Eine ganz normale Familie

In Emmas Kindergartengruppe gibt es fünfKinder von alleinerziehenden Müttern und Vätern. Das spiegelt ziemlich genau die österreichische Statistik wider: Über 20 Prozent aller Familien bestehen aus einem Elternteil mit mindestens einem Kind.

Emma findet das ganz normal. Sie selbst wohnt bei ihrer Mama und besucht regelmäßig Papa. Seit sie sich erinnern kann, ist das so. Dass andere Kinder abwechselnd von ihren Eltern abgeholt werden, macht sie nicht neidisch. Ab und zu darf sie ja auch mitgehen.

Zu Lea zum Beispiel, die drei ältere Brüder hat. Da geht es ganz anders zu als bei Emma! Leas Mutter hat alle Hände voll zu tun mit den vier Rackern. Beim ersten Besuch hat Emma sie gefragt, wann sie denn arbeiten geht. „Meine Arbeit ist hier“, hat sie gelacht und erklärt, dass sie früher in einem Haus gearbeitet hat, wo Bücher gedruckt werden. „Wenn Lea und ihre Brüder in die Schule gehen, möchte ich das wieder machen – so wie deine Mama schon jetzt.“ Wenn Leas Vater abends heimkommt, gibt es noch eine „Tobe-Viertelstunde“ für alle Kinder. Das kennt Emma nur von ihrem Onkel, der hat ihr das Raufen beigebracht.

Emmas Mutter macht sich manchmal Sorgen, dass Emma etwas fehlen könnte. Eine männliche Bezugsperson im Alltag vielleicht, oder Familienrituale mit beiden Eltern. Die Kindergärtnerin hat sie beruhigt: „Emma ist ein ausgeglichenes, zufriedenes Kind mit altersgemäßen sozialen Fähigkeiten.“ Dass es ab und zu vorkommt, dass sie einen Trotzanfall hat oder nachts ins Bett macht, macht sie umso normaler. Auch so genannte „intakte“ Familien haben Probleme – und zeitweise auch eine Krise.

Eine solche intakte Familie ist die von Emmas Freund Ivo. Trotzdem ruft Ivos Mutter öfter Emmas Mutter an und klagt über die mangelnde Mithilfe ihres Mannes. „Die ganze Woche ist er auf Dienstreise und am Wochenende will er natürlich Ruhe. Eigentlich bin ich genauso alleinerziehend wie du.“ Stimmt, denkt Emmas Mutter. Es wäre schön, einen Partner zu haben. Aber er macht nicht automatisch alles einfacher. Verlässlicher ist ein gutes Netz von Freunden und Verwandten.

Ihre Familie – so wie sie ist – ist der Boden, auf dem das Selbstwertgefühl und die Alltagskompetenz Ihres Kindes wachsen. Dabei kommt es nicht auf bewusstes Erziehen an, sondern vielmehr auf gemeinsam verbrachte Zeit und Erlebnisse im Familienkreis. Zuhause findet Ihr Kind Geborgenheit, Anerkennung, Ruhe und Abwechslung, Platz für Kreativität und Genuss. All das können Sie ihm selbstverständlich auch als Alleinerziehende(r) bieten.

Tipps

  • Machen Sie sich bewusst, dass Sie nicht alleine sind, und suchen Sie Kontakt zu anderen alleinerziehenden Eltern.
  • Wenn Ihnen die Situation zu viel wird, sprechen Sie sich bei Freunden aus, die Sie verstehen – aber nicht bemitleiden.
  • Beziehen Sie Probleme nicht auf Ihre Familienform, sondern suchen Sie nach den Ursachen und bemühen Sie sich um eine Lösung.
  • Ihr Kind wird sich gut entwickeln, wenn Sie ihm vertrauen und Ihre Elternrolle bewusst leben.
  • Sie sollen und können den anderen Elternteil nicht ersetzen.
  • Trauen Sie Ihrem Kind zu, dass es in dieser Familienform glücklich leben kann!

Erste Hilfe bei Selbstmitleid
Ihre Traurigkeit und Ihr Kummer sind ernst zu nehmende Gefühle. Es ist erlaubt, sie auszukosten und sich einmal so richtig fallen zu lassen.
Spüren Sie dabei den Ursachen dieser Gefühle nach: Wo entspringt Ihr Leiden?
In Wut – worauf?
In Verletzung – wodurch?
In Sentimentalität – weswegen genau? Finden Sie den wunden Punkt, der Ihnen wirklich zu schaffen macht.

Dann überlegen Sie, wie Sie damit umgehen. Es liegt in Ihrer Hand, ob Sie weiter mit Ihrem Schicksal hadern, oder mit einem mutigen „So ist es eben – und ich mache das Beste draus“ in die Zukunft schauen.

Denken Sie nicht, alle Probleme wären gelöst, wenn …
… Sie einen neuen Partner hätten
… Ihr alter Partner zurückkäme
… Sie mehr Geld hätten usw.

So stehen Sie sich selbst im Weg. Erinnern Sie sich lieber daran, was Ihnen Freude macht und Sie ablenkt.

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