Eltern und Lehrer machen die „Räuberleiter“

Bis jetzt war Fridolin ein guter Schüler: Er hat selbständig die Hausaufgaben gemacht, gewusst, was zur Ansage kommt, und aktiv mitgearbeitet. Nun kommt er plötzlich in der dritten Klasse mit einem Vierer in Deutsch nach Hause, über den er selbst sehr entsetzt ist. Sein Vater kann sich diese Entwicklung nicht erklären und geht in die nächste Sprechstunde. Von der Lehrerin erfährt er, dass Fridolin neuerdings gerne mit den drei schlimmsten Buben der Klasse zusammensitzt. Die finden Hausaufgaben blöd und Schwätzen im Unterricht cool. Gemeinsam überlegen Vater und Lehrerin, wie Fridolin unterstützt werden kann. Der Vater erzählt über Fridolin, dass er leicht ablenkbar ist und klare Regeln braucht, damit er sich auskennt. Die Lehrerin macht den Vorschlag, Fridolin wegzusetzen, denn dann ist er weniger leicht abgelenkt. Fridolins Vater wird sich darum kümmern, dass er die Möglichkeit hat, seine neuen Freunde vermehrt am Nachmittag zu sehen. Wieder zu Hause erzählt er Fridolin von der Vereinbarung mit der Lehrerin. Nach einer längeren Besprechung ist Fridolin einverstanden, da es ihm sehr wichtig ist, ins Gymnasium zu kommen. Und er ist schon groß genug um zu verstehen, wie wichtig gute Noten dafür sind.

Wichtig für Ihr Kind ist also dieses Zusammenspiel zwischen Elternhaus und Schule. Beide Seiten sollten bedenken, dass ein Miteinander und nicht ein Gegeneinander angesagt sind. Nicht Vorwürfe, sondern Vorschläge, nicht sofortiges Abblocken einer Kritik, sondern das Eingehen auf die Argumente des jeweils anderen sind gefragt.

Mit dem Schuleintritt muss das Kind lernen, seinen Alltag zunehmend selbst zu gestalten. Besonders am Anfang braucht es dabei Ihre Unterstützung und liebevolle Begleitung.

Wenn Ihr Kind in die Volksschule kommt, werden erstmals seine Leistungen und Fortschritte von „fremden“ Personen beurteilt. Eltern und Kinder müssen sich erst daran gewöhnen, dass sich die Beurteilung in der Schule auf die Leistungen des Kindes und nicht auf die Person bezieht. Gute Lehrkräfte gehen auf die Persönlichkeit des Kindes natürlich ein; und trotzdem muss die Leistung des Kindes nach eindeutigen Regeln benotet werden. Sie unterstützen Ihr Kind in dieser Phase am besten, indem Sie möglichst viel Kontakt zu den Lehrkräften halten. So können Sie mit Ihrem Kind darüber reden, wie jeder von Ihnen die Situation verstanden hat. Auch Missverständnisse lösen sich leichter, wenn Sie sie sofort ansprechen, bevor Probleme daraus werden. Seien Sie für Ihr Kind Verbündete, wenn es Probleme mit anderen Kindern oder den Lehrerkräften gibt, aber kein/e „Überlehrer/in“!

Tipps für Eltern

  • Wenn Ihr Kind in die Schule kommt, kann es für Sie schwierig sein, es nun einer „fremden“ Person zu überlassen. Bedenken sollten Sie aber, dass die Lehrpersonen, als vorerst außenstehende Menschen, oft Dinge wahrnehmen, die Sie selbst nicht erkennen können.
  • Jeder von uns kann so genannte „blinde Flecken“ haben, die nicht wahr genommen werden. Eine liebevolle Rückmeldung von Außenstehenden ist oft eine große Chance, Begabungen oder auch Schwächen wahrzunehmen, die wir, aus welchen Gründen immer, selbst oft übersehen. So können Sie von den Lehrkräften Ihres Kindes sehr profitieren.
  • Wenn Sie in eine Sprechstunde gehen, reden Sie mit Ihrem Kind vorher und nachher darüber. Vermeiden Sie, dass Ihr Kind das Gefühl bekommt: „Da entscheiden zwei Erwachsene über mich.“ Wenn Sie Ihr Kind hingegen ausführlich informieren, wird es das Gefühl haben, dass die Erwachsenen zu seinem Wohl gut zusammenarbeiten.
  • Nützen Sie Elternabende, um die Eltern der anderen Kinder kennen zu lernen und ein Gefühl für das Klassenklima zu bekommen. Wenn andere Eltern erzählen, dass ihr Kind mit ähnlichen Schwierigkeiten zu kämpfen hat, ist es oft leichter, auch kritische Dinge zur Sprache zu bringen.
  • Wenn Sie keine Zeit für einen persönlichen Kontakt mit der Lehrkraft haben, nützen Sie das Mitteilungsheft.
  • Eltern sind für die Rahmenbedingungen zuständig, damit der schulische Alltag gut läuft. Sie sind in Bezug auf die Schule so etwas wie der „Coach“ des Kindes.

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