Ein Hoch der Liebe!

In einer intakten Zweisamkeit ist der Mensch nicht nur zufriedener, glücklicher, weniger stressanfällig und zudem deutlich gesünder als Menschen, die, aus welchen Gründen auch immer, alleinstehend sind. Drei von vier Österreichern leben in einer Beziehung – und am besten geht es, laut einer repräsentativen Studie der Online-Partnerschaftsbörse Parship aus dem vorigen Jahr, jenen, die sich für eine Ehe oder ein eheähnliches Zusammenleben entschieden haben. Auch wenn Frauen und Männer in unserer Gesellschaft ganz gut alleine zurechtkämen – Frauen können sich selbst erhalten, Männer um sich selbst kümmern, die Kinder wachsen im Patchworkverband auf und eine Trennung oder Scheidung ist auch kein gesellschaftliches Stigma mehr –, wünschen sich laut der Studie 84 Prozent der Alleinlebenden einen Partner und acht von zehn wären auch bereit, dafür Kompromisse einzugehen.

Zu zweit ist man weniger allein. Der Mensch ist ein soziales Wesen, braucht, um sich wohl und damit gesund zu fühlen, Geborgenheit, Gemeinsamkeit, Sicherheit und Harmonie. Er braucht jemanden, mit dem er Sorgen teilen, Nöte besprechen und Probleme angehen kann. Einen Menschen, mit dem er sein Leben teilt. „Den Menschen eint“, so Psychoanalytiker Dr. Walter Hoffmann, vom Institut für Angewandte Tiefenpsychologie in Wien, „das tief verwurzelte Bedürfnis nach Bindung, die Sehnsucht nach Beständigkeit.“ So weit, so gut. Würde der Mensch sich mit dem, was er hat, zufriedengeben und in allen Bereichen des Lebens nicht immer nach mehr streben, könnte er leben – glücklich und zufrieden bis ans Ende seiner Tage. Wir aber wollen immer mehr. Denn: Genug ist nicht genug. „Wir leben in einer Gesellschaft, die immer mehr vereinsamt, wir bewegen uns auf eine Singlegesellschaft zu“, sagt Experte Hoffmann. „Wir leben sowohl im Privatleben als auch im ökonomischen Bereich in einer Schräglage. Die Sucht nach immer mehr hat uns nicht glücklicher gemacht. Wir stehen permanent unter Strom, wir haben immer Stress.“

Stress macht krank und hat eine zerstörerische Wirkung.  Unser Gesundheitssystem ist nicht zuletzt aufgrund von stressbedingten Erkrankungen am Kollabieren, die Ausgaben für Arzneimittel steigen stetig an. Medikamente gegen chronische oder akute Herzschwäche sowie Bluthochdruck nehmen laut Gesundheitsministerium (Zahlen von 2012, aktualisiert 2014) mit 13 Millionen Verordnungen den ersten Platz ein, gefolgt von Arzneien für Erkrankungen des Magens (9,2 Millionen) und Psychopharmaka (8,1 Millionen). Auch aus der Wachstumsrate des Verbrauchs in den OECD-Ländern lässt sich in Summe ein ähnlicher Schluss ziehen. Sie ist laut aktuellen Daten bei vier Arzneimittelkategorien am höchsten: Antidiabetika, Antidepressiva, cholesterinsenkende Medikamente und Antibiotika. Der Druck, dem wir uns aussetzen, dem wir ausgesetzt sind, wirkt sich in allen Lebenslagen fatal aus. So natürlich – und allem voran – besonders in unseren Beziehungen. Hoffmann: „Derzeit jedoch mangelt es vielseits noch an der Bereitschaft, vernünftige Lebensregeln anzuerkennen und den Lebensstil zu ändern.“ Eine der fatalen Folgen der fehlenden Work-Life-Balance: Dauerkrise in der Partnerschaft, und wenn irgendwann gar nichts mehr geht, kommt es zur Trennung.

Interessantes

- Advertisement -Jentschura

Empfehlungen