Eine Nacht im Schlaflabor

Seit Jahren schon fühle ich mich so gut wie nie richtig ausgeschlafen, sondern bin immer müde, und dennoch schrecke ich Tag für Tag zu nachtschlafener Zeit auf – und stehe sofort auf, weil ich dem Chaos aus Gedanken und Ängsten in meinem Kopf nur entfliehen kann, indem ich flugs das Bett verlasse und den Tag beginne. Soweit es meine Zeit zulässt, mache ich tagsüber ein Nickerchen und komme als „Intervall-Schläferin“ damit locker auf die empfohlene Schlafenszeit für Erwachsene. Müde bin ich dennoch, mögliche medizinische Gründe dafür wurden ärztlich ausgeschlossen und ich für weitere Untersuchungen in ein Schlaflabor überwiesen.

Meine Nacht im Schlaflabor
Dort also bin ich jetzt: Im Helios-Schlaflabor der Emco Privatklinik auf 772 Höhenmetern, idyllisch gelegen inmitten von Wiesen und Wäldern im Kurörtchen Bad Dürrnberg in der Nähe von Salzburg. Es ist 18 Uhr abends, als ich einchecke und in ein ganz normales Krankenhauszimmer geführt werde. Das „Labor“, denke ich, muss wohl anderswo sein. Es erwartet mich ein köstliches Abendmahl, und nachdem ich einige Formulare und einen umfangreichen Fragebogen ausgefüllt habe, wird noch eine ausführliche Anamnese aufgenommen und hernach – es ist mittlerweile etwa 20 Uhr – werde ich gebeten, mich bettfertig zu machen. Bevor ich allerdings zu Bett gehen kann – geschlafen wird in dem Bett, das im Zimmer steht –, werde ich noch verkabelt. Und das dauert.

Hightech im Schlaflabor
Zur Abklärung, ob eine Schlafstörung vorliegt, und um welche es sich handelt, werden mittels hochsensibler Sensoren neuester Messtechnologie sowie Infrarot-Videotechnik und Audiotechnik die ganze Nacht über die für den Schlaf maßgeblichen Körperfunktionen aufgezeichnet. Gemessen werden die Gehirnströme (EEG), der Herzrhythmus (EKG), der Atemfluss über Mund und Nase, die Atembewegung über Brust und Bauch, die Muskelbewegungen etwa im Gesicht (EMG), aber auch die Beinbewegung, die Augenbewegung (EOG) sowie die Körperlage. Die Übertragung der Daten erfolgt über Funk – was einem, um etwa die Toilette aufzusuchen, die dafür nötige Bewegungsfreiheit garantiert. Mehr als das will man eh nicht machen, weil einen der Kabelsalat von Kopf bis zu den Beinen und die Messgeräte doch irritieren. Ich habe überdies befürchtet, dass sich ein Kabel lösen könnte und die aufwendige Prozedur von Neuem gestartet werden müsste. Es ist kurz vor 22 Uhr, als ich im Bett liege, um 21.59 Uhr startet die Registrierung, ich drehe mich vorsichtig hin und her, drehe die Lampe ab und schlafe prompt ein.

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