn die frische Windel Minuten später wieder voll ist? Oder macht Sie das Geplärre beim Anziehen nervös? Sie müssen nicht immer alles an und mit Ihrem Kind toll finden. Und was Sie als Mutter entzückt, kann für den Vater schauderbar sein und umgekehrt. Es wird auch immer wieder Momente geben, wo Sie den Umgang Ihres Partners/Ihrer Partnerin mit dem Kind schrecklich finden. Eltern dürfen unterschiedlich sein, solange der Umgang mit dem Kind aufmerksam und liebevoll ist.

Einen großen Unterschied zwischen einer Reise und einem Kind gibt es allerdings: Eine Reise können Sie abbrechen, ein Kind aber nicht „zurückschicken“. Sind in unserer Gesellschaft die Partnerschaften auch brüchiger geworden, die Beziehung zum Kind ist immer lebenslang. Viele Monate und Jahre seines Lebens ist Ihr Kind von Ihnen abhängig. Es braucht Sie, Ihre Liebe, Ihre bedingungslose Zusage und Annahme. Ach ja, und nicht zu vergessen: Ihre Arbeitskraft. Und seien Sie gleichzeitig sicher: Alle Eigenschaften und Fähigkeiten, die Sie brauchen, um Ihr Kind gut versorgen zu können, stecken zumindest in Grundzügen in Ihnen drinnen. Sie werden ungeahnte Kräfte in sich entdecken und draufkommen, dass Sie viel mehr können, als Sie geahnt haben. Und wenn Sie einmal nicht weiterwissen, ist es keine Schande, um Rat zu fragen: die eigenen Eltern, Freunde, einen Arzt, Psychologen oder andere Menschen in Ihrer Umgebung. Bei einer Reise fragen Sie ja auch den Reiseleiter oder die Dame an der Rezeption. Oder Sie orientieren sich auf Ihrer Straßenkarte.

Wir, das Autoren-, Autorinnen- und Gestaltungsteam des vor Ihnen liegenden Elternbriefes, gratulieren Ihnen jedenfalls sehr herzlich zur Geburt Ihres Kindes. Wir wünschen Ihnen viele beglückende und überraschende Stunden in Ihren neuen Rollen als Mutter und Vater. Wir teilen mit Ihnen in aller gebotenen Knappheit unser Wissen über diese Lebensphase und hoffen, dadurch nützlich für Sie zu sein.

Endlich zu zweit und doch allein?!
Sie haben sich so auf Ihr Kind gefreut, und jetzt sind Sie mit der ganzen Verantwortung allein?! Herumreden nützt nichts: Diese Situation ist einfach schwierig und belastend. Machen Sie sich jetzt bitte nicht auch noch Vorwürfe, dass Ihr Kind ohne Vater aufwächst. Ihr Kind wird männliche Vorbilder auch in anderen Männern finden, z.B. beim Großvater, bei Ihren Freunden oder Bekannten.

Sie können und sollen für Ihr Kind nicht auch Vater spielen. Aber Sie können und werden Ihrem Kind eine liebevolle Mutter sein. Nicht mehr und nicht weniger!

Autor: Maga. Irene M. Kernthaler-Moser, Journalistin

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